{"title":"Leibniz, Gottfried Wilhelm: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Leibniz<\/STRONG>\n<P>Leibniz studierte (bereits mit 15 Jahren) Jura in Leipzig, Jena und Altdorf (bei N&#252;rnberg) und war danach juristischer und diplomatischer Berater in Kurmainzer Diensten; 1672-76 hielt er sich mit diplomatischem Auftrag in Paris auf, wo er zahlreiche Mathematiker und Naturwissenschaftler kennenlernte, von denen C. Huygens zeitlebens sein v&#228;terlicher Freund bleiben sollte; er wurde Mitglied der Pariser Akademie und unternahm mehrere Reisen nach London, wo er unter anderem mit R. Boyle und R. Hooke zusammentraf; 1673 wurde er in die Royal Society aufgenommen; 1676 trat er als Bibliothekar und juristischer Berater in die Dienste des Herzogs von Hannover und wurde 1685 mit der Erforschung der Geschichte des Welfenhauses beauftragt; eine Reise durch Italien (1687-90) brachte ihn unter anderem mit M. Malpighi zusammen; 1691 wurde er Bibliothekar in der herzoglichen Bibliothek in Wolfenb&#252;ttel, wo er 1707 die Zusammenfassung seiner historischen Studien \"Scriptores rerum Brunsvicensium\" herausgab; bereits 1700 war auf sein Betreiben, mit Unterst&#252;tzung der sp&#228;teren K&#246;nigin von Preu&#223;en, Sophie Charlotte, in Berlin die Societ&#228;t der Wissenschaften (die sp&#228;tere Akademie der Wissenschaften) gegr&#252;ndet worden, deren Pr&#228;sident auf Lebenszeit er wurde; au&#223;erdem regte er die Gr&#252;ndung der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg an und wurde russischer Staatsrat; 1712-14 lebte er in Wien und wurde dort 1713 zum Reichshofrat ernannt. Als f&#252;hrender und universalster Geist seiner Epoche (er wurde auch \"Aristoteles des 17. Jahrhunderts\" genannt) bem&#252;hte Leibniz sich auf wissenschaftlichem und politischem Gebiet um einen Ausgleich der Gegens&#228;tze. In den Naturwissenschaften leistete er hervorragende Beitr&#228;ge zur Mathematik und Physik. W&#228;hrend seines Pariser Aufenthalts besch&#228;ftigte er sich mit mathematischen Problemen, wie der Summation unendlicher Reihen (z.B. Summation reziproker Dreieckszahlen), und erkannte die Bedeutung des \"charakteristischen Dreiecks\" beim Differenzenquotienten f&#252;r das Tangentenproblem; er konstruierte eine Rechenmaschine (1672-74), die der von B. Pascal &#252;berlegen war, weil man mit ihr auch multiplizieren und dividieren konnte, und entwickelte ab 1675 (sp&#228;ter, aber unabh&#228;ngig von I. Newton) die Infinitesimalrechnung (als \"Calculus\" bezeichnet; 1684 ver&#246;ffentlicht); er gab der Infinitesimalrechnung ihre einheitliche Sprache (pr&#228;gte z.B. den Begriff \"Funktion\") und Symbolik, stellte Regeln f&#252;r die Differentialrechnung (1684) und f&#252;r die Integralrechnung (1686) auf, f&#252;hrte das Differentialzeichen und das Integralzeichen ein und fand den wichtigen Zusammenhang zwischen dem bestimmten und dem unbestimmten Integral sowie die partielle Integration, die z.B. bei Newton fehlen. (&#220;ber die Infinitesimalrechnung gab es bis zu seinem Tod mit Newton einen heftigen Priorit&#228;tenstreit: eine von der Royal Society eingesetzte Kommission sah sie als Plagiat von Newtons \"Fluxionsrechnung\" an; heute steht fest, da&#223; beide Verfahren unabh&#228;ngig voneinander entwickelt wurden.) 1697 ver&#246;ffentlichte Leibniz eine Abhandlung &#252;ber das bin&#228;re Zahlensystem (Rechnen mit Einsen und Nullen): in einem Briefwechsel (1694-1698) mit J. Bernoulli wurden die mathematischen Begriffe Funktion, Konstante, Variable, Koordinate, Parameter, Determinante, algebraische und transzendente Funktion festgelegt. - In der Physik erkannte Leibniz das Produkt aus der Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit <I>(mv<SUP>2<\/SUP>)<\/I> als ma&#223;gebend f&#252;r die \"lebendige Kraft\" (Ma&#223; der Bewegung, heute als kinetische Energie bekannt) und fand 1693 das Gesetz von der Erhaltung der mechanischen Energie; er unterschied zwischen gleitender und rollender Reibung, lieferte den Grundgedanken f&#252;r das Aneroidbarometer und gab eine Verbesserung der Dampfmaschine an; auch beobachtete er als einer der ersten den elektrischen Funken; 1707 erw&#228;hnte er in einem Brief das \"Prinzip der kleinsten Wirkung\". In der Biologie war er neben N. Hartsoeker, H. Boerhaave und A. van Leeuwenhoek Vertreter der Animalculisten innerhalb der Pr&#228;formationstheorie, die er zu einem allgemein philosophischen Gedankengeb&#228;ude (Pr&#228;formismus) erweiterte; seine Ideen von der \"Gradation\" - Stufenleiter des Lebendigen und Unbelebten - sowie seine Vorstellungen von Entwicklungsprozessen in der Natur, die eine Abkehr von der bis dahin vorherrschenden statischen Betrachtung bedeuteten, formulierte er in den \"3 Prinzipien der Weltordnung\": 1. die gr&#246;&#223;tm&#246;gliche Mannigfaltigkeit, weshalb diese Welt auch die beste aller m&#246;glichen sei; 2. die l&#252;ckenlose Kontinuit&#228;t, wonach die Natur keine Spr&#252;nge mache (\"Natura non facit saltus\"); 3. die hierarchische Ordnung (\"Scala naturae\"), repr&#228;sentiert durch die verschiedenen Monaden. Dabei lehnte Leibniz die von Platon bis <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/2754'>Descartes<\/A> gelehrte Uniformit&#228;t und Konstanz ausdr&#252;cklich ab und sah einen st&#228;ndigen Fortschritt in der Natur - ein Gedanke, der wegbereitend war f&#252;r die Vorstellung von Evolution. Nach Leibniz sind das <I>Leibniz-Kriterium<\/I> (Regel &#252;ber das Konvergenzverhalten alternierender Reihen) und die bedingt konvergierende <I>Leibniz-Reihe<\/I> benannt. <\/P>"}