{"title":"Quantentheorie: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Quantentheorie<\/STRONG>\n<P><STRONG>1 <\/STRONG><I>r&#228;tselhafte Quantenwelt:<\/I><BR><\/BR>Zwar ist der Status des Beobachters in der Quantentheorie und die Frage, ob und wie Materie bewu&#223;tes Erleben hervorbringt, noch immer ein Gegenstand kontroverser Diskussionen. Doch haben Experimente inzwischen eindeutig best&#228;tigt, da&#223; die Bedingungen der Lokalit&#228;t und Separabilit&#228;t in der klassischen Physik keine Entsprechung in der Quantentheorie haben. Stattdessen herrschen dort verschr&#228;nkte Zust&#228;nde (EPR-Korrelationen) zwischen Quantensystemen, die sich vielleicht sogar bald nutzen lassen: Zur Verschl&#252;sselung von Botschaften (Quantenkryptographie) und zur Berechnung anderweitig nicht oder nur mit riesigem Aufwand l&#246;sbarer Probleme (Quantencomputer). Trotz des gro&#223;en Erfolgs der Quantentheorie \"f&#252;r alle praktischen Zwecke\" sind ihre philosophischen Konsequenzen alarmierend und noch lange nicht ausgelotet. Ihr Indeterminismus stellt die Kausalit&#228;t in Frage, und der Formalismus der Wellenfunktion generell eine objektive Naturbeschreibung. Hier macht es keinen Sinn mehr, von identifizierbaren individuellen Teilchen zu sprechen, denn es existiert keine wohlbestimmte raumzeitliche Bahn (wegen der Unsch&#228;rferelation) und keine Unterscheidbarkeit aufgrund des Teilchenzustands (wegen der Permutations-Invarianz im Formalismus), d.h. nur noch Abz&#228;hlbarkeit, keine Numerierbarkeit (individuelle Benennung). Objektiv sind lediglich Quantenfeldzust&#228;nde, charakterisiert durch Besetzungszahlen, aber die einzelnen Teilchen k&#246;nnen aufgrund ihrer Zust&#228;nde im Rahmen des Formalismus nicht mehr unterschieden werden. Wenn die Bahn eines Teilchens konstitutiv f&#252;r dessen Identit&#228;t ist, und Identit&#228;t eine Mindestbedingung f&#252;r Gegenst&#228;nde darstellt, dann wird der Status von elementaren Partikeln fraglich. Auch Selbstinterferenz, Verschr&#228;nktheit (keine Lokalisation und Separierbarkeit), Superposition und der Welle-Teilchen-Dualismus sprengen unser Alltagsverst&#228;ndnis und Vorstellungsverm&#246;gen von der Natur der Quantenwelt. In einem gewissen, streng definierbaren Sinn ist die Welt also holistisch; eine standpunktsunabh&#228;ngige Beschreibung der Realit&#228;t hat sich in der Quantenmechanik als undurchf&#252;hrbar erwiesen. Die Separation einzelner Objekte und die Subjekt-Objekt-Trennung sind pragmatische Abstraktionen und Idealisierungen, die epistemologischen Nutzen, aber anscheinend keine ontologische Realit&#228;t haben. Das Bohr'sche Korrespondenzprinzip postuliert einen &#220;bergang von der bizarren mikroskopischen Welt der Quantenph&#228;nomene auf unsere meso- oder makroskopische Alltagswelt, &#228;ndert aber nichts daran, da&#223; letztlich alles auf quantenphysikalischen Prozessen beruht. So werden durch die Quantentheorie drei f&#252;r die klassische Physik unhinterfragte Aspekte der Natur zweifelhaft: ihre Kausalit&#228;t, ihre Verst&#228;ndlichkeit und ihre Realit&#228;t.<\/P>"}