{"title":"Quantentheorie: Zusatzinfo II","body":"<STRONG>Quantentheorie<\/STRONG>\n<P><STRONG>2 <\/STRONG><I>Interpretationen der Quantenphysik:<\/I><BR><\/BR>- <I>Kopenhagener Deutung<\/I> (Niels Bohr, L&#233;on Rosenfeld): nur Beziehungen zwischen beobachtbaren Gr&#246;&#223;en relevant; Beobachtungen sind an klassische Me&#223;instrumente gebunden, der Me&#223;proze&#223; kann nicht als physikalischer Vorgang analysiert werden, die Quantenwelt ist unabh&#228;ngig von Me&#223;prozessen unerkennbar, diese gehen nicht notwendig mit Bewu&#223;tsein einher; <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/3052'>Dualismus<\/A> der Beschreibung zwischen klassischen und Quantenobjekten; die Wellenfunktion bezieht sich auf individuelle Systeme und dr&#252;ckt die bestm&#246;gliche Kenntnis des Systemszustands aus; Quantenobjekte haben nur relationale Eigenschaften hinsichtlich bestimmter Me&#223;vorrichtungen (keine Objektivit&#228;t im klassischen Sinn, aber objektiv, da unabh&#228;ngig von aktualen Messungen); Welle-Teilchen-Dualismus <BR><\/BR>- <I>Ensemble-Interpretation<\/I> (Dimitrij Iwanowitsch Blochinzew, Albert Einstein, Alfred Land&#233;, Paul Langevin, Henry Margenau): quantenmechanische Aussagen beziehen sich nicht auf einzelne Systeme, sondern sind statistische Aussagen &#252;ber Ensembles von identisch pr&#228;parierten Systemen; keine Reduktion auf einen Me&#223;wert m&#246;glich (z.B. nicht nur f&#252;r eine Katze); kein Kollaps der Wellenfunktion, sondern Pr&#228;paration neuer Ensembles<BR><\/BR>- <I>stochastische Interpretation<\/I> (Erwin Schr&#246;dinger): Quantenmechanik als klassische Theorie mit probabilistischem Charakter <BR><\/BR>- <I>kausale Interpretation<\/I> (Louis Victor Pierre de Broglie, David Bohm): Wellenfunktion enth&#228;lt einerseits die Information &#252;ber den wahrscheinlichsten Aufenthaltsort des Teilchens und beeinflu&#223;t diesen andererseits durch eine begleitende Pilotwelle; kein Kollaps der Wellenfunktion, sondern statistische Annahmen &#252;ber die Verteilung der Teilchen <BR><\/BR>- <I>Propensit&#228;t-Interpretation<\/I> (Leslie E. Ballentine, Karl R. Popper): Propensit&#228;ten sind innere Eigenschaften von Systemen, die im Hinblick auf eine Me&#223;anordnung definiert, aber unabh&#228;ngig davon vorhanden sind; realistische Deutung der Quantenzust&#228;nde als theoretische Eigenschaften, die durch experimentell festgestellte relative H&#228;ufigkeiten getestet werden <BR><\/BR>- <I>spontane Lokalisierung<\/I> (Gian-Carlo Ghirardi, Alberto Rimini, Tullio Weber): Ab&#228;nderung der Schr&#246;dinger-Gleichung durch einen stochastischen Korrekturterm, der zwar selten, aber immer wieder einen &#246;rtlichen Kollaps der Wellenfunktion bewirkt, so da&#223; makroskopische Objekte rasch der Superposition entkommen <BR><\/BR>- <I>Quantenzustandsdiffusion<\/I> (Ian Percival, Nicholas Gisin): St&#228;ndiger zuf&#228;lliger Kollaps wegen Quantenfluktuationen <BR><\/BR>- <I>Quantenlogik(en)<\/I> (Garret Birkhoff, John von Neumann, David Finkelstein): das klassische Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten und der Satz vom Widerspruch gelten in der Quantenwelt nur eingeschr&#228;nkt oder das Distributivgesetz ist ung&#252;ltig; eine neue, drei- oder mehrwertige Logik ist n&#246;tig <BR><\/BR>- <I>Dekoh&#228;renz<\/I> (H. Dieter Zeh, Erich Joos, Wojciech H. Zurek): Wechselwirkung mit der Umgebung zerst&#246;rt die lokale Superposition von Quantenzust&#228;nden <BR><\/BR>- <I>Vielwelten-Hypothese<\/I> (Hugh Everett, John Archibald Wheeler, Bryce S. DeWitt): die Wellenfunktion kollabiert nie, sondern das Universum (einschlie&#223;lich der Beobachter) spaltet sich gleichsam st&#228;ndig auf, so da&#223; alle m&#246;glichen Alternativen wirklich werden und diese Welten fortan ihre eigene, praktisch unabh&#228;ngige Entwicklung durchlaufen (Paralleluniversen) <BR><\/BR>- <I>Viele-Historien-Interpretation<\/I> (Richard Feynman, James Hartle, Murray Gell-Mann): alternative Entwicklungslinien mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeiten, nur eine ist der Beobachtung zug&#228;nglich; bei grobk&#246;rniger Betrachtung \"waschen\" sich die Superpositionen aus; Dekoh&#228;renz durch Umgebung <BR><\/BR>- <I>Quantentheorie nur als \"vor&#252;bergehender Notbehelf\"<\/I> (John Bell): ohne Willensfreiheit ist das Bellsche Theorem nicht ableitbar und die Vollst&#228;ndigkeit der Quantentheorie experimentell nicht beweisbar <BR><\/BR>- <I>subjektivistische, mentalistische und dualistische Deutungen<\/I> siehe Kleindruck 3<\/P>"}