{"title":"Cocain: 2","body":"<BR><\/BR><STRONG>Cocain<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><I>Wirkungsmechanismen<\/I><BR><\/BR><BR><\/BR>1) Cocain besitzt die typischen Eigenschaften eines Lokalan&#228;sthetikums: Es blockiert vor&#252;bergehend und reversibel die Weiterleitung von Impulsen in Nervenfasern, indem es die Permeabilit&#228;t der Nervenmembran f&#252;r Natriumionen herabsetzt. Der Mechanismus beruht vermutlich darauf, da&#223; sich Cocain-Molek&#252;le (lipophiler aromatischer Ring im Molek&#252;l!) in der Lipidschicht der Membran l&#246;sen, an Rezeptoren in den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45413'>Natriumkan&#228;len<\/A> binden und dadurch das &#214;ffnen der Natriumkan&#228;le verhindern. Dadurch ist die Erregbarkeit der Nervenfaser vermindert oder ganz unterdr&#252;ckt, so da&#223; eine Verhinderung des Schmerzempfindens (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/59642'>Schmerz<\/A>) ohne Ausschaltung des Bewu&#223;tseins m&#246;glich ist.<BR><\/BR>2) Normalerweise werden bei der Signal&#252;bertragung an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65005'>Synapsen<\/A> die freigesetzten Neurotransmittermolek&#252;le, nachdem sie die benachbarte Nervenzelle erregt haben, zum Teil abgebaut und zum Teil zur&#252;ckgewonnen. Dieser Wiederaufnahmemechanismus von Transmittermolek&#252;len aus dem synaptischen Spalt, speziell von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19055'>Dopamin<\/A>, wird durch die Anwesenheit von Cocain blockiert. Dadurch verbleibt Dopamin l&#228;nger im synaptischen Spalt, bindet an die Dopaminrezeptoren (z. B. D<SUB>3<\/SUB>) der Nachbarzelle und ruft so eine stimulierende bzw. euphorisierende Wirkung (ein Gl&#252;cksgef&#252;hl) hervor. In Ratten konnte gezeigt werden, da&#223; der partielle Antagonist <I>BP 897<\/I> speziell an den Rezeptor D<SUB>3<\/SUB> bindet, wenn kein Cocain im Gehirn vorhanden ist, und so bei den Versuchstieren das Verlangen nach der Droge unterdr&#252;ckt wird. Daher k&#246;nnte diese Substanz in der R&#252;ckfallprophylaxe bei Cocains&#252;chtigen helfen.<BR><\/BR>3) Die euphorisierende Wirkung des Cocains soll au&#223;erdem durch Hemmung der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43705'>Monoamin-Oxidase<\/A> und Anreicherung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46728'>Noradrenalin<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61183'>Serotonin<\/A> in bestimmten Teilen des Gehirns zustande kommen. Durch die Blockade der Wiederaufnahme von Noradrenalin wirkt Cocain als einziges Lokalan&#228;sthetikum vasokonstriktorisch. &#8211; Die Wirkung des Cocains geht nach einiger Zeit wieder zur&#252;ck, weil die Molek&#252;le abgebaut und &#252;ber den Blutstrom weggef&#252;hrt werden. Im Blut ist die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54509'>Pseudocholinesterase<\/A> enthalten, ein <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/506'>Acetylcholin<\/A> abbauendes Enzym, das aber auch das Cocain-Molek&#252;l spaltet.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}