{"title":"Bienensprache: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Bienensprache<\/STRONG>\n<P><I>Elemente der Bienensprache:<\/I><BR><\/BR>Liegt die Futterquelle weniger als 100 m vom Bienenstock entfernt, macht die Sammlerin durch einen <I>Rundtanz<\/I> auf sie aufmerksam, der keinen Richtungshinweis &#252;bermittelt. Weiter entfernt liegende Trachtquellen werden durch den <I>Schw&#228;nzeltanz<\/I> signalisiert: hierbei dr&#252;ckt die Tanzgeschwindigkeit die Entfernung aus (je weiter die Futterquelle entfernt ist, desto langsamer ist der Tanz). Die Richtung wird durch die Ausrichtung der geraden, durch Schw&#228;nzeln betonten Tanzstrecke symbolisiert. Tanzt die Sammlerin auf dem waagrechten Anflugbrett, dann zeigt die Schw&#228;nzelstrecke direkt auf den Futterplatz. Fast immer wird aber auf der senkrecht stehenden Wabe im dunklen Stock getanzt. Dort wird die Schwerkraft benutzt, um die Richtung der Futterquelle im Verh&#228;ltnis zur Position der Sonne auszudr&#252;cken: die Senkrechte nach unten gibt die Richtung zur Sonne an. Der Winkel der Schw&#228;nzelstrecke zu dieser Senkrechten gibt den Winkel zwischen Sonne und Futterplatz wieder. Die nachfolgenden Bienen k&#246;nnen die Tanzrichtung mit Hilfe von Sinneshaaren, Schweresinn und F&#252;hlerstellung registrieren und beim Ausflug aus dem Stock in den richtigen Winkel zur Sonne umsetzen. Der Sonnenstand kann von den Bienen auch bei Bew&#246;lkung bestimmt werden, da ihr Facettenauge (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/6629'>Komplexauge<\/A>) die Polarisationsmuster des Sonnenlichts am Himmel wahrnehmen kann (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/10034'>Polarisationssehen<\/A>). Die Polarisationsmuster h&#228;ngen spezifisch vom Sonnenstand ab; daher kann die Biene aus ihrer Wahrnehmung den augenblicklichen Sonnenstand erschlie&#223;en. Auch eine Mitwirkung des Erdmagnetfeldes als Orientierungshilfe (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/7328'>magnetischer Sinn<\/A>) ist zweifelsfrei nachgewiesen worden. Neuerdings konnte festgestellt werden, da&#223; w&#228;hrend des Tanzes auch spezifische Vibrationssignale von der T&#228;nzerin &#252;ber die Waben abgegeben werden. Ihre Funktion wurde jedoch noch nicht vollst&#228;ndig gekl&#228;rt. Die Art der Tracht wird durch anhaftende Duftstoffe &#252;bermittelt, die die der T&#228;nzerin nachfolgenden Bienen aufnehmen. Die Ergiebigkeit der Tracht dr&#252;ckt sich in der Intensit&#228;t und Ausdauer beim Tanzen aus. Auch beim Schw&#228;rmen wird die Richtung der neuen Behausung von den Kundschafterbienen durch Tanzen auf der Schwarmoberfl&#228;che angegeben. In der Evolution ist dieses hochkomplexe Kommunikationssystem wahrscheinlich deshalb entstanden, weil zur Trachtzeit die Konkurrenz der Bl&#252;tenbesucher um die Futterquellen sehr stark ist. Da ein Bienenvolk auf gro&#223;e Vorr&#228;te angewiesen ist, mu&#223; f&#252;r jede ergiebige Futterquelle m&#246;glichst schnell die notwendige Zahl von Sammlerinnen rekrutiert werden. Die Bienensprache stellt also ein Instrument dar, um das Verh&#228;ltnis von Sammelausbeute und Energieaufwand (beim Suchflug) zu optimieren. <\/P>"}