{"title":"Curare: 2","body":"<BR><\/BR><STRONG>Curare<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Man unterscheidet je nach Gewinnung, Herstellung und Aufbewahrung <I>Tubo-Curare<\/I> (Bambus-Curare, aus <I>Chondodendron<\/I>-Arten, in Bambusrohren aufbewahrt)<I>, Topf-Curare<\/I> (aus <I>Chondodendron<\/I>-Arten, Aufbewahrung in irdenen T&#246;pfen) und <I>Calebassen-Curare<\/I> (aus <I>Strychnos<\/I>-Arten, in ausgeh&#246;hlten K&#252;rbissen gelagert). Die toxischen Inhaltsstoffe des Curare <I>(Curarealkaloide)<\/I> werden in zwei Gruppen unterteilt: Die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2102'>Alkaloide<\/A> von Topf-Curare und Tubo-Curare besitzen Dimerstruktur und leiten sich von Benzylisochinolin ab (Bis-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/7977'>Benzylisochinolinalkaloide<\/A>); Hauptalkaloide sind <I>d-Tubocurarin (Tubocurarinchlorid)<\/I> und<I> Curarin<\/I>. Die Alkaloide des Calebassen-Curare geh&#246;ren meist dem Strychnin-Typ, seltener dem Yohimbin-Typ an; einzelne Vertreter sind <I>Maracurin, C-Toxiferin, C-Dihydroxytoxiferin,<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1944'>Alcuroniumchlorid<\/A> (Allylderivat des<I> Toxiferins<\/I>),<I> C-Curarin<\/I> und <I>C-Calebassin;<\/I> die besonders toxischen Verbindungen dieser Gruppe besitzen ebenfalls Dimerstruktur.<BR><\/BR>Unter den Curarealkaloiden zeigen nur diejenigen die typische Pfeilgiftwirkung, die zwei quart&#228;re Stickstoffatome im Molek&#252;l enthalten: Tubocurarin, C-Toxiferin, C-Dihydroxytoxiferin und C-Curarin. Sie wirken als kompetitive Antagonisten des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/506'>Acetylcholins<\/A> und blockieren dessen Rezeptorstellen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/510'>Acetylcholinrezeptor<\/A>) an der postsynaptischen Membran. Als Folge davon ist die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17363'>Depolarisation<\/A> der postsynaptischen Membranen und dadurch wiederum die Kontraktion der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55354'>quergestreiften Muskulatur<\/A> blockiert. Bei den auftretenden L&#228;hmungen werden nacheinander die Muskeln in den Beinen und Armen, an Kopf, Rumpf und Brustkorb bewegungsunf&#228;hig; der Tod tritt schlie&#223;lich durch Ateml&#228;hmung ein; der Herzmuskel (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31530'>Herzmuskulatur<\/A>) ist von der L&#228;hmung nicht betroffen. Medizinisch werden Curare und Curareabk&#246;mmlinge (Tubocurarin und der Toxiferinabk&#246;mmling Alcuronium) als <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44466'>Muskelrelaxantien<\/A> bei Operationen im Bauch- und Thoraxraum (nur bei gleichzeitiger Intubation und k&#252;nstlicher Beatmung) angewendet, da sie eine starke Erschlaffung der peripheren Muskulatur erm&#246;glichen und so das eigentliche Narkotikum (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45280'>Narkotika<\/A>) relativ schwach dosiert werden kann; au&#223;erdem dient Curare zur Behandlung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71046'>Wundstarrkrampfes<\/A> und wird bei der Elektrokrampftherapie eingesetzt. Im Magen-Darm-Kanal wirkt Curare erst in relativ hohen Dosen toxisch, so da&#223; das Fleisch von Tieren, die mit Curare vergiftet wurden, e&#223;bar ist. In &#228;u&#223;erst geringen Mengen giftig ist Curare, wenn es (z. B. mit vergifteten Pfeilen) durch kleine Wunden direkt in die Blutbahn gelangt. Als Gegenmittel wird das Waschen der Wunde mit verd&#252;nnter Kaliumpermanganatl&#246;sung empfohlen, wodurch das Gift oxidativ zersetzt wird, oder die Gabe von Cholinesterase-Hemmern (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4035'>Anticholin-Esterasen<\/A>), z. B. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45882'>Neostigmin<\/A>, die durch Hemmung des Enzyms <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13751'>Cholinesterase<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/507'>Acetylcholin-Esterase<\/A>) die Acetylcholinwirkung verl&#228;ngern.  \nE.R.\/S.Kl.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}