{"title":"Cytostatika: 1","body":"<BR><\/BR><STRONG>Cytostatika<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Die Cytostatika werden eingeteilt in:<BR><\/BR><BR><\/BR>a) <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2134'>Alkylantien<\/A><I>,<\/I> die durch Vernetzung von DNA-Str&#228;ngen und DNA mit Kernproteinen das Zellwachstum hemmen. Die <I>bifunktionellen<\/I> Alkylantien, z. B. die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63883'>Stickstofflost-Derivate<\/A>, k&#246;nnen mit 2 alkylierbaren funktionellen Gruppen reagieren, z. B. Sulfhydrylgruppen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61347'>SH-Gruppe<\/A>) und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2821'>Aminogruppen<\/A>, und k&#246;nnen somit die Funktion von Makromolek&#252;len durch Quervernetzungen inhibieren. Dadurch wird die Nucleins&#228;ure-Reduplikation und damit die Zellteilung beeintr&#228;chtigt. Der Wirkmechanismus der <I>monofunktionellen<\/I> Alkylantien (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2143'>alkylierende Substanzen<\/A>), d. h. Molek&#252;le, die nur 1 Wirkgruppe besitzen, ist nur zum Teil gekl&#228;rt: die N-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46582'>Nitrosoharnstoff-Derivate<\/A> (z. B. Carmustin) besitzen z. B. zus&#228;tzlich zur Nitrosogruppe &#946;-Chlorethyl-Reste, &#228;hnlich den Stickstofflost-Derivaten. Abbauprodukte dieser Substanzen hemmen dar&#252;ber hinaus die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18827'>DNA<\/A>-Polymerase und verhindern so die Reparatur von DNA-Sch&#228;den (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18858'>DNA-Reparatur<\/A>). Bei den vollsynthetischen Platin-Komplexen handelt es sich um cis-Diamin-Komplexe mit einem zweiwertigen Platin als Zentralatom, das &#8211; wie die Stickstofflost-Derivate &#8211; mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/29738'>Guanin<\/A> der Nucleins&#228;uren reagieren kann. Dies f&#252;hrt bevorzugt zu Quervernetzungen von Einzelstr&#228;ngen. Beim Procarbazin und beim Dacarbazin sollen im K&#246;rper entstehende Metaboliten f&#252;r die alkylierende Wirkung verantwortlich sein.<BR><\/BR><BR><\/BR>b) <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4130'>Antimetaboliten<\/A><I>,<\/I> deren wachstumshemmender Effekt auf der Verdr&#228;ngung von Metaboliten beruht, deren biologische Funktion sie nicht &#252;bernehmen k&#246;nnen, z. B. der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25515'>Fols&#228;ure<\/A>-Antagonist Methotrexat (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2749'>Amethopterin<\/A>), der die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18219'>Dihydrofols&#228;ure-Reductase<\/A> durch irreversible Bindung hemmt und dadurch die Synthese wichtiger <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46963'>Nucleotide<\/A> oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2870'>Aminos&#228;uren<\/A> verhindert, die Purinantagonisten, Cytidin- und Pyrimidinantagonisten, die die Biosynthese der jeweiligen Basen hemmen; der Aminos&#228;ureantagonist L-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5442'>Asparaginase<\/A> spaltet das L-Asparagin in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5443'>Asparagins&#228;ure<\/A> und NH<SUB>3<\/SUB> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2914'>Ammoniak<\/A>); da manche Tumorzellen keine Asparagin-Synthetase besitzen, kommt es zur Verarmung an Asparagins&#228;ure. Die Wirkung der Antimetaboliten ist h&#246;chst unspezifisch; alle sich schnell teilenden Zellen sind betroffen.<BR><\/BR><BR><\/BR>c) <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43303'>Mitosegifte<\/A>, die die Funktion des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/62732'>Spindelapparats<\/A> st&#246;ren. Man unterscheidet Substanzen, die den Aufbau der Kernspindel hemmen, z. B. die aus <I>Vinca rosea<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33765'>Immergr&#252;n<\/A>) gewonnenen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69601'>Vincaalkaloide<\/A> und der &#228;lteste bekannte Mitosehemmer (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43303'>Mitosegifte<\/A>), das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/14837'>Colchicin<\/A> (wird wegen seiner geringen therapeutischen Breite nicht mehr in der Tumortherapie verwendet), von Substanzen, die ihren Abbau blockieren (Taxane; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65569'>Taxol<\/A>). Auch Podophyllinderivate z&#228;hlen zum Teil zu den Mitosehemmstoffen (vgl. f).<BR><\/BR><BR><\/BR>d) <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32617'>Hormone<\/A> und<I> Hormonantagonisten<\/I> werden als Cytostatika gegen Tumoren eingesetzt, deren Wachstum hormonabh&#228;ngig ist, z. B. Prostata-, Mamma- und Korpuskarzinome des Uterus. Vorraussetzung ist, da&#223; die Tumorzellen noch die Hormonrezeptoren besitzen. Man kann entweder operativ die hormonproduzierenden Keimdr&#252;sen entfernen und so die Hormonproduktion ausschalten, gegengeschlechtliche Hormone applizieren, die in den endogenen Regelkreis eingreifen, oder Hormonantagonisten geben. Der Hormonentzug hemmt die Zell-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53941'>Proliferation<\/A> und l&#246;st bei einem Teil der Tumorzellen den Zelltod aus. Man verwendet Hypothalamushormone (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33521'>Hypothalamus<\/A>) zur palliativen Behandlung von Prostata- und Mammakarzinom, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48493'>&#214;strogene<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4145'>Anti&#246;strogene<\/A> bei einigen Formen des Mammakarzinoms, Gestagene (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27080'>Gelbk&#246;rperhormone<\/A>) beim Endometrium- und fortgeschrittenen Mammakarzinom und Prostatakarzinom und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4007'>Antiandrogene<\/A> beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28459'>Glucocorticoide<\/A> werden bei Leuk&#228;mien, Lymphomen, Hirntumoren und Mammakarzinomen eingesetzt. Bei letzteren wird der Erfolg auf die Hemmung der ACTH-Sekretion (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1131'>adrenocorticotropes Hormon<\/A>) und der damit verminderten &#214;strogenbildung zur&#252;ckgef&#252;hrt.<BR><\/BR><BR><\/BR>e) <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4027'>Antibiotika<\/A> (Tab.), die teils direkt auf die DNA, teils auf die RNA einwirken und Strangbr&#252;che (Hemmung der Topoisomerase II; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18870'>DNA-Topoisomerasen<\/A>) erzeugen, mit der DNA interkalieren (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34294'>Interkalation<\/A>) und stabile Komplexe bilden, zu <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25601'>freien Radikalen<\/A> transformiert werden und Doppelstrangbr&#252;che hervorrufen oder durch Bindung an Bestandteile der Zellmembran die Membranfluidit&#228;t und -permeabilit&#228;t (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42042'>Membran<\/A>) erh&#246;hen. Verwendet werden z. B. Substanzen aus <I>Streptomyces peucetius<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3935'>Anthracycline<\/A>)<I>, Streptomyces verticillus<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9396'>Bleomycine<\/A>) oder auch Substanzen synthetischen Ursprungs. Der Einsatz der Anthracycline ist wegen der Cardiotoxizit&#228;t (vermutlich aufgrund der Bildung von Radikalen) eingeschr&#228;nkt.<BR><\/BR><BR><\/BR>f) <I>sonstige Cytostatika:<\/I> Podophyllinderivate (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52639'>Podophyllotoxin<\/A>)<I>,<\/I> die aus <I>Podophyllum peltatum<\/I> (Fu&#223;blattwurzel) gewonnen werden, blockieren durch Hemmung der Topoisomerase II den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71636'>Zellzyklus<\/A> in der S- und G<SUB>2<\/SUB>-Phase. Sie werden z. B. bei Leuk&#228;mien, Melanomen und Bronchialkarzinomen eingesetzt. Hydroxylharnstoff hemmt die Ribonucleosiddiphosphat-Reductase, der &#220;bergang der Zellen von der G<SUB>1<\/SUB>- in die S-Phase wird blockiert. Miltefosin, das strukturelle &#196;hnlichkeit zu Phospholipiden aufweist, lagert sich in Zellmembranen ein und soll dort die Proteinkinase C hemmen, die wesentlich an der Hyperproliferation der Tumorzellen beteiligt ist. g) <I>radioaktive<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34728'>Isotope<\/A> dienen der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8172'>Bestrahlung<\/A> maligner Tumoren von innen, die Strahlungsquelle wird in den Organismus gebracht. Zur Anwendung kommen radioaktiver <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51262'>Phosphor<\/A> und radioaktives <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34478'>Iod<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55480'>Radioiod<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55481'>Radioiodtherapie<\/A>).<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>Eine Vielzahl von analogen und neuen Substanzen wird permanent entwickelt, um die Effektivit&#228;t und Spezifit&#228;t der Cytostatika zu steigern und die Nebenwirkungen abzuschw&#228;chen. Die zur Zeit verf&#252;gbaren Cytostatika sind bei der klinischen Anwendung mit zum Teil schweren, f&#252;r jedes Medikament zum Teil spezifischen und den Patienten sehr belastenden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45583'>Nebenwirkungen<\/A> verbunden, z. B. &#220;belkeit, Erbrechen, Knochenmarkssch&#228;digung, An&#228;mie, Nervensch&#228;den, Herabsetzung der k&#246;rpereigenen Abwehr, Abmagerung, Haarausfall, Sch&#228;digung der Schleimh&#228;ute. Hinzu kommen eine erh&#246;hte Infektionsgefahr infolge der immunsuppressiven Wirkung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33851'>Immunsuppression<\/A>) und eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33383'>Hyperurik&#228;mie<\/A> (erh&#246;hter Harns&#228;uregehalt des Blutes) aufgrund des verst&#228;rkten Auftretens von Purink&#246;rpern (durch die Cytolyse). Durch Kombination verschiedener Substanzen ist es m&#246;glich, die Wirkung zu erh&#246;hen und die Nebenwirkungen auf ein tolerables Ma&#223; zu reduzieren. Bei bestimmten Tumoren lie&#223; sich durch Kombinations-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13365'>Chemotherapie<\/A> <I>(Polychemotherapie)<\/I> ein hoher Prozentsatz an Heilungen erzielen, z. B. bei Hodenkrebs, Lymphknotentumoren, kindlicher Leuk&#228;mie. Bei anderen Tumoren kann eine wesentliche Lebensverl&#228;ngerung erzielt werden. Bei l&#228;ngerer Anwendung von Cytostatika kommt es h&#228;ufig zu einer Resistenzentwicklung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56363'>Resistenz<\/A>), z. B. bei falscher Kombination der Wirkstoffe, die sich gegenseitig schw&#228;chen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5305'>Arzneimittelwechselwirkungen<\/A>), oder auch nach <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44508'>Mutationen<\/A> der Krebszellen. Um diese Probleme zu umgehen, werden oft chemotherapeutische und strahlentherapeutische (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64107'>Strahlentherapie<\/A>) Ma&#223;nahmen kombiniert oder Cytostatika mit verschiedenen Angriffspunkten kombiniert. Ein weiteres Problem der Cytostatika ist die eigene <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11938'>cancerogene<\/A> Wirkung. Als Ursache werden hier DNA-Sch&#228;den angesehen, die nicht zum Zelltod f&#252;hren, an die Tochterzellen weitergegeben werden und die geordnete Zellteilung st&#246;ren. Aufgrund der erheblichen Nebenwirkungen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27386'>Genotoxizit&#228;t<\/A>; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44501'>Mutagenit&#228;t<\/A>, Teratogenit&#228;t [<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65834'>Teratogene<\/A>] und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21024'>Embryotoxizit&#228;t<\/A>) d&#252;rfen Cytostatika nicht in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten eingesetzt werden<STRONG>.<\/STRONG>  \nH.K.\/S.Kl.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}