{"title":"Depression: 1","body":"<BR><\/BR><STRONG>Depression<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Untersuchungen in den USA ergaben, da&#223; 7&#8211;10% aller Menschen mindestens einmal im Leben an einer schweren Depression leiden, 3% der Bev&#246;lkerung sind chronisch depressiv. 15% der schwer depressiven Patienten nehmen sich das Leben. Man unterscheidet <I>symptomatische Depressionen<\/I> infolge organischer Erkrankungen (z. B. durch Hirntumoren, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44302'>multiple Sklerose<\/A>, Schilddr&#252;senfunktionsst&#246;rungen, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67990'>Tuberkulose<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1645'>AIDS<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2127'>Alkoholismus<\/A>, Hormonschwankungen im Klimakterium) und die <I>endogene Depression<\/I> ohne erkennbare &#228;u&#223;ere Ursache. Dazu geh&#246;ren die <I>manisch-depressive Erkrankung,<\/I> auch <I>bipolare Affektpsychose<\/I> oder <I>bipolare Depression<\/I> genannt, und die <I>unipolare Depression<\/I> (fr&#252;her auch \"Melancholie\" genannt). F&#252;r die endogene Depression konnten inzwischen Erbfaktoren als wesentliche Ursache nachgewiesen werden. Neurobiologische Befunde belegen, da&#223; im Gehirn biochemische Prozesse \"entgleist\" und neuronale Schaltkreise gest&#246;rt sind. Aus der Beobachtung, da&#223; antidepressiv wirkende Mittel den Noradrenalin- und den Serotonin-Spiegel anheben, schlo&#223; man zur&#252;ck, da&#223; ein Mangel an diesen Substanzen die Ursache f&#252;r die Depression sein k&#246;nnte. Wie in der <I>\"Monoamin-Hypothese\"<\/I> gefordert, besteht ein Mangel an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46728'>Noradrenalin<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61183'>Serotonin<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46254'>Neurotransmitter<\/A>) in bestimmten Hirnzentren (Hypothalamus, limbisches System, basale Hirnbereiche). Die therapeutisch eingesetzten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4040'>Antidepressiva<\/A> hemmen den Abbau von Serotonin und Noradrenalin (MAO-Inhibitoren; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43704'>Monoamino-Oxidasen-Hemmer<\/A>) oder unterbinden ihre Wiederaufnahme &#252;ber die pr&#228;synaptische Membran und erh&#246;hen damit ihre Verf&#252;gbarkeit an den Rezeptoren der postsynaptischen Membran (tricyclische Antidepressiva; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65005'>Synapsen<\/A>). F&#252;r Depressionen nach einer Geburt oder im Rahmen des pr&#228;menstruellen Syndroms ist ein Metabolit von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53888'>Progesteron<\/A> verantwortlich: Allopregnanolon (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46153'>neuroaktive Steroide<\/A>), das die Andockstellen f&#252;r GABA (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2796'>&#947;-Aminobutters&#228;ure<\/A>) modifiziert, so da&#223; dessen beruhigende Wirkung vermindert wird. Auch St&#246;rungen im Dopamin-, Histamin-, Glutamins&#228;ure und Glycin-Haushalt sowie St&#246;rungen der allgemeinen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32463'>Hom&#246;ostase<\/A> k&#246;nnen die Ursache f&#252;r Depressionen sein. Das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/15429'>Corticotropin-releasing-Hormon<\/A> spielt bei der Entstehung von Depressionen ebenfalls eine Rolle. Es wird bei Stre&#223;situationen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64259'>Stre&#223;<\/A>) im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33521'>Hypothalamus<\/A> gebildet und regt &#252;ber die Hypophyse die Bildung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/15438'>Cortisol<\/A> in der Nebenniere an. Wenn der negative Feed-back-Mechanismus, der den CRH-Spiegel kontrollieren soll, nicht funktioniert, steigt der CRH-Spiegel an, was mit den depressionstypischen Symptomen verbunden ist. Neue Untersuchungen belegen, da&#223; auch weit zur&#252;ckliegende Stre&#223;situationen, wie traumatische Kindheitserlebnisse, &#252;ber eine Vermehrung der CRH-Rezeptoren die Anf&#228;lligkeit f&#252;r Depressionen erh&#246;ht. Entsprechend hat ein neuer therapeutischer Ansatz die Blockade der CRH-Rezeptoren zum Ziel. Auch einige nichtmedikament&#246;se Therapien wurden entwickelt, die &#252;ber andere Mechanismen in den Hirnstoffwechsel eingreifen. Dazu geh&#246;rt die Schlafentzugstherapie, welche die depressionsf&#246;rdernden REM-Phasen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/59346'>Schlaf<\/A>) unterdr&#252;cken soll. Im experimentellen Stadium befinden sich die transkranielle Magnetstimulation und die Therapie mit k&#252;nstlich erzeugtem Fieber.  \nS.G.\/U.L.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}