{"title":"Desertifikation: 1","body":"<BR><\/BR><STRONG>Desertifikation<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>W&#228;lder werden durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/10451'>Brandrodung<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24346'>Feuer&#246;kologie<\/A>) und unkontrolliertes Sammeln von Brennholz zerst&#246;rt. Falsche Bew&#228;sserungsmethoden (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8296'>Bew&#228;sserung<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9881'>Bodenversalzung<\/A>), intensiver <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/681'>Ackerbau<\/A>, der Mi&#223;brauch von Agrochemikalien, der Anbau ungeeigneter Pflanzenarten und die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68310'>&#220;berweidung<\/A> ebenso wie der Wechsel von extremer Trockenheit und gelegentlichen &#220;berflutungen tragen zur Zerst&#246;rung der Bodenstruktur (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9890'>Bodenzerst&#246;rung<\/A>) bei, so da&#223; es zu <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9796'>Bodenerosion<\/A> durch Wind und Wasser kommen kann. Die pflanzliche und tierische <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53866'>Produktivit&#228;t<\/A> verringert sich, es kommt zu Ver&#228;nderungen des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36345'>Klimas<\/A>, und der Lebensstandard sinkt. Die Migration in Ballungsr&#228;ume und die Ver&#246;dung ihrer Umgebung nehmen zu.<BR><\/BR>Nach &#228;lteren Angaben sind ein Drittel der Fl&#228;che <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1344'>Afrikas<\/A> und drei Viertel <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6300'>Australiens<\/A> von der Desertifikation erfa&#223;t bzw. gef&#228;hrdet. J&#252;ngere Untersuchungen (1998) relativieren jedoch den Umfang der Desertifikation. So kam man f&#252;r die S&#252;dgrenze der Sahara nach der Auswertung von Satellitenbildern zu dem Schlu&#223;, da&#223; die Niederschlagsausnutzung der Vegetation (= Verh&#228;ltnis der Nettoprim&#228;rproduktion zur Niederschlagsmenge) in den 1980er Jahren nicht abgenommen hat. Dies h&#228;tte als Hinweis auf eine zunehmende Desertifikation und Degradation der Vegetation gewertet werden k&#246;nnen. Zudem wurde anhand einer Untersuchung der Vegetationausdehnung deutlich, da&#223; die S&#252;dgrenze der Sahara Vorst&#246;&#223;en und R&#252;ckz&#252;gen unterworfen ist. Diese oszillatorischen Bewegungen sind mit den j&#228;hrlich schwankenden Niederschlagssummen korreliert. Die Untersuchungen mit Hilfe der Fernerkundung lassen insgesamt den Schlu&#223; zu, da&#223; die menschlichen Eingriffe weder einen fl&#228;chenm&#228;&#223;igen R&#252;ckgang der Vegetation noch eine S&#252;dw&#228;rtswanderung der Sahara verursacht haben. Unklar ist jedoch, inwieweit sich der Aufbau und die Zusammensetzung der Vegetation ver&#228;ndert haben. Auch wenn die genannten Formen der &#220;bernutzung vermutlich nur lokale Belastungen darstellen, wird eine Ausbreitung der W&#252;sten weiterhin nicht ausgeschlossen. Als m&#246;gliche Gegenma&#223;nahmen gegen eine Desertifikation werden diskutiert: Auffangen und Konservierung der anfallenden Wassermassen zur Bew&#228;sserung von Kulturen, Einsatz geeigneter Pflanzenarten zur Wiederherstellung der Pflanzendecke, Vermeidung von &#220;berweidung durch Begrenzung der Tierzahl, Einf&#252;hrung von Weiderotationssystemen und Ausz&#228;unung von Schutzzonen, Wiederaufforstung und Einsatz von Windenergie und Sonnenenergie.<BR><\/BR>Ausschlaggebend f&#252;r die Entstehung einer neuen, interdisziplin&#228;ren Wissenschaft, der <I>Desertologie,<\/I> war die D&#252;rrekatastrophe im Sahel 1973\/74. Damals beauftragte die UNO zahlreiche Wissenschaftler der verschiedenen Disziplinen (wie Agronomie, Forstwirtschaft, Biologie, Klimatologie, Geophysik und Entwicklungshilfe) mit der Erforschung der Ursachen und Zusammenh&#228;nge der W&#252;stenbildung. Erste Ergebnisse wurden auf der UN Conference on Desertification (UNCOD) 1977 in Nairobi (Kenia) vorgetragen.  \nA.Se.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}