{"title":"Diabetes: 1","body":"<BR><\/BR><STRONG>Diabetes<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Physiologie des Diabetes mellitus:<\/STRONG><BR><\/BR><I>Disposition:<\/I> Genetische Faktoren mit multifaktorieller Vererbung (genetische Information mehrfach ver&#228;ndert).<BR><\/BR><I>Prim&#228;reffekt:<\/I> Insulinmangel durch St&#246;rung der Insulinsekretion.<BR><\/BR><I>Manifestationsfaktoren:<\/I> &#220;berern&#228;hrung mit &#220;bergewicht, geringe k&#246;rperliche Bewegung; &#220;berproduktion von hormonellen Gegenspielern des Insulins (Catecholamine, Glucagon, Glucocorticoide, Somatotropin); Pankreaserkrankungen; Pharmaka, z. B. Diuretika, die zu Kaliummangel f&#252;hren und die Ansprechbarkeit der Muskelzellen f&#252;r Insulin reduzieren; eventuell auch Antikonzeptionsmittel.<BR><\/BR><I>Stoffwechselentgleisungen durch fehlenden Insulineinflu&#223;:<\/I><BR><\/BR>Muskulatur &#8211; Fehlende Stimulation der Glykogensynthase, Glykogenverlust, Kaliumverlust, verminderte Glucoseaufnahme, verst&#228;rkter Abbau von Fetten und Proteinen bei reduzierter Aufnahme von Fetts&#228;uren und Aminos&#228;uren aus dem Blut; daher Muskelschwund.<BR><\/BR>Fettgewebe &#8211; Substratverarmung (Acetyl-CoA, reduzierte Coenzyme) f&#252;r die Fetts&#228;ure- und Triglyceridsynthese durch verminderte Glucoseaufnahme aus dem Blut und damit reduzierter Glykolyse; verst&#228;rkter Abbau vorhandener Fette und erh&#246;hte Aussch&#252;ttung von Glycerin und Fetts&#228;uren ins Blut; daher Schwund des Fettgewebes (juveniler Diabetes).<BR><\/BR>Blut &#8211; Durch die genannten St&#246;rungen Erh&#246;hung der Konzentrationen von Glucose, Aminos&#228;uren, Fetts&#228;uren und Glycerin. <BR><\/BR>Leber &#8211; Verst&#228;rkte Aufnahme der im Blut vorhandenen Substrate. Mangelnde Glykogensynthese, Glykogenverlust (vgl.  Muskulatur), aber erh&#246;hte Gluconeogenese aus Aminos&#228;uren und Glycerin; daher vermehrte Synthese und Exkretion von Harnstoff. Unterschiedliche Nutzung des &#220;berangebots an Fetts&#228;uren, zum Teil Triglyceridsynthese (daher diabetische Fettleber), &#252;berwiegend aber Abbau und damit Anh&#228;ufung von Acetyl-CoA &#252;ber das im Citratzyklus verwertbare Ma&#223; hinaus. Daher vermehrte Cholesterinsynthese (Erh&#246;hung des Arterioskleroserisikos) und Bildung von Ketonk&#246;rpern (Acetoacetat, &#946;-Hydroxybutyrat, Aceton). Vermehrte Bildung von Lipoproteinen (VLDL) durch Bindung freier Fetts&#228;uren an Protein und Abgabe an das Blut (daher Hyperlipoprotein&#228;mie).<BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Akute Komplikationen:<\/STRONG><BR><\/BR>1) Diabetische Komata (DKA, Coma diabeticum): schwerer Insulinmangel bei exzessiver Freisetzung gegenregulatorischer Hormone bewirkt schwerste Stoffwechselentgleisungen, die unbehandelt rasch zum Tode f&#252;hren:<BR><\/BR>a) diabetische Keto-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/662'>Acidose<\/A> (1&#8211;5 pro 100 Typ-1-Diabetiker) infolge durch gesteigerte <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39550'>Lipolyse<\/A> vermehrt anfallender <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35925'>Ketocarbons&#228;uren<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/475'>Acetessigs&#228;ure<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33143'>&#946;-Hydroxybutters&#228;ure<\/A>, [<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33148'>Hydroxycarbons&#228;uren<\/A>], <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/496'>Aceton<\/A>) mit osmotischer <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18783'>Diurese<\/A>, schwerer extra- und intrazellul&#228;rer Dehydratation (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/23347'>Exsikkose<\/A>) und gesteigerter Plasmaosmolalit&#228;t (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48395'>Osmose<\/A>), Blutglucosekonzentration meist unter 55,5 mmol\/l (1000 mg\/dl), Ku&#223;maul-Atmung;<BR><\/BR>b) hyperosmolares, nichtacidotisches Koma (NKAK), extreme Blutglucoseerh&#246;hungen meist &#252;ber 55,5 mmol\/l (1000 mg\/dl), oft ohne Acidose, vor allem bei &#228;lteren Patienten mit nicht-insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes;<BR><\/BR>c) Lactacidose und diabetisch-lactacidotische Komata;<BR><\/BR>2) Hypoglyk&#228;mie, vor allem bei pharmakotherapierten Diabetikern;<BR><\/BR>3) gesteigerte Infektanf&#228;lligkeit;<BR><\/BR>4) sekund&#228;re Dyslipid&#228;mien (erh&#246;hte Triglyceride, erh&#246;htes LDL-Cholesterin, erniedrigtes HDL-Cholesterin).<BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Chronische Komplikationen:<\/STRONG><BR><\/BR>1) Folgen allgemeiner Kapillarsch&#228;digungen (Mikroangiopathie), vor allem an den Augen (Retinopathie) bis hin zur Erblindung, den Nieren (Nephropathie, Kimmelstiel-Wilson-Syndrom) und den Nerven (Neuropathie);<BR><\/BR>2) Polyneuropathie;<BR><\/BR>3) chronische Durchblutungsst&#246;rungen bis hin zur Wundheilungsst&#246;rung und diabetischer Gangr&#228;n (diabetischem Fu&#223;);<BR><\/BR>4) St&#246;rungen des Skelett-, St&#252;tz- und Bindegewebes;<BR><\/BR>5) Sch&#228;digung gr&#246;&#223;erer Gef&#228;&#223;e (Makroangiopathie) mit verst&#228;rkter Gef&#228;hrdung des Diabetikers f&#252;r koronare Herzerkrankung, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31517'>Herzinfarkt<\/A>, cerebrale Durchblutungsst&#246;rungen, Hirninfarkt, periphere arterielle Verschlu&#223;krankheit.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}