{"title":"Empfngnisverhtung: Infobox I","body":"<STRONG>Empf&#228;ngnisverh&#252;tung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Methoden:<\/STRONG> Die <I>nat&#252;rlichen Methoden<\/I> der Empf&#228;ngnisverh&#252;tung, bei denen eine Beschr&#228;nkung der Kohabitation auf die unfruchtbaren Tage im Menstruationszyklus der Frau erfolgt, setzen einen stabilen Menstruationszyklus der Frau und eine Disziplinbereitschaft und gute Verst&#228;ndigung beider Partner voraus. Die Ermittlung der <I>fruchtbaren Tage<\/I> erfolgt nach verschiedenen Methoden<I>:<\/I> a) <I>Zeitwahlmethode<\/I> (auch sog. <I>Kalendermethode<\/I> nach Knaus und Ogino): Bei einem regelm&#228;&#223;igen Zyklus (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42128'>Menstruationszyklus<\/A>) von 28 Tagen erstreckt sich die fruchtbare Phase vom 10.&#8211;17. Zyklustag. Die Befruchtungsf&#228;higkeit des Eies betr&#228;gt 6&#8211;12 Stunden, die der Spermien ca. 48 Stunden. Bei konstanten Zyklen, die &#252;ber die Dauer von 12 Monaten erfa&#223;t werden (basierend auf der Aufzeichnung des Menstruationszyklus der Frau), ergeben sich die fruchtbaren Tage der Frau aus der Knaus-Formel: l&#228;ngster Zyklus minus 15 + 2, k&#252;rzester Zyklus minus 15 &#8211; 2. Aufgrund starker Schwankungen ist die Zeitwahlmethode sehr unzuverl&#228;ssig und kann daher eher zur Feststellung der fruchtbaren Tage bei Kinderwunsch verwendet werden. b) <I>Basaltemperaturmessung:<\/I> Im Laufe des Zyklus erh&#246;ht sich die K&#246;rpertemperatur nach dem Eisprung um 0,4&#8211;0,8 &#176;C. Die unfruchtbare Phase erstreckt sich vom 3. Tag der Phase erh&#246;hter Temperatur bis zum 5. Tag nach der Regelblutung. In j&#252;ngster Zeit sind sog. Zykluscomputer entwickelt worden, welche die Ermittlung der fruchtbaren Tage erleichtern. c) <I>Billingsmethode:<\/I> Die Festlegung der fruchtbaren Tage erfolgt anhand der Beobachtung des Cervixschleims, der zum Zeitpunkt des Eisprungs vermehrt auftritt, klar und zu einem Faden ausziehbar ist.<BR><\/BR>Des weiteren werden folgende Empf&#228;ngnisverh&#252;tungsmethoden von seiten der <I>Frau<\/I> unterschieden:<BR><\/BR>1) <I>Mechanische Methoden:<\/I> a) <I>Scheidendiaphragma<\/I> (Mensinga-Pessar): die Cervix uteri (Geb&#228;rmutterhals) bzw. der in die Scheide hereinragende Teil der Cervix, die Portio vaginalis (kurz Portio genannt), wird jeweils bis zu 6 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr mittels einer Gummikappe mechanisch abgedeckt; damit wird die Penetration der Spermien verhindert. Oft wird das Diaphragma in Verbindung mit einem spermatoziden Gel kombiniert (s.u.). b) <I>Okklusivpessar<\/I> (Portiokappe): feste Kunststoffkappe, die postmenstruell f&#252;r die Zeit bis zur n&#228;chsten Menstruation auf die Portio gesetzt wird. c) <I>Scheidensp&#252;lungen,<\/I> die sofort post cohabitationem vorgenommen werden.<BR><\/BR>2) <I>Intrauterinpessare<\/I> (IUP, umgangssprachliche Bezeichnung: Spirale): Kunststofffremdk&#246;rper, eventuell mit Kupferbeschichtung, die unter aseptischen Bedingungen in den Uterus eingesetzt werden und wahrscheinlich die Nidation verhindern. M&#246;gliche Nebenwirkungen sind Infektionen, Schmerzen, Perforation, Spontanaussto&#223;ungen, Zwischenblutungen und verst&#228;rkte Menstruationsblutungen. Eine neue Generation von IUP, die permanent geringste Hormonmengen (Gestagenreservoir) abgeben, kann die Nebenwirkungen verringern.<BR><\/BR>3) <I>Spermatozide<\/I> Vaginaltabletten, Gele oder Sprays mit dem Ziel der Abt&#246;tung der Spermien.<BR><\/BR>4) <I>Hormonelle Kontrazeption:<\/I> a) Durch Verabreichung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27080'>Gelbk&#246;rperhormons<\/A> Gestagen wird die Ovulation unterdr&#252;ckt <I>(<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48593'>Ovulationshemmer<\/A><\/I><I>)<\/I>. Zur Vermeidung von Zwischenblutungen wird meist zus&#228;tzlich <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48493'>&#214;strogen<\/A> verabreicht (Kombinationsmethode). Es steht eine Vielzahl von Kombinationen unterschiedlicher &#214;strogen-Gestagen-Anteile f&#252;r individuelle Verabreichung zur Verf&#252;gung. Die Kombinationspr&#228;parate f&#252;hren im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33521'>Hypothalamus<\/A> &#252;ber den &#214;strogenanteil zu einer Hemmung der Aussch&#252;ttung des FSH (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25506'>follikelstimulierendes Hormon<\/A>) und &#252;ber den Gestagenanteil zur Hemmung der Aussch&#252;ttung des f&#252;r den Eisprung wichtigen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40166'>luteotropen Hormons<\/A> (LTH), wodurch das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48558'>Ovar<\/A> nicht stimuliert wird. Zus&#228;tzlich wird die Uterusschleimhaut so ver&#228;ndert, da&#223; eine Nidation (des schon befruchteten Eies) nicht m&#246;glich w&#228;re. Au&#223;erdem hemmt der Gestagenanteil die Penetration der Spermien durch Ver&#228;nderung des Cervixsekrets. b) &#196;hnliche Effekte entstehen, wenn &#214;strogen und Gestagen nacheinander verabreicht werden <I>(Sequenzmethode, Zwei-Phasen-Methode)<\/I>. c) Die intramuskul&#228;re Injektion eines Gestagendepots, das ca. 1 mg\/Tag freisetzt, sch&#252;tzt ca. 3 Monate <I>(&#8222;Dreimonatsspritze&#8220;),<\/I> ist jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden (Zyklusst&#246;rungen, Ausbleiben der Abbruchblutung) und hat daher keine weite Verbreitung gefunden. Die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva ist h&#228;ufig mit Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, Bluthochdruck, &#214;dembildung, &#220;belkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verbunden. Thromboembolische Erkrankungen werden beg&#252;nstigt, daher sollte auch auf das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55781'>Rauchen<\/A> verzichtet werden. Es spricht einiges daf&#252;r, das das Risiko f&#252;r einige gutartige Tumoren der Ovarien und der Brust sowie f&#252;r das Ovarial- und das Endometriumkarzinom durch die Einnahme hormoneller Kontrazeptiva verringert wird. &#8211; Als Notl&#246;sung zur Empf&#228;ngnisverh&#252;tung, etwa nach dem Rei&#223;en eines Kondoms oder nach einer Vergewaltigung, besteht die M&#246;glichkeit, mit der &#8222;Pille danach&#8220; (<I>morning after pill;<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4085'>Antigestagene<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57725'>RU 486<\/A>) durch hohe Hormonmengen die Einnistung eines befruchteten Eis zu verhindern (streng genommen keine Verh&#252;tung mehr).<BR><\/BR>5) <I>Operative Empf&#228;ngnisverh&#252;tung:<\/I> Durch Unterbindung oder Durchtrennung der Eileiter wird die Konzeption irreversibel verhindert.<BR><\/BR>Weniger M&#246;glichkeiten gibt es bei der Empf&#228;ngnisverh&#252;tung von Seiten des <I>Mannes:<\/I> 1) <I>Coitus interruptus,<\/I> d.h. Unterbrechung der Kohabitation vor der Ejakulation (geringe Zuverl&#228;ssigkeit). 2) Operative Durchtrennung des Samenstrangs. 3) <I>Pr&#228;servativ (Kondom)<\/I>. Diese H&#252;lle aus Kautschuk (Latex), die vor dem Geschlechtsverkehr &#252;ber den Penis gestreift wird, dient au&#223;er der Kontrazeption auch dem Schutz vor Geschlechts- und Infektionskrankheiten, heute insbesondere vor einer Infektion mit dem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32099'>HIV<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1645'>AIDS<\/A>). Eingriffe in die hormonellen Funktionen des Mannes haben sich bisher wegen schwerer Nebenwirkungen als nicht praktikabel erwiesen.<BR><\/BR>Da alle derzeitigen Empf&#228;ngnisverh&#252;tungsmittel, mechanische oder hormonelle, Nachteile aufweisen, richtet sich das Interesse in j&#252;ngster Zeit auf die biochemische Wechselwirkung zwischen Eizelle und Spermium. Die Samenzelle (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/62518'>Spermien<\/A>) bindet mittels spezifischer Bindungsproteine an Rezeptoren auf der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20579'>Eizelle<\/A> (u.a. dem &#945;<SUB>6<\/SUB>&#946;<SUB>1<\/SUB>-Integrin-Rezeptor; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34255'>Integrine<\/A>), die daraufhin aktiviert wird und weitere Spermien abweist. Die Entwicklung von Substanzen, die entweder mit dem Rezeptor wechselwirken und eine vorzeitige <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1796'>Aktivierung<\/A> der Eizelle hervorufen oder die f&#252;r den Andockvogang notwendigen Proteine auf den Samenzellen ausschalten, k&#246;nnte zu einer neuen Generation von Empf&#228;ngnisverh&#252;tungsmitteln f&#252;hren. &#8211; Eine neue, allerdings noch in Entwicklung befindliche Methode ist die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33819'>Immunkontrazeption<\/A><\/I>.<BR><\/BR>Die Empf&#228;ngnisverh&#252;tung ist eine der wichtigsten Ma&#223;nahmen der <I>Geburtenkontrolle<\/I> oder <I>Geburtenregelung<\/I>. Durch &#8222;geplante Elternschaft&#8220; (Familienplanung) k&#246;nnen Paare den Zeitpunkt der Schwangerschaften, den Abstand der Geburten voneinander und die Zahl der Kinder weitgehend selbst bestimmen. Das Ausma&#223; des Problems der Geburtenkontrolle kann die Tatsache verdeutlichen, da&#223; die Bev&#246;lkerung der Erde &#8211; gegenw&#228;rtig (2000) sind es &#252;ber 6 Milliarden Menschen &#8211; sich bei gleichbleibender Zuwachsrate bis zum Jahre 2150 etwa auf 10,8 Milliarden erh&#246;ht haben wird (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8291'>Bev&#246;lkerungsentwicklung<\/A>). Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen dieser Entwicklung sind unabsehbar. Besonders beunruhigend ist die Feststellung, da&#223; die Bev&#246;lkerung am schnellsten in denjenigen L&#228;ndern zunimmt, die am wenigsten in der Lage sind, ihre Einwohner ausreichend zu versorgen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8291'>Bev&#246;lkerungsentwicklung<\/A>, Abb.). Die Notwendigkeit, der drohenden &#220;berbev&#246;lkerung entgegenzuwirken, wurde in L&#228;ndern wie Indien, Japan, &#196;gypten und China weitgehend erkannt; hier bem&#252;hen sich staatliche Stellen, teilweise mit massivem Druck (Zwangssterilisation, Steuern usw.), aktiv um eine Reduzierung der Familiengr&#246;&#223;e. Allerdings stehen einer solchen Geburtenkontrolle zum Teil vielschichtige religi&#246;se und weltanschauliche Bedenken gegen&#252;ber, die die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ber&#252;hren. Die r&#246;misch katholische Kirche z.B. lehnt in offiziellen Verlautbarungen (Enzyklika <I>Humanae vitae<\/I> vom 25. Juli 1968) alle Ma&#223;nahmen zur Empf&#228;ngnisverh&#252;tung, die man nicht als &#8222;nat&#252;rlich&#8220; bezeichnen kann, ab. Die evangelische Kirche stellt die Verantwortung der Partner f&#252;reinander und f&#252;r die Familie in den Mittelpunkt einer Gewissensentscheidung, die unter Beratung von Seelsorgern, Eheberatungsstellen oder auch &#196;rzten die jeweils &#8222;g&#252;ltige&#8220; Antwort auf die Frage der Methode der Empf&#228;ngnisverh&#252;tung liefert.H.N.\/S.Kl."}