{"title":"Inkompatibilitt: Infobox I","body":"<STRONG>Inkompatibilit&#228;t<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><I>Gametische Inkompatibilit&#228;t:<\/I><BR><\/BR>Man unterscheidet interspezifische und intraspezifische Inkompatibilit&#228;t. Unter <I>interspezifischer Inkompatibilit&#228;t<\/I> versteht man eine Befruchtungsbarriere zwischen verschiedenen Arten, die auch als eine Ursache der genetischen Abtrennung neuer Arten (Speziation, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5171'>Artbildung<\/A>) angesehen wird. Bei der <I>intraspezifischen Inkompatibilit&#228;t<\/I> wird nochmals differenziert in die Vermeidung einer Verschmelzung von Gameten der Nachkommen eines Elternpaars <I>(Kreuzungsinkompatibilit&#228;t)<\/I> und die Behinderung der Vereinigung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26463'>Gameten<\/A> eines zwittrigen Individuums (<I>Selbstinkompatibilit&#228;t<\/I>, <I>Selbststerilit&#228;t;<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6459'>autosteril<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6375'>Autogamie<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/72243'>Zwittrigkeit<\/A>). W&#228;hrend die Kreuzungsinkompatibilit&#228;t durch einen <I>heterogenen<\/I> Inkompatibilit&#228;tsmechanismus (Unvertr&#228;glichkeit von Gameten mit verschiedenen Inkompatibilit&#228;ts-Allelen) bedingt ist, verhindert bei der Selbstinkompatibilit&#228;t ein <I>homogenischer<\/I> Inkompatibilit&#228;tsmechanismus die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35521'>Karyogamie<\/A> von m&#228;nnlichen und weiblichen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71577'>Zellkernen<\/A> mit denselben Inkompatibilit&#228;ts-Allelen. Die Selbststerilit&#228;t f&#246;rdert durch das Vermeiden der Autogamie die Fremdbefruchtung sowie die genetische <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56162'>Rekombination<\/A> und verhindert mit der Aufrechterhaltung der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31741'>Heterozygotie<\/A> eine Inzuchtdepression. Sie kommt bei mehr als 6000 Arten aus 19 Ordnungen der Einkeimbl&#228;ttrigen und Zweikeimbl&#228;ttrigen Pflanzen vor. Im einfachsten Fall der homomorphen, homogenischen Inkompatibilit&#228;t beruht die Selbststerilit&#228;t auf einem Sterilit&#228;tsgen S, das in 2 Allelen S<SUP>+<\/SUP> und S<SUP>&#8211;<\/SUP> vorliegt. Eine erfolgreiche Befruchtung ist dann nur im Kreuzungsfall S<SUP>+<\/SUP> &#215; S<SUP>&#8211;<\/SUP> m&#246;glich (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/37388'>Kreuzung<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/37390'>Kreuzungssterilit&#228;t<\/A>). Dieses bipolare genetische System entspricht ganz dem der haplogenotypischen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27679'>Geschlechtsbestimmung<\/A>. Bei den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18525'>Diplo-Haplonten<\/A> (viele <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2029'>Algen<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51826'>Pilze<\/A> und alle H&#246;heren Pflanzen) funktioniert ein bipolares Inkompatibilit&#228;tssystem nicht, da der Genotyp der diplontischen Entwicklungsphase dieser Pflanzen stets S<SUP>+<\/SUP>S<SUP>&#8211;<\/SUP> lauten w&#252;rde. Es haben sich daher mehrfach multipolare Inkompatibilit&#228;tssysteme herausgebildet: z.B. 2 S-Gene mit je 2 Allelen (= tetrapolar), 1 S-Gen (oder auch 2 wie bei den Gr&#228;sern) mit multipler Allelie (S<SUB>1<\/SUB>, S<SUB>2<\/SUB>, S<SUB>3<\/SUB>, S<SUB>4<\/SUB>,..., teilweise bis zu S<SUB>50<\/SUB>). Bei den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/7737'>Bedecktsamern<\/A> &#228;u&#223;ert sich die homogenische Inkompatibilit&#228;t darin, da&#223; Pollenk&#246;rner mit einem bestimmten Allel des S-Gens nur auf Narbengeweben mit anderen Allelen des S-Gens keimen bzw. die Pollenschl&#228;uche bis zur Samenanlage vordringen k&#246;nnen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6375'>Autogamie<\/A>). Je nachdem, ob das Verhalten des Pollenkorns durch den diploiden Genotyp des Pollenproduzenten (Sporophyt) oder durch seinen eigenen haploiden Genotyp (Gametophyt) determiniert wird, spricht man von sporophytischer bzw. gametophytischer Selbstinkompatibilit&#228;t. W&#228;hrend bei der durch einen Locus mit 2 Allelen kontrollierten <I>sporophytischen Inkompatibilit&#228;t<\/I> die Inkompatibilit&#228;tsreaktion auf der Narbenoberfl&#228;che lokalisiert ist, kommen bei der meist monofaktoriell, aber polyallel kontrollierten <I>gametophytischen Inkompatibilit&#228;t<\/I> neben den pr&#228;zygotischen (in der progamen Entwicklungsphase wirksamen) Inkompatibilit&#228;tsmechanismen, wie z.B. der Hemmung der Pollenkeimung und des Pollenschlauchwachstums im Griffel, auch postzygotische (in der metagamen Entwicklungsphase wirksame) Inkompatibilit&#228;tsmechanismen zum Tragen. Diese zeigen sich im Ausbleiben der Samenentwicklung bzw. Samenkeimung oder der Einschr&#228;nkung des Keimlingswachstums.<BR><\/BR>Den <I>pr&#228;gamen<\/I> Inkompatibilit&#228;tsmechanismen der Pflanzen entspricht die Gametensterblichkeit bei einigen Tieren. Dabei werden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/62518'>Spermien<\/A> fremder Arten im Genitalweg der Weibchen gel&#228;hmt oder abget&#246;tet (z.B. bei einigen <I>Drosophila<\/I>-Kreuzungen). Zu den <I>metagamen<\/I> Inkompatibilit&#228;tsmechanismen in der Zoologie geh&#246;ren die Zygotensterblichkeit und die verminderte <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69732'>Vitalit&#228;t<\/A> bzw. Lebensunf&#228;higkeit der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/7397'>Bastarde<\/A>."}