{"title":"Leben: Infobox I","body":"<STRONG>Leben<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Die Entstehung des Lebens<\/STRONG> (Biogenese) ist Folge einer pr&#228;biotischen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13304'>chemischen Evolution<\/A>) organischer Bausteine. Erste, ziemlich unsichere Spuren irdischen Lebens sind ca. 3,8 Milliarden Jahre alt (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34753'>Isua-Serie<\/A>), bei einem Alter der Erde von ca. 4,6 Milliarden Jahren (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22144'>Erdgeschichte<\/A>). Sie finden sich als fossilisierte &#8222;Bakterien&#8220; in pr&#228;kambrischen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27823'>Gesteinen<\/A>. Etwa gleich alt sind Spuren isotopisch leichten Kohlenstoffs, eingeschlossen in Apatitkristallen aus Gr&#246;nland, der ebenfalls organischer Herkunft sein soll. Bis heute gibt es wechselnde Ansichten und heftige Diskussionen &#252;ber die Deutung solcher Spuren primitiven Lebens, da oft nicht sicher zwischen organischer und anorganischer Entstehung unterschieden werden kann. Die pr&#228;kambrischen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27823'>Gesteine<\/A> sind zudem meist metamorph &#252;berpr&#228;gt. Bei den mikroskopisch kleinen Resten ist man zudem nur auf geochemische oder biochemische Verfahren angewiesen. In der Regel besitzen derartig alte <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25106'>Fossilien<\/A> keine fossilisierbaren Weichteile; Hartteile fehlen ihnen sowieso. Als sichere <I>Lebensspuren<\/I> gelten daher sog. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64326'>Stromatolithen<\/A> (aus Lamellen aufgebaute, urspr&#252;nglich kalkige Knollen, wie sie in &#228;hnlicher Form heute durch Cyanobakterien gebildet werden) aus der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/24464'>Fig-Tree-Serie<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21682'>Eobacterium<\/A>), die ca. 3,4 Milliarden Jahre alt sind. Die ersten Spuren von Landleben sollen sich in einer 2,6&#8211;2,7 Milliarden Jahre alten Tonschieferschicht im s&#252;dafrikanischen Transvaal (Provinz Mpumalanga) finden. Zwischen Metamorphiten gelegen, enth&#228;lt ein Pal&#228;osol einer ariden Zone Kohlenstoff, dessen Isotopenzusammensetzung auf eine Herkunft aus Bakterienmatten hinweisen k&#246;nnte, m&#246;glicherweise von Cyanobakterien. Wiederholte Funde von angeblich 250 Millionen Jahre alten Bakterien in permischem Steinsalz d&#252;rften andererseits auf Irrt&#252;mer oder zweifelhafte Untersuchungsmethoden zur&#252;ckzuf&#252;hren sein, da sie bisher nicht erneut best&#228;tigt wurden. Weil die Erbsubstanz schon in viel geringeren Zeitr&#228;umen altert und allein schon durch Austrocknung gesch&#228;digt wird, sind solche Meldungen schon aus biologischen Gr&#252;nden wenig glaubhaft (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43531'>molekulare Evolution<\/A>). &#8211; Der bekannte, einfache Stammbaum des Lebens gilt heute nur noch f&#252;r Tiere, Pilze und Pflanzen. Bei den einzelligen Organismen wird er heute zunehmend durch die <I>molekulare Phylogenie<\/I> ersetzt. Deren Begr&#252;nder waren E. Zuckerkandl und L. Pauling in den 1960er Jahren. Erst in j&#252;ngster Zeit sind jedoch die genetischen Methoden so verfeinert worden, da&#223; die Gen-Sequenzen einer Vielzahl von Organismen aufgekl&#228;rt werden konnten (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61127'>Sequenzierung<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61121'>Sequenz-alignment<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61125'>Sequenzhomologie<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61132'>Sequenzstammbaum<\/A>). Untersuchungen an den sich im Laufe der Evolution auseinanderentwickelnden Gen-Sequenzen (<I>Sequenzdivergenz<\/I>) best&#228;tigten die fr&#252;here Unterteilung in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53922'>Prokaryoten<\/A> (Bacteria; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6844'>Bakterien<\/A>) und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22873'>Eukaryoten<\/A>. Heute unterscheidet man noch ein drittes Urreich der Archaebacteria oder Archaea (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4739'>Archaebakterien<\/A>), von denen die Eukaryoten abstammen d&#252;rften. Zwischen Bakterien und Archaebakterien nimmt man einen art&#252;bergreifenden Gentransfer an. Dadurch entstehen zwischen den &#196;sten eines konventionellen Stammbaums zus&#228;tzliche Querverbindungen. &#8211; Heute sind auf der Erde ca. 1,7 Millionen Arten von Lebewesen bekannt; es k&#246;nnten einschlie&#223;lich der unbekannten Formen aber bis zu 17 Millionen Arten sein. Die Mehrzahl der heutigen Arten sind Protozoen, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28319'>Gliedertiere<\/A> aller Art, vor allem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34176'>Insekten<\/A>, und Angeh&#246;rige des Meeres-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52121'>Planktons<\/A>. Sie leben heute von den h&#246;chsten Gebirgsgletschern bis in Meerestiefen von etwa 4000 m (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66640'>Tiefseefauna<\/A>).<BR><\/BR><I>Hypothesen<\/I> &#252;ber die <I>Entstehung des Lebens<\/I>: Bevor man die hei&#223;en Quellen in der Tiefsee entdeckte, gab es widerspr&#252;chliche Hypothesen f&#252;r den Ablauf der <I>pr&#228;biotischen Evolution<\/I>. Die Bildung des Lebens unterlag anfangs sicher gro&#223;en Schwierigkeiten. So h&#228;tte in den Anfangszeiten des Planeten Erde die starke UV-Strahlung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68400'>Ultraviolett<\/A>) die sich neu bildenden organischen Molek&#252;le sicher so rasch wieder gespalten, wie sie sich gebildet h&#228;tten. Sie mu&#223;ten daher dieser Strahlung entzogen werden. Die zahlreichen, t&#246;dlichen Einschl&#228;ge von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42528'>Meteoriten<\/A> mu&#223;ten sich zuvor merklich verringern. Die Konzentration von Kohlenstoff-Verbindungen k&#246;nnte m&#246;glicherweise durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71662'>Zeolithe<\/A> als <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35592'>Katalysatoren<\/A> (Katalysekerne) erfolgt sein. Diese h&#228;tten gleichzeitig die photochemische Zerst&#246;rung dieser Verbindungen durch die Sonnenstrahlung verhindert. Zeolithe sind wasserreiche Silicate (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36084'>Kiesels&#228;uren<\/A>) mit komplexer Struktur und gro&#223;en Oberfl&#228;chen. Al-Zeolithe sind lipophil, k&#246;nnen also einen Ring um organische Molek&#252;le bilden und diesen einen gewissen Stoffaustausch nach au&#223;en erm&#246;glichen, Si-Zeolithe dagegen sind hydrophil. &#8211; Die Lebensentstehung wurde nur ansatzweise experimentell veranschaulicht. A.I. Oparin (1924) und J.B.S. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/30300'>Haldane<\/A> (1929) postulierten eine Entstehung des Lebens in hei&#223;en Gew&#228;ssern. Dabei wurde eine Anreicherung von organischen, in der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5848'>Atmosph&#228;re<\/A> u.a. durch Blitze entstandenen Molek&#252;len in einer &#8222;<I>Ursuppe&#8220;<\/I> angenommen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68826'>Urozean<\/A>; chemische und pr&#228;biologische Evolution). Die M&#246;glichkeit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/157'>abiotischer Synthesen<\/A> u.a. von Aminos&#228;uren wurde 1953 durch S.L. Miller (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43091'>Miller-Experiment<\/A>), aufbauend auf &#220;berlegungen von H. Urey, im Labor best&#228;tigt. Die Versuchsbedingungen wurden aber oft kritisiert, etwa wegen der hohen Konzentrationen von freiem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70349'>Wasserstoff<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2914'>Ammoniak<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42539'>Methan<\/A> in der simulierten <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68665'>Uratmosph&#228;re<\/A><\/I>. Auch wurden verschiedentlich Zweifel ge&#228;u&#223;ert, ob auf der fr&#252;hen Erde Bausteine f&#252;r <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46910'>Nucleins&#228;uren<\/A> in signifikanter Menge vorhanden waren. Eine ma&#223;gebliche Rolle der Nucleins&#228;uren bei der Entstehung des Lebens wird dennoch weithin propagiert. M&#246;glicherweise war <I>RNA<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56954'>Ribonucleins&#228;uren<\/A>) das erste zur Autoreduplikation (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56274'>Replikation<\/A>) bef&#228;higte Molek&#252;l. RNA k&#246;nnte in der Anfangszeit der Evolution Erbinformation sowohl gespeichert als auch katalytisch umgesetzt haben (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57341'>RNA-Welt<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57344'>RNP-Welt<\/A>). Im Gegensatz dazu ist die Erbinformation in heutigen Zellen in der Regel in der stabileren DNA gespeichert, und RNA vermittelt die Umsetzung der Information zu den katalytisch wirksamen Proteinen. Im Laborversuch konnte z.B. aus Tetrose-Zucker (L)-&#945;-Threo-Furanosyl-(3'&#8211;2')-Oligonucleotid (TNA) dargestellt werden. TNA k&#246;nnte ein Anfangsstadium des Lebens gewesen sein. Einfacher gebaut als RNA, ist sie trotzdem zu einer stabilen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/7301'>Basenpaarung<\/A> in der Lage. Die Entstehung replikativer Systeme erfolgte unter Umst&#228;nden durch Hyperzyklen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33387'>Hyperzyklus<\/A>; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20282'>Eigen<\/A> [M.]). M&#246;glicherweise war die RNA mit autokatalytischen Eigenschaften (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6399'>Autokatalyse<\/A>) ausgestattet. Solche RNA-Enzyme (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56981'>Ribozyme<\/A>), die Eigenschaften von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54137'>Proteinen<\/A> und Nucleins&#228;uren verbinden, wurden 1982 von T. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12626'>Cech<\/A> und S. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2542'>Altman<\/A> beschrieben. Doch gibt es ernstzunehmende Zweifel an einer RNA-Welt, z.B. durch C.R. de <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19777'>Duve<\/A>. Versuche mit einem System aus 3 oder 4 Peptiden bewirkten Selbstreplikation und Kreuzreplikation. Ein solches System kann sich Ver&#228;nderungen in der Umgebung anpassen. 4 Peptide verm&#246;gen 11 verschiedene chemische Reaktionen durchzuf&#252;hren. Ver&#228;nderungen im Reaktionsmilieu (z.B. Salzkonzentration, pH-Wert) wirkten sich ma&#223;geblich auf die Peptide aus, so da&#223; sie vielf&#228;ltige Produkte bilden k&#246;nnen, die bereits einer Art Evolution oder Auslese unterworfen w&#228;ren. &#8211; &#8211; Andere Hypothesen setzen Reaktionen an katalytisch wirkenden mineralischen Oberfl&#228;chen voraus, wie sie Tonminerale (vor allem Kaolinit) besitzen und die als Katalysatoren bevorzugt linksdrehende Aminos&#228;uren polymerisieren lassen, die auch in der heutigen belebten Natur gegen&#252;ber den rechtsdrehenden bevorzugt werden (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13513'>Chiralit&#228;t<\/A>). Dort w&#228;re ein Schutz der durch Kondensation entstandenen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52911'>Polymere<\/A> vor der spaltenden Wirkung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70213'>Wassers<\/A> denkbar. &#8211; Auch CaCO<SUB>3<\/SUB>-Kristalle (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35151'>Kalk<\/A>) wirken als Katalysator, vor allem der treppenstufenartige Bau von deren Oberfl&#228;che infolge Baufehlern im Kristallgitter. Aminos&#228;uren bilden daran geordnete, sortierte Reihen, die sich vielleicht weiter synthetisierten. Im Meer wird jedoch Carbonat unterhalb einer bestimmten Tiefe (Carbonate Compensation Depth = CCD) durch den hohen Druck, den CO<SUB>2<\/SUB>-Gehalt und die geringe Temperatur rasch aufgel&#246;st, in der Regel in Tiefen von 3800&#8211;4400 m. Eine Zahl von etwa 300 Genen k&#246;nnte nach Laborversuchen f&#252;r einfache Lebewesen ausreichen. <I>Mycoplasma genitalium<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44610'>Mycoplasmen<\/A>) z.B. besteht nur aus 517 Genen. Nach der gegenw&#228;rtig vorherrschenden Ansicht sollen die ersten Lebensformen heterotroph (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31728'>Heterotrophie<\/A>) gewesen sein. Kontr&#228;r dazu ist die neuere Hypothese des Chemikers G. W&#228;chtersh&#228;user, der ein chemoautotrophes Wachstum (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13345'>Chemolithotrophie<\/A>) von Polymeren an Pyrit-Kristallen in statu nascendi postuliert. Dabei soll keine blo&#223;e Anlagerung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1153'>Adsorption<\/A>) an Minerale (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43145'>Mineralien<\/A>) erfolgt sein, sondern Oberfl&#228;chen-Metabolismus vorgelegen haben. Ein thermodynamisches Gleichgewicht soll dabei die Synthese, nicht den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55'>Abbau<\/A> beg&#252;nstigt haben. Dadurch stellte sich eine zunehmende Komplexit&#228;t der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42409'>Metaboliten<\/A> ein. Die Urform des Lebens war demnach zun&#228;chst eine einlagige Polymerschicht auf wachsenden Pyrit-Kristallen. Oberfl&#228;chenhaftung k&#246;nnte z.B. durch Phosphatgruppen erfolgt sein. Der energieliefernde Proze&#223; soll die strikt anaerobe Umsetzung von Eisensulfid und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/60209'>Schwefelwasserstoff<\/A> zu Pyrit und Wasserstoff gewesen sein (FeS + H<SUB>2<\/SUB>S &#8594; FeS<SUB>2<\/SUB> + 2H<SUP>+<\/SUP> + 2e<SUP>&#8211;<\/SUP>). Als Elektronenakzeptor wird CO<SUB>2<\/SUB> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36580'>Kohlendioxid<\/A>) postuliert. Anaerobe Pyritbildung konnte 1990 experimentell best&#228;tigt werden, nicht aber die CO<SUB>2<\/SUB>-Fixierung.<BR><\/BR>1977 entdeckte man bei den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26320'>Galapagosinseln<\/A> erstmals mineralreiche, bis 380 \u00aaC <I>hei&#223;e Quellen<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33127'>Hydrothermalquellen<\/A>) auf dem Boden der Tiefsee, sog. \"Black Smokers&#8220; (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/60132'>Schwarze Raucher<\/A>). Sie sind vor allem an hydrothermale Systeme der mittelatlantischen R&#252;cken (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52282'>Plattentektonik<\/A>) gebunden. Aus dem por&#246;sen Gestein des Meeresbodens treten hier schwefel- und metallerzreiche L&#246;sungen und Gase aus. Die Schwefelverbindungen dienen Bakterien als Nahrung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/60198'>schwefeloxidierende Bakterien<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64690'>Sulfolobales<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66313'>thermophile Bakterien<\/A>) und bilden so die Grundlage f&#252;r ein unerwartet bl&#252;hendes Leben in der lichtlosen Tiefe. Zeolithe, Tonminerale sowie Oxide und Sulfide von Eisen, Kupfer, Zink, Nickel und Kobalt stehen als Katalysatoren zur Verf&#252;gung. Die gro&#223;e Tiefe schlie&#223;t den Einflu&#223; von Sonnenlicht (UV-Strahlung) aus. Hoher Druck und hohe Temperaturen beg&#252;nstigen endotherme Reaktionen, lassen kurzkettige organische Molek&#252;le entstehen, die zu einem autotrophen Stoffwechsel f&#228;hig sind. Eisenmineralien wirken als Katalysator und synthetisieren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2914'>Ammoniak<\/A>, das bis zu einer Temperatur von 800 \u00aaC stabil bleibt. Mit diesem Ammoniak war die Versorgung der ersten Zellen mit Stickstoff gesichert, dem wichtigsten Bestandteil der Amino- und Nucleins&#228;uren. Die Kohlenstoff-Synthese wird zudem durch Oxide und Sulfide von Fe, Cu, Zn, Ni und Co gef&#246;rdert. Die damalige Armut des sodareichen Urozeans an Sauerstoff und Calcium erlaubte die Anreicherung von Proteinen, die unter heutigen Bedingungen rasch abgebaut w&#252;rden. Bei ersten Versuchen im Labor unter den Bedingungen dieser hei&#223;en Quellen entstanden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/10633'>Brenztraubens&#228;ure<\/A> und Aminos&#228;uren. Die molekulare Selektion f&#252;hrte dann im Laufe der Zeit zu selbst replizierenden Molek&#252;lsystemen. Die Entstehung des Lebens d&#252;rfte sich daher mit gro&#223;er Wahrscheinlichkeit an solchen hei&#223;en Tiefseequellen vollzogen haben. Deren direkte Beobachtung liefert daher glaubw&#252;rdigere Hypothesen als zahllose, zum Teil umstrittene Laborversuche. Denn grunds&#228;tzlich gilt: Die Entstehung des Lebens vollzog sich in einer Vielzahl von Einzelprozessen, die im Labor nicht einmal ann&#228;hernd nachzuahmen oder zu beweisen sind &#8211; abgesehen vom Faktor Zeit.<BR><\/BR><I>Leben kosmischen Ursprungs<\/I>? Aufgrund der Schwierigkeiten, die Entstehung des Lebens auf der Erde zu erkl&#228;ren, wurde mitunter ein extraterrestrischer Ursprung der irdischen Organismen postuliert (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/49172'>Panspermielehre<\/A>). Inzwischen gibt es aber experimentell begr&#252;ndete Zweifel, da&#223; Mikroorganismen f&#228;hig sind, &#252;ber geologische Zeitr&#228;ume hinweg durch den Kosmos zu reisen: Nicht nur die Strahlung, sondern allein das Vakuum (Trockenheit) f&#252;hrt zu letalen Strangbr&#252;chen in der DNA. Nach einer anderen Hypothese sollen molekulare Bausteine f&#252;r die ersten irdischen Lebensformen mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42528'>Meteoriten<\/A> oder Kometen auf die Erde gelangt sein. &#8211; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69662'>Viroide<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69637'>Viren<\/A> einschlie&#223;lich <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6895'>Bakteriophagen<\/A> als Nucleins&#228;ure-Genome, die <I>nicht<\/I> in Zellen organisiert sind, stellen keine Vorstufen der zellul&#228;ren Organisation dar, sondern sind erst sp&#228;ter entstanden. Daf&#252;r spricht, da&#223; sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen und zu ihrer Vermehrung auf die Proteine von Zellen, in denen sie parasitieren, angewiesen sind.R.Wa.\/W.R."}