{"title":"Leber: Infobox I","body":"<STRONG>Leber<BR><\/BR><BR><\/BR>Die Leber als immunologisches Organ:<\/STRONG><BR><\/BR>Die Leber besitzt aus immunologischer Sicht einzigartige Charakteristika. Das wohl auff&#228;lligste ist, da&#223; eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/2252'>allogene<\/A> Leber-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67307'>Transplantation<\/A> nur eine schwache Absto&#223;ungsreaktion (in manchen Species &#252;berhaupt keine; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32705'>Host-versus-graft-Reaktion<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67306'>Transplantatabsto&#223;ung<\/A>) hervorruft, d.h., die Leber besitzt ausgepr&#228;gte tolerogene Mechanismen, welche die Induktion von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33846'>Immunreaktionen<\/A>, die zur Sch&#228;digung der Leber f&#252;hren k&#246;nnten, verhindern. Andererseits k&#246;nnen in der Leber Immunreaktionen effizient induziert werden, die eine dauerhafte <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34013'>Infektion<\/A> der Leber verhindern (z.B. gegen das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31373'>Hepatitisvirus B<\/A> oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39628'>Listeria<\/A>). Begr&#252;ndet ist dieses Ph&#228;nomen in der Zusammensetzung und den Eigenschaften der immunkompetenten Zellen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33813'>immunkompetenter Lymphocyt<\/A>) in der Leber. In der gesamten menschlichen Leber befinden sich ca. 10 Milliarden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40304'>Lymphocyten<\/A>, die vorwiegend um den Portaltrakt, aber auch im Parenchym lokalisiert sind. Die Zusammensetzung der Lymphocyten in der Leber unterscheidet sich stark von der des peripheren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9615'>Blutes<\/A> (vgl. Tab. 2). Auff&#228;llig ist auch das verst&#228;rkte Auftreten von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46608'>NKT-Zellen<\/A>. Diese Lymphocyten umfassen mehrere Subpopulationen und zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus: die Entwicklung ist Thymus- (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66558'>Thymus<\/A>), TCR- (T-Zell-Rezeptor) und CD1-abh&#228;ngig (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12601'>CD-Marker<\/A>), sie haben eine stark eingeschr&#228;nkte TCR-Genverwendung (V&#945;14J&#945;281 und V&#946;8.2 bei der Maus, V&#945;24J&#945;Q und V&#946;11 beim Menschen), die TCR-binden hydrophobe Liganden (Glykolipide) und sind CD1-, nicht aber MHC-restringiert (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42752'>MHC-Restriktion<\/A>), sie exprimieren NK-Marker, CD3 und TCR in unterschiedlichen Kombinationen auf ihrer Oberfl&#228;che, ihre Aktivierung f&#252;hrt zu starker Produktion von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16547'>Cytokinen<\/A> (IL-4, IFN&#947;, TNF; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34299'>Interleukine<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34289'>Interferone<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68041'>Tumor-Nekrosis-Faktor<\/A>) und bei manchen Tumorzellen zu Perforin- (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/50227'>Perforin<\/A>) und Fas-Ligand-(<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/23801'>Fas-Ligand<\/A>) vermittelter <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16611'>Cytotoxizit&#228;t<\/A>. Die Leber enth&#228;lt <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52555'>pluripotente Stammzellen<\/A> und viele Vorl&#228;ufer-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66831'>T-Lymphocyten<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69904'>Vorl&#228;uferzelle<\/A>), d.h., sie ist auch nach der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26824'>Geburt<\/A> ein <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9533'>blutbildendes Organ<\/A>, und es gibt Hinweise darauf, da&#223; sich T-Lymphocyten unabh&#228;ngig vom Thymus in der Leber (und auch im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16803'>Darm<\/A>) differenzieren k&#246;nnen. Lymphocyten mit &#947;-&#948;-TCR stellen einen betr&#228;chtlichen Anteil der T-Zellen in der Leber dar. Auch diese TCR sind invariant oder oligoklonal, nicht MHC-restringiert und binden Nicht-Peptid-Antigene (virale Glykoproteine, bakterielle Alkylamine, phosphorylierte Thymidinmetabolite von Mykobakterien). Sie reagieren mit Molek&#252;len, die durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64259'>Stre&#223;<\/A> induzierbar sind wie MICA, MICB, CD1c. &#947;-&#948;-T-Zellen reagieren mit einem hsp60-Proteinkomplex auf aktivierten Makrophagen, eliminieren diese durch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16558'>Cytolyse<\/A> und tragen dazu bei, da&#223; eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33779'>Immunantwort<\/A> wieder abklingt, um Gewebesch&#228;den durch eine zu starke oder lang anhaltende Immunantwort zu verhindern. Die Produktion von IL-4 und IL-10 ist ein weiteres Mittel der &#947;-&#948;-T-Zellen, regulatorisch auf Immunreaktionen einzuwirken. Neben den verschiedenen Lymphocyten-Subpopulationen sind in der Leber <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/37695'>Kupffersche Sternzellen<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17256'>dendritische Zellen<\/A> und sinusoidale endotheliale Zellen (LSEC) vorhanden, deren Aufgabe die Antigenaufnahme und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4075'>Antigenpr&#228;sentation<\/A> ist. LSEC stellen eine physikalische Barriere zwischen den Lymphocyten und den Leberzellen dar und exprimieren alle Molek&#252;le, die f&#252;r eine Aktivierung von CD4+-T-Zellen erforderlich sind. Die von den LSEC aktivierten T-Zellen induzieren jedoch nicht eine T<SUB>H1<\/SUB>-Antwort (TH1-Zellen), sondern regulatorische T-Lymphocyten, die IL-4 und IL-10 sezernieren und f&#252;r die Induktion von Toleranz gegen&#252;ber Antigenen verantwortlich sind. Wird ein Antigen &#252;ber die Portalvene injiziert, ist Toleranz gegen&#252;ber diesem Antigen die Folge. Dabei werden partikul&#228;re Antigene vor allem von den Kupffer-Zellen, l&#246;sliche Antigene von den LSEC aufgenommen und pr&#228;sentiert. LPS (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39561'>Lipopolysaccharid<\/A>), das physiologischer Bestandteil des portal-ven&#246;sen Blutes ist und in der Leber, im Gegensatz zu anderen Organen, keine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21622'>Entz&#252;ndung<\/A> ausl&#246;st, wird durch LSEC und Kupffer-Zellen eliminiert. LPS f&#252;hrt in den Kupffer-Zellen zu erh&#246;hter Prostanoid-(PGE2-)Expression, zur Bildung von IL-10 und TNF&#945;, was zu einer verminderten Antigenpr&#228;sentation und zu einer erh&#246;hten Expression des immunsupprimierenden TGF<SUB>&#946;<\/SUB> durch die LSEC f&#252;hrt. Werden nach einer Lebertransplantation donorspezifische T-Lymphocyten in die Portalvene injiziert, kommt es zur Toleranzinduktion gegen&#252;ber dem Transplantat, die durch IL-4 und IL-10 von regulatorischen T-Zellen vermittelt wird. Werden die Kupffer-Zellen vorher eliminiert, f&#252;hrt dies zum Verlust der Toleranz. Neben diesen Mechanismen k&#246;nnen Kupffer-Zellen, LSEC und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/31379'>Hepatocyten<\/A> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4488'>Apoptose<\/A> induzieren, die jedoch antigenabh&#228;ngig sein mu&#223;. Man kann beobachten, da&#223; sich apoptotische T-Zellen in der Leber ansammeln. F&#252;r diesen Effekt gibt es 2 Hypothesen: 1) die <I>Graveyard-Hypothese<\/I> besagt, da&#223; die T-Zellen in der Peripherie apoptotisch werden und in der Leber angesammelt werden; 2) die<I> Killing Field-Hypothese<\/I> besagt, da&#223; sich T-Zellen in der Leber ansammeln, weil sie aktiviert sind, die Induktion der Apoptose erfolgt jedoch erst in der Leber. Es gibt einige Hinweise, die f&#252;r letztere sprechen. So exprimieren aktivierte T-Zellen LFA-1 (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39185'>LFA<\/A>), den Liganden f&#252;r <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33592'>ICAM-1<\/A>, welches stark von LSEC und Kupffer-Zellen exprimiert wird. Ruhende T-Zellen, die LFA-1 nicht exprimieren, werden nicht in der Leber angereichert. Galectin-1, ein Lactose-bindendes Protein, das spezifisch von LSEC exprimiert wird, kann aktivierte T-Zellen binden und Apoptose ausl&#246;sen. Die Leber ist damit ein quasi immunprivilegiertes Organ, in dem Immunantworten effizient unterdr&#252;ckt werden k&#246;nnen. Die Mechanismen hierf&#252;r sind Apoptose und die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33823'>Immunmodulation<\/A> durch Cytokine, welche die Aktivierung von regulatorischen oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64813'>Suppressor-T-Lymphocyten<\/A> f&#246;rdern und die Induktion einer effizienten, zellul&#228;ren Immunantwort unterdr&#252;cken. Trotz der erheblichen tolerogenen Mechanismen ist es in bestimmten F&#228;llen m&#246;glich, in der Leber eine effiziente Immunantwort zu induzieren, welche die Elimination der Pathogene (Listeria, Hepatitis-B-Virus) zur Folge hat. Die genauen Mechanismen hierf&#252;r sind noch nicht gekl&#228;rt.R.We."}