{"title":"Farbensehen: Abbildung I","body":"<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/neuro\/fff324.jpg' WIDTH='881' HEIGHT='579'><br>\n<P><STRONG>Farbensehen<\/STRONG><\/P>\n<P><I>Farbensehen der Honigbiene<\/I>:<BR><\/BR>Anfang des 20. Jahrhunderts wies K. von Frisch nach, da&#223; Bienen Farben zu unterscheiden verm&#246;gen. Dazu dressierte er die Bienen darauf, aus einem Sch&#228;lchen mit Zuckerwasser zu trinken, das auf einem blauen St&#252;ck Papier stand (1). Die Bienen erkannten dieses Sch&#228;lchen auch wieder, wenn er es zwischen viele andere Sch&#228;lchen stellte, die auf verschiedenen Graupapieren standen. Der selbe Versuch gelingt auch, wenn man verschiedene Farbfelder im Wechsel mit Graufeldern benutzt: Die Bienen fliegen jeweils das Feld bevorzugt an, auf dem sie mit Zuckerwasser belohnt wurden, selbst wenn dieses Feld immer wieder verschoben wird (keine Ortsdressur!). Mit einer aus diesem Prinzip entwickelten Methode gelang es nachzuweisen, da&#223; das Farbensehen der Biene in vielen Z&#252;gen mit dem des Menschen &#252;bereinstimmt.<BR><\/BR>Heute l&#228;&#223;t sich das farbensehende Rezeptorsystem der Honigbiene auch durch direkte elektrophysiologische Messungen untersuchen. Durch die auf einem Rad angeordneten Farbfilter wird schmalbandiges Spektrallicht (\"monochromatisches\" Licht) erzeugt. &#220;ber eine in die Sinneszellen einer Ommatidie des Komplexauges eingestochene Mikroelektrode wird die von dem Lichtreiz erzeugte Spannungs&#228;nderung abgeleitet, verst&#228;rkt und &#252;ber einen Oszillographen sichtbar gemacht (2). Bei diesem Experiment zeigt sich, da&#223; es drei verschiedene Zelltypen mit verschiedenen Empfindlichkeitsspektren gibt. Ihre Reaktionen sind (zum besseren Vergleich mit den kolorimetrischen Ergebnissen beim Menschen) in % der maximalen Reaktion dargestellt (3). Die Form der Kurven ist denen des menschlichen Farbensehens nicht un&#228;hnlich. Lediglich der Wellenl&#228;ngenbereich des sichtbaren Lichts ist bei den Bienen zu k&#252;rzeren Wellenl&#228;ngen hin verschoben. Bienen k&#246;nnen also ultraviolettes Licht wahrnehmen, sehen aber keine langwelligen Strahlungen.<BR><\/BR>Die &#196;hnlichkeit des farbwahrnehmenden Rezeptorsystems bei Mensch und Biene l&#228;&#223;t nicht darauf schlie&#223;en, da&#223; auch die Systemausg&#228;nge, die letztlich wirksamen \"Farbempfindungen\", &#228;hnlich geordnet sind. Man kann daher nur in einem &#252;bertragenen Sinn von \"Bienenrot\" oder \"Bienengrau\" sprechen. Trotzdem lassen sich durch die Ber&#252;cksichtigung der verschiedenen Rezeptorsysteme Unterschiede erschlie&#223;en, die in der Wahrnehmung von Mensch und Biene entstehen m&#252;ssen. Abbildung 4 zeigt die Bl&#252;te des Fingerkrauts, links durch ein Gelbfilter, rechts durch ein UV-Filter betrachtet. F&#252;r den Menschen erscheint diese Bl&#252;te einheitlich gelb, w&#228;hrend mit dem UV-Filter sichtbar wird, da&#223; der UV-reflektierende Randbereich der Bl&#252;te die Saftmale im Bl&#252;teninnern f&#252;r UV-empfindliche Augen hervorhebt. Die Kolorierung des Bildes versucht die abweichende Wahrnehmung der Biene f&#252;r das menschliche Auge anschaulich zu machen.<\/P>"}