{"title":"Libellen: Infobox II","body":"<STRONG>Libellen<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>2:<\/STRONG> <STRONG>Flugleistungen:<\/STRONG> Durch die m&#228;chtige direkte Flugmuskulatur (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25324'>Flugmuskeln<\/A>), welche die beiden hinteren Abschnitte der dreigliedrigen Brust fast vollst&#228;ndig einnehmen, k&#246;nnen die reich geaderten, meist mehr oder weniger hyalinen Vorder- und Hinterfl&#252;gel unabh&#228;ngig voneinander und synchron oder asynchron zueinander bewegt werden. Trotz der relativ niedrigen Fl&#252;gelschlagfrequenz von ca. 30&#8211;40 (beim Balzflug von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53422'>Prachtlibellen<\/A> bis 70) Schl&#228;gen pro Sekunde sind Libellen &#228;u&#223;erst gewandte, wendige und besonders die Gro&#223;libellen schnelle, sehr ausdauernde Flieger, die stundenlang in der Luft bleiben, lange Strecken im Gleitflug zur&#252;cklegen (besonders Gro&#223;libellen), in nur 3\/10 Sekunden von 0 auf 15 km\/h beschleunigen und Geschwindigkeiten bis fast 40 km\/h erreichen, sehr pr&#228;zise man&#246;vrieren, aus vollem Flug abrupt abbremsen, selbst bei b&#246;igem Wind r&#252;ttelnd in der Luft stehen bleiben und sogar &#8211; einzigartig unter den Insekten &#8211; r&#252;ckw&#228;rts fliegen k&#246;nnen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25267'>Flug<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25323'>Flugmechanik<\/A>). Manche Arten, z.B. die Prachtlibellen, setzen ihre Fl&#252;gel auch als Schauorgan bei der Flugbalz und f&#252;r Drohgeb&#228;rden ein und k&#246;nnen, w&#228;hrend sie nur mit 2 oder 3 Fl&#252;geln fliegen, 1 oder 2 Fl&#252;gel wie eine &#8222;Flagge&#8220; nach oben halten. Libellen k&#246;nnen fliegend das 2- bis 3fache ihres Eigengewichts tragen. Erreicht werden diese Flugleistungen u.a. durch die komplizierte Fl&#252;gelgelenkung und die starke Flugmuskulatur, deren Sehnen &#252;ber hochelastische Resilin-Verbindungen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56352'>Resilin<\/A>) mit den Fl&#252;geln und dem Au&#223;enskelett verbunden sind. Die Flugmuskeln werden w&#228;hrend des Flugs durch den willk&#252;rlich steuerbaren H&#228;molymphflu&#223; je nach Bedarf warmgehalten oder gek&#252;hlt und so die &#8222;Betriebstemperatur&#8220; optimiert und &#252;ber spezielle Tracheen besonders gut mit Sauerstoff versorgt, wobei der sich beim Flug elastisch verformende <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66446'>Thorax<\/A> wie ein Blasebalg wirkt. Durch die dichte Aderung und das im Querschnitt zickzackf&#246;rmige Faltungsmuster (&#8222;Knitterfaltenstruktur&#8220;) wird der Fl&#252;gel &#228;u&#223;erst biegefest und h&#228;lt selbst extremen Belastungen stand. Mikrogelenke aus gummiartigen Resilin-Verbindungen bilden bei bestimmten L&#228;ngs- und Queradern regelrecht &#8222;elastische Achsen&#8220;, die bewirken, da&#223; sich die Fl&#252;gelform fortw&#228;hrend von selbst an die w&#228;hrend des Fl&#252;gelschlags wechselnden aerodynamischen Kr&#228;fte mit kontrollierten Ver&#228;nderungen anpa&#223;t und das Fl&#252;gelprofil in jeder Schlagphase optimiert. Die Fl&#252;gelmembran ist durch ein Netzwerk von Mikrofasern versteift, deren Anordnung ihr entsprechend der auf sie einwirkenden Zugkr&#228;fte optimale Stabilit&#228;t verleiht. Ferner verhindert vermutlich das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25295'>Fl&#252;gelmal<\/A> (Pterostigma) nahe der Fl&#252;gelspitze als Unwucht unkontrolliertes Fl&#252;gelflattern. Libellen verf&#252;gen &#252;ber zahlreiche Mechanismen der Flugkontrolle: Anstr&#246;mrichtung und -druck der Luft werden &#252;ber die kurzen, borstenartigen F&#252;hler sowie Haarsensillen auf den Fl&#252;geladern wahrgenommen und damit Fluggeschwindigkeit gemessen bzw. die Fl&#252;gelbewegung kontrolliert und koordiniert. Der als Pendellot wirkende Kopf, die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48025'>optomotorische Reaktion<\/A> und der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39257'>Lichtr&#252;ckenreflex<\/A> dienen zur Lagekontrolle im Raum. Der lange, tr&#228;ge Hinterleib wirkt wie bei einem Hubschrauber als Drehmomentausgleich und Flugstabilisator. Auch die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/47210'>Ocellen<\/A> stehen wahrscheinlich im Dienst der optischen Flugkontrolle; gleichzeitig wird ihre Rolle bei einer m&#246;glichen Licht-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36744'>Kompa&#223;orientierung<\/A> diskutiert."}