{"title":"Fehlbildungen des Nervensystems: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Fehlbildungen des Nervensystems<\/STRONG>\n<P><STRONG>1 <\/STRONG><I>Entwicklung des Nervensystems<\/I>:<BR><\/BR>In der Embryonalentwicklung bildet sich in der 2.-3. Woche nach der Befruchtung (Gestationswoche) aus dem &#228;u&#223;ersten der drei Keimbl&#228;tter (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/3281'>Ektoderm<\/A>) die Neuralplatte in der Mittellinie der Embryonalanlage. Die <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/2128'>Chorda dorsalis<\/A> (Notochorda), ventral der Neuralplatte gelegen, induziert deren Bildung aus dem Ektoderm und beeinflu&#223;t die Differenzierung des <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/8482'>Neuralrohrs<\/A>. Dieses l&#246;st sich in der 3. bis 4. Gestationswoche ab und wird unter die Oberfl&#228;che des Ektoderms in das K&#246;rperinnere verlagert. Das Neuralrohr, aus dem sich Gehirn und R&#252;ckenmark entwickeln, schlie&#223;t sich in seiner vorderen &#214;ffnung um den 25. Tag, in seiner hinteren etwa zwei Tage sp&#228;ter. Die Entwicklung und der Schlu&#223; des Neuralrohres werden als <I>Neurulation<\/I> bezeichnet. Zellen, die am Rand der Neuralplatte gelegen sind, spalten sich zur <I>Neuralleiste<\/I> ab, aus der die Ganglien der hinteren <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/12105'>Spinalnervenwurzeln<\/A> und der Hirnnerven, vegetative Ganglien, <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/11510'>Schwann-Zellen<\/A> und die weichen <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5492'>Hirnh&#228;ute<\/A> (Pia mater und Arachnoidea) gebildet werden. Der Neurulation schlie&#223;t sich im vorderen Bereich des Neuralrohrs die Ausbildung der Hirnbl&#228;schen an. Im \"Dreibl&#228;schenstadium\" (3. bis 4. Gestationswoche) sind das sp&#228;tere Vorderhirn (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/10351'>Prosencephalon<\/A>) und die Vesikel f&#252;r den sp&#228;teren Hirnstamm (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/7634'>Mesencephalon<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/11054'>Rhombencephalon<\/A>) abgrenzbar. Dann kommt es zu einer Aufteilung des Vorderhirnbl&#228;schens in Zwischen- und Endhirnvesikel (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/12795'>Telencephalon<\/A>). Letzteres teilt sich wiederum nach beiden Seiten in die Hemisph&#228;renbl&#228;schen (4. bis 5. Gestationswoche). Aus den telencephalen Vesikeln st&#252;lpt sich die Anlage des Riechkolbens (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/1759'>Bulbus olfactorius<\/A>) um den 34. Tag. Vom Zwischenhirnbl&#228;schen gehen die Augenvesikel ab. Der Hirnstamm entwickelt sich zun&#228;chst rascher als das Endhirn. Aus dem Zwischenhirn entstehen <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/12884'>Thalamus<\/A>, Globus pallidus, <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5891'>Hypothalamus<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/3605'>Epiphyse<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/8594'>Neurohypophyse<\/A>. Der basale Anteil des Telencephalons wird zum Ganglienh&#252;gel. Die Endhirnbl&#228;schen wachsen im weiteren Verlauf rasch um ihre Achse im Bereich der Insel; zum Ende des 4. Monats hin &#252;berlagern sie alle anderen Hirnteile. Ab der 14. Gestationswoche formen sich, beginnend mit der <I>Fissura Sylvii<\/I>, Furchen (Sulci; <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/12515'>Sulcus<\/A>) und Windungen (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5077'>Gyri<\/A>) aus. Die <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5079'>Gyrierung<\/A> ist in der 32. Woche weitgehend, jedoch noch nicht vollst&#228;ndig abgeschlossen. In der vorderen Telencephalonwand bildet sich um den 40. Tag die Kommissurenplatte aus, aus der sich die Verbindungssysteme zwischen den Hemisph&#228;ren entwickeln (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/6614'>Kommissur<\/A>). Die gr&#246;&#223;te Kommissurenbahn, der <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/1245'>Balken<\/A> (Corpus callosum) entwickelt sich von vorne (rostral) nach hinten (caudal) ab der 8. bis zum Ende der 20. Gestationswoche. Mit der Entwicklung des Balkens ist die des Septum pellucidum, das die <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/11619'>Seitenventrikel<\/A> in der Mittellinie voneinander trennt, eng verbunden; es entsteht ebenfalls aus der Kommissurenplatte. In der Umgebung der inneren Liquorr&#228;ume (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/2007'>Cerebrospinalfl&#252;ssigkeit<\/A>) vermehren sich Vorl&#228;uferzellen f&#252;r <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/8374'>Nervenzellen<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/4781'>Gliazellen<\/A> in der sogenannten subependymalen Matrix. Aus dieser wandern ab der 7. Gestationswoche die sp&#228;teren Neurone der <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5010'>Gro&#223;hirnrinde<\/A> von der Ventrikelwand zur Gehirnoberfl&#228;che, entlang sogenannter radialer Gliafasern (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/8377'>Nervenzellwanderung<\/A>). Wenn die &#228;u&#223;erste Rindenschicht gebildet ist, erfolgt die weitere Schichtenbildung des <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/2443'>Cortex<\/A> von innen nach au&#223;en (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/1809'>Cajal-Retzius-Zelle<\/A>). Teilung und Migration der Zellen im Telencephalon erfolgen zwischen der 6. und 24. Gestationswoche. Mit der Ausbildung von Nervenzellforts&#228;tzen, Verbindungen zwischen Nervenzellen und der Markscheidenbildung (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/8107'>Myelinisierung<\/A>) finden wesentliche Abschnitte des Gehirnwachstums und der Gehirnentwicklung auch noch weit nach der Geburt bis in die 2. Lebensdekade hinein statt.<\/P>"}