{"title":"Mikroskop: Infobox I","body":"<STRONG>Mikroskop<BR><\/BR><BR><\/BR>Vergr&#246;&#223;erung und Aufl&#246;sung des Mikroskops:<\/STRONG><BR><\/BR>E. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/62'>Abbe<\/A> und M. Berek konnten nachweisen, da&#223; das mikroskopische Bild als komplexes Interferenzmuster (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34284'>Interferenz<\/A>) der von den Objektstrukturen ausgehenden und miteinander interferierenden koh&#228;renten Beugungswellenfronten (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8252'>Beugung<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70587'>Welle<\/A>) entsteht. Ein Konturenpaar wird nur dann abgebildet (&#8222;aufgel&#246;st&#8220;), wenn der bildauffangende &#8222;Bildschirm&#8220; (= Frontlinse des Objektivs) beidseits des Interferenz-Hauptmaximums wenigstens je 1 am Objektkonturenpaar entstandenes Nebenmaximum auffangen kann &#8211; eine wellenoptische Grenzbedingung, die erst f&#252;r die Abbildung sehr kleiner Strukturen Bedeutung gewinnt. Im weiteren Strahlengang interferieren diese Nebenmaxima mit dem Hauptmaximum und erzeugen so ein dem Objekt &#228;hnliches Endbild. Je mehr Seitenmaxima dazu beitragen, desto sch&#228;rfer &#8211; weil detailreicher &#8211; wird die Abbildung. Nebenmaxima entstehen dort, wo 2 an der Objektkontur abgebeugte Wellenfronten mit einem Wegunterschied (Gangunterschied) von 1 Wellenl&#228;nge <I>(&#955;)<\/I> bzw. deren Vielfachem zusammentreffen. Je kleiner der Konturenabstand <I>(d)<\/I> der Struktur, desto st&#228;rker abgebeugt m&#252;ssen Wellenfronten zusammentreffen, um einen Wegunterschied von &#955; aufzuweisen, desto weiter entfernen sich also die ersten Nebenmaxima vom Hauptmaximum, und desto gr&#246;&#223;er mu&#223; bei konstantem <I>&#955;<\/I> die &#8222;Bildschirmweite&#8220; (= Apertur des Objektivs) sein, damit das Interferenzbild der Struktur noch &#8222;wahrgenommen&#8220; und diese abgebildet wird. Die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4281'>Apertur<\/A><\/I> wird vereinbarungsgem&#228;&#223; als Sinus des halben &#214;ffnungswinkels (sin <I>&#945;<\/I>) angegeben. Es gilt also: <I>d<\/I><SUB>min<\/SUB> = <I>&#955;<\/I>\/sin <I>&#945;<\/I>. N&#228;hert sich <I>d<\/I> an <I>&#955;<\/I> an, so geht der zur Erzeugung eines Nebenmaximums geforderte Beugungswinkel der um den Betrag <I>&#955;<\/I> phasenverschobenen Wellenfronten gegen 90  , d.h., die Interferenz der Wellenfronten erfolgt in der Objektebene, notwendigerweise also au&#223;erhalb der Bildschirmebene, und kann so nicht mehr durch den Bildschirm bzw. das Objektiv aufgefangen werden. Eine Strukturgr&#246;&#223;e im Bereich der Wellenl&#228;nge des verwendeten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39234'>Lichts<\/A> bildet also eine nat&#252;rliche Grenze f&#252;r deren mikroskopische Abbildbarkeit. Die (oberhalb dieses Grenzwerts aufl&#246;sungsbestimmende) theoretische Apertur st&#228;rker vergr&#246;&#223;ernder (bis 63fach), sog. <I>Trockenobjektive<\/I> wird durch die Licht-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/10559'>Brechung<\/A> an einem Intermedium geringerer Dichte als das Pr&#228;parat (Luft mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/10561'>Brechungsindex<\/A> <I>n<\/I><SUB>D<\/SUB> = 1) zwischen Objekt und Objektiv auf eine geringere wirksame Apertur eingeschr&#228;nkt, die sog. <I>numerische Apertur<\/I> (<I>A<\/I> = <I>n<\/I><SUB>D<\/SUB> A sin <I>&#945;<\/I>). Diese wirksame Apertur ist auf allen Objektiven hinter der Angabe des Vergr&#246;&#223;erungsma&#223;stabs als Dezimalbruch eingraviert (z.B. 40er Objektiv: 40\/0,63) und erlaubt die Berechnung von deren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6051'>Aufl&#246;sungsverm&#246;gen<\/A>. Der Aperturverlust durch Lichtbrechung kann durch ein Zwischenmedium gr&#246;&#223;erer Dichte, etwa ein &#214;l (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71520'>Zedernholz&#246;l<\/A>, <I>Immersions&#246;l<\/I>) vom Brechungsindex des Glases (<I>n<\/I><SUB>D<\/SUB> = 1,5), kompensiert oder gar durch Verwendung dichterer Zwischenmedien (bis <I>n<\/I><SUB>D<\/SUB> = 1,6) bei einem Aperturgewinn &#252;berkompensiert werden. Man ben&#246;tigt dazu spezielle <I>Immersionsobjektive<\/I> (Eintauchobjektive; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/33769'>Immersion<\/A>), die Aperturen bis 1,4 erreichen (z.B. Spitzenobjektive wie 100\/1,3 &#214;l oder 63\/1,4 &#214;l, mit einer Aufl&#246;sung von 0,19 &#956;m, wobei der Zusatz &#8222;&#214;l&#8220; darauf hinweist, da&#223; diese Objektive als Immersionsobjektive benutzt werden m&#252;ssen). Derartige Aperturen lassen sich jedoch nur voll aussch&#246;pfen, wenn der &#214;ffnungswinkel, also die Apertur, des <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36791'>Kondensors<\/A><\/I> dem des Objektivs angepa&#223;t ist. Kondensoren sind mit einer aperturregulierenden <I>Irisblende<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4283'>Aperturblende<\/A>) ausgestattet, die der Regulierung des Bild-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36933'>Kontrasts<\/A> dient: Bei zu gro&#223;er Kondensor&#246;ffnung gelangt an der Bildentstehung nicht beteiligtes Streulicht (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64280'>Streuung<\/A>) aus nicht abgebildeten Objektpartien in das Objektiv (Bildaufhellung, Kontrastminderung). Bei einer gegen&#252;ber der Objektiv&#246;ffnung zu geringen Kondensorapertur (kleiner als das abgebildete Objektfeld) tr&#228;gt Beugungslicht des Blendenrands in zunehmendem Ma&#223;e zur Objektbeleuchtung bei und interferiert seinerseits mit den prim&#228;r objektabbildenden Wellenfronten: der Bildkontrast steigt durch &#220;berlagerung von Mehrfachbildern auf Kosten des Aufl&#246;sungsverm&#246;gens. Die Breite der im Pr&#228;parat entstehenden Interferenz-Nebenmaxima wird verringert, und diese werden im Grenzfall vom Objektiv nicht mehr erfa&#223;t, was einer Verminderung der wirksamen Objektivapertur und damit des Aufl&#246;sungsverm&#246;gens gleichkommt. Eine angepa&#223;te hohe Kondensorapertur kann die wirksame Objektivapertur gegen&#252;ber einer Beleuchtung ohne Kondensor bei hinreichendem Bildkontrast um etwa das Zweifache steigern. Daraus resultiert nach der Formel <I>d<\/I><SUB>min<\/SUB> = <I>&#955;<\/I>\/2 <I>n<\/I> sin <I>&#945;<\/I> bzw. <I>d<\/I><SUB>min<\/SUB> = <I>&#955;<\/I>\/2 <I>A<\/I> (<I>A<\/I> = numerische Apertur) ein maximales Aufl&#246;sungsverm&#246;gen des Mikroskops von etwa <I>&#955;<\/I>\/2. Dieser Wert, im sichtbaren Licht von <I>&#955;<\/I> &#8776; 0,4 &#956;m etwa 0,2 &#956;m, kann bei Verwendung von UV-Licht (<I>&#955;<\/I> &#8776; 0,2 &#956;m; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68400'>Ultraviolett<\/A>) noch einmal um etwa das Zweifache verbessert werden, wenn man ein Mikroskop mit UV-durchl&#228;ssiger Quarzoptik benutzt und das nicht unmittelbar sichtbare Bild auf einem Leuchtschirm oder einer Photoplatte auff&#228;ngt (<I>Ultraviolettmikroskop<\/I> oder<I> Ultramikroskop;<\/I> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68401'>Ultraviolettmikroskopie<\/A>). &#8211; Als Faustregel f&#252;r die <I>f&#246;rderliche Vergr&#246;&#223;erung<\/I> gilt, da&#223; die Endvergr&#246;&#223;erung das 1000fache der Objektivapertur nicht &#252;berschreiten soll."}