{"title":"Ozon: Infobox III","body":"<STRONG>Ozon<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Bildung und Abbau von Ozon:<\/STRONG> Zu unterscheiden ist grunds&#228;tzlich zwischen 2 Ozonkreisl&#228;ufen, einem in der Stratosph&#228;re und einem in der unteren Troposph&#228;re (Bodenn&#228;he).<BR><\/BR><STRONG>1)<\/STRONG> Das <I>stratosph&#228;rische Ozon<\/I> ist f&#252;r das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38516'>Leben<\/A> auf der Erde von elementarer Bedeutung, da es die ultraviolette Strahlung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68400'>Ultraviolett<\/A>) absorbiert und im Laufe der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22144'>Erdgeschichte<\/A> erst die Voraussetzung schuf, da&#223; das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38516'>Leben<\/A> die Ozeane verlassen konnte. Die Energieaufnahme (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21348'>Energie<\/A>) durch die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/265'>Absorption<\/A> ultravioletter Sonnenstrahlung (Wellenl&#228;nge <I>&#955;<\/I>) der Energie <I>h&#957;<\/I> (<I>h<\/I> = Plancksches Wirkungsquantum, <I>&#957;<\/I> = Frequenz) f&#252;hrt zur Aufspaltung von molekularem Sauerstoff O<SUB>2<\/SUB> in 2 Sauerstoffatome O (Photodissoziation) und anschlie&#223;enden Reaktion von molekularem Sauerstoff mit atomarem Sauerstoff zu Ozon:<BR><\/BR>O<SUB>2<\/SUB> + <I>h&#957;<\/I> (188 nm &#8804; <I>&#955;<\/I> &#8804; 242 nm) &#8594; O + O<BR><\/BR>O + O<SUB>2<\/SUB> + M &#8594; O<SUB>3<\/SUB> + M.<BR><\/BR>Voraussetzung f&#252;r die zweite Reaktion ist die Existenz eines Neutralgases M (meist N<SUB>2<\/SUB>), das als Sto&#223;partner (aus Impulserhaltungsgr&#252;nden) fungiert, also die &#252;bersch&#252;ssige Energie aufnimmt. (Diese <I>Ozonbildung<\/I> erfolgt wegen der Intensit&#228;tsverteilung der kurzwelligen Sonnenstrahlung haupts&#228;chlich in der mittleren und oberen Stratosph&#228;re; die Produktionsrate ist mit etwa 10<SUP>6<\/SUP>\/[cm<SUP>3<\/SUP>As] im Bereich der Tropen am h&#246;chsten und nimmt bis zu mittleren Breiten [60' Br.] auf etwa 1\/3 dieses Wertes ab.) Das Ozon absorbiert nun auch die l&#228;ngerwellige UV-Strahlung bis ca. 320 nm. Durch diese Reaktion wird Ozon photolytisch (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51333'>Photolyse<\/A>) wieder in seine Komponenten zerlegt. Bei diesem <I>Ozonabbau<\/I> sind Radikale als <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/35592'>Katalysatoren<\/A> beteiligt:<BR><\/BR>XA + O<SUB>3<\/SUB> &#8594; XOA + O<SUB>2<\/SUB><BR><\/BR>O<SUB>3<\/SUB> + <I>h&#957;<\/I> (188 nm &#8804; <I>&#955;<\/I> &#8804; 320 nm) &#8594; O<SUB>2<\/SUB> + O<BR><\/BR>O + XOA &#8594; XA + O<SUB>2<\/SUB>.<BR><\/BR>Die wichtigsten Katalysatoren (Radikale XOA und XA) in der Stratosph&#228;re sind NO und NO<SUB>2<\/SUB>. Sie werden aus den Stickoxid- und Lachgas-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21054'>Emissionen<\/A> (N<SUB>2<\/SUB>O) der Erdoberfl&#228;che in der Stratosph&#228;re gebildet. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/37842'>Lachgas<\/A> entstammt mikrobiologischen Prozessen in B&#246;den. Es ist in der bodennahen Atmosph&#228;re reaktionstr&#228;ge und hat eine durchschnittliche Lebensdauer von 150 Jahren. In der Stratosph&#228;re reagiert es mit den Sauerstoffatomen; es entsteht NO<SUB>x<\/SUB> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63870'>Stickoxide<\/A>), das den Abbauproze&#223; des Ozons startet. Daneben gibt es auch andere NO<SUB>x<\/SUB>-Quellen, in der Stratosph&#228;re etwa Flugverkehrsemissionen oder Reaktionsprozesse der Korpuskularstrahlung, in der Troposph&#228;re die Verbrennung <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25103'>fossiler Brennstoffe<\/A>, doch ist deren Lebensdauer zu gering, um in relevantem Umfang in den Proze&#223; des stratosph&#228;rischen Ozonkreislaufs einbezogen zu werden. Eine weitere nat&#252;rliche Reaktion l&#228;uft &#252;ber die Katalysatoren HO und HO<SUB>2<\/SUB>, die sich in der Stratosph&#228;re aus dem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70236'>Wasserdampf<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70213'>Wasser<\/A>) und den Sauerstoffatomen bilden. Neben diesen nat&#252;rlichen Prozessen gibt es einen weiteren, der anthropogen ist. Es ist die Einbeziehung von <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25339'>Fluorchlorkohlenwasserstoffen<\/A><\/I> (FCKW), insbesondere CFCl<SUB>3<\/SUB> und CF<SUB>2<\/SUB>Cl<SUB>2<\/SUB>, in den katalytischen Kreislauf. Diese sind ebenfalls am Boden sehr stabil und reagieren nicht mit anderen Bestandteilen der Atmosph&#228;re, weshalb sie besonders geeignet sind, um als Treibgase (z.B. in Spraydosen; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1261'>Aerosol<\/A>) verwendet zu werden. In der Stratosph&#228;re ist die ultraviolette Strahlung energiereich genug, um diese Molek&#252;le zu zerlegen und Chlormonoxid (ClO) freizusetzen. Diese sind noch wirkungsvollere Katalysatoren als NO und NO<SUB>2<\/SUB>. Es findet also in der Stratosph&#228;re ein kontinuierlicher Proze&#223; der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18727'>Dissoziation<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56162'>Rekombination<\/A> von Ozon statt, der sich unter nat&#252;rlichen Bedingungen in einem Gleichgewicht befindet, das der Mensch &#8211; wie bei anderen Spurengasen auch &#8211; beeinflu&#223;t. Dadurch nimmt die mittlere Menge des stratosph&#228;rischen Ozons ab und der kurzwellige Strahlungsinput auf der Erdoberfl&#228;che entsprechend zu. Es bildet sich das <I>Ozonloch<\/I>.<BR><\/BR><STRONG>2)<\/STRONG> Das <I>troposph&#228;rische Ozon<\/I> gelangt in geringen Mengen aus der Stratosph&#228;re in Bodenn&#228;he. Wesentlich bedeutsamer aber sind anthropogen initiierte Prozesse der <I>Ozonbildung<\/I>. Ozon wird nicht direkt emittiert, sondern entsteht durch die Photolyse von NO, NO<SUB>2<\/SUB> und NO<SUB>3<\/SUB> und hat in der Regel keine lange Lebensdauer. Es ist ein Zwischenprodukt des Stickoxidkreislaufs. Aufgrund eines ungepaarten Elektrons sind die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63870'>Stickoxide<\/A> reaktionsbeschleunigende Radikale (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25601'>freie Radikale<\/A>). Es gibt sehr unterschiedliche photochemische Reaktionen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51316'>Photochemie<\/A>) der Stickstoffoxide. F&#252;r die Ozonbildung ist zun&#228;chst NO [Stickstoff(II)-oxid, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63884'>Stickstoffmonoxid<\/A>] entscheidend. Es stammt aus Verbrennungsprozessen oder wird unter Einflu&#223; der Strahlung aus NO<SUB>2<\/SUB> [Stickstoff(II)-Oxid, Stickstoffdioxid] dissoziiert:<BR><\/BR>NO<SUB>2<\/SUB> + <I>h&#957;<\/I> (<I>&#955;<\/I> &#8804; 410 nm) &#8594; NO + O.<BR><\/BR>Die Intensit&#228;t dieses Prozesses ist von der Energieflu&#223;dichte der Strahlung abh&#228;ngig, an strahlungsreichen Tagen also hoch. Aus dem freien Sauerstoffatom und einem Sauerstoffmolek&#252;l bildet sich nun Ozon:<BR><\/BR>O<SUB>2<\/SUB> + O + M &#8594; O<SUB>3<\/SUB> + M.<BR><\/BR>Der nicht-reaktive Partner M ist meist N<SUB>2<\/SUB> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63872'>Stickstoff<\/A>). Das NO wird nun durch 2 Reaktionen oxidiert:<BR><\/BR>2NO + O<SUB>2<\/SUB> &#8594; 2NO<SUB>2<\/SUB><BR><\/BR>NO + O<SUB>3<\/SUB> &#8594; NO<SUB>2<\/SUB> + O<SUB>2<\/SUB>.<BR><\/BR>Die Oxidation des NO durch Ozon l&#228;uft sehr schnell ab. Ohne Sonneneinstrahlung wird das Ozon verbraucht <I>(Ozonabbau):<\/I> daher nimmt nachts die Konzentration ab. Die Koppelung an den NO-NO<SUB>2<\/SUB>-Zyklus erkl&#228;rt, da&#223; man in Reinluftgebieten kaum NO findet, daf&#252;r entsprechend mehr Ozon. Am Rande von Stra&#223;en wird st&#228;ndig NO nachgeliefert, so da&#223; das Ozon umgewandelt wird. Dort findet man kein Ozon, entsprechend mehr NO. Dies ist ein dynamischer Proze&#223;, dessen Einfl&#252;sse zeitlichen und r&#228;umlichen Schwankungen unterliegen &#8211; insbesondere die Einstrahlung und die Stickoxidemission. Die Ozonkonzentration ist eine Restgr&#246;&#223;e aus diesen hier sehr einfach zusammengefa&#223;ten Prozessen. Da Stickoxide auch mit anderen Spurengasen reagieren, z.B. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36603'>Kohlenwasserstoffen<\/A>, ist eine quantitative Bilanzierung sehr aufwendig. In der Summe ergibt sich eine Ozonkonzentration in Abh&#228;ngigkeit von der Verf&#252;gbarkeit der Vorl&#228;ufersubstanzen und meteorologischen Bedingungen, insbesondere der Einstrahlung. An strahlungsreichen Sommertagen nimmt die Ozonkonzentration also in Gebieten abseits der Stickoxidemittenten zu. Die Konzentrationsfelder ergeben sich dann meist aufgrund lokaler und regionaler vertikaler und horizontaler Transportprozesse. In der bodennahen Atmosph&#228;re werden an sonnigen Sommertagen in Deutschland Werte bis etwa 200&#8211;280 &#956;g\/m<SUP>3<\/SUP> Ozon gemessen. Oberhalb bestimmter Konzentrationen (etwa 180 &#956;g\/m<SUP>3<\/SUP> bei empfindlichen Personen [Kleinkinder, Asthmatiker, Herz-Kreislauf-Kranke, Allergiker], etwa 360 &#956;g\/m<SUP>3<\/SUP> f&#252;r normal gesunde Personen) kann Ozon Schleimh&#228;ute reizen und Kurzatmigkeit hervorrufen. In manchen Bundesl&#228;ndern wird deshalb bei &#220;berschreiten einer bestimmten Ozonkonzentration w&#228;hrend einer bestimmten Zeitspanne (z.B. ab 180 &#956;g\/m<SUP>3<\/SUP> Ozon als zweist&#252;ndiger Mittelwert) <I>Ozonalarm<\/I> ausgerufen. &#8211; Als Folge der zunehmenden anthropogenen Luftverschmutzung und entsprechend steigender Emissionen von Stickoxid hat die Ozonbildung in der Troposph&#228;re w&#228;hrend der vergangenen Jahrzehnte zugenommen, und dies hat zu einer Zunahme des mittleren troposph&#228;rischen Ozongehalts &#252;ber Mitteleuropa um nahezu 50% gef&#252;hrt (vgl. Abb. 5). Obwohl infolge der Luftreinhaltema&#223;nahmen die Konzentration der Photooxidantien in den 1990er Jahren wieder zur&#252;ckging, setzt sich der Ozonanstieg fort. Die Ursachen daf&#252;r sind derzeit noch ungekl&#228;rt."}