{"title":"Palanthropologie: Infobox II","body":"<STRONG>Pal&#228;anthropologie<BR><\/BR><BR><\/BR>2:<\/STRONG> <I>Morphologische und neurologische Aspekte der Menschwerdung:<\/I><BR><\/BR>Folgende Merkmale, die im Lauf der Anthropogenese erworben wurden, unterscheiden die Menschen von den Menschenaffen: aufrechter Gang und zahlreiche damit verbundene Modifikationen des Bewegungsapparates (z.B. der Verlust des opponierbaren Gro&#223;zehs); Verlust des Haarkleids; Verlust der Prognathie (Zur&#252;ckweichen des Oberkiefers) und die damit einhergehende Entstehung einer das Gesicht &#252;berragenden Nase und eines Kinns; \"Wanderung\" des Kehlkopfs in eine (relativ zu den Menschenaffen) tiefe Position am Hals, was die Erzeugung sehr differenzierter Sprachlaute (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63007'>Sprache<\/A>) erst erm&#246;glicht. &#8211; Die in der Evolution zum Menschen auftretenden Ver&#228;nderungen werden in der R&#252;ckschau h&#228;ufig als \"Tendenzen\" formuliert. Dabei sollte man beachten, da&#223; die Ver&#228;nderungen nicht bei allen Formen gleicherma&#223;en zu finden sind und daher nicht als lineare oder gar zielgerichtete Entwicklung zu verstehen sind. Die K&#246;rpergr&#246;&#223;e der Hominiden nahm stetig zu, die aufgerichteten erwachsenen Australopithecinen waren nur etwa 1,20 m gro&#223;. Die durchschnittliche Gr&#246;&#223;e des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26946'>Gehirns<\/A> (gemessen als Volumen der H&#246;hlung des Hirnsch&#228;dels, das sog. <I>Endocranialvolumen<\/I>) nahm im Laufe der Anthropogenese von Australopithecinen (450 cm<SUP>3<\/SUP>) &#252;ber die verschiedenen Unterarten des <I>Homo habilis<\/I> (650 cm<SUP>3<\/SUP>) und des <I>Homo erectus<\/I> (1000 cm<SUP>3<\/SUP>) zum <I>Homo sapiens<\/I> st&#228;ndig zu, wobei <I>Homo sapiens neanderthalensis<\/I> (bzw. <I>Homo neanderthalensis<\/I>) das durchschnittlich gr&#246;&#223;te (1450 cm<SUP>3<\/SUP>) Gehirn besa&#223;. Der anatomisch moderne Mensch <I>(Homo sapiens sapiens)<\/I> zeichnet sich durch eine extreme Variationsbreite des Hirnvolumens aus, durchschnittlich liegen die Volumina bei 1250 cm<SUP>3<\/SUP> (Frauen) bzw. 1350 cm<SUP>3<\/SUP> (M&#228;nner). Da der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21125'>Encephalisationsquotient<\/A>, der die Gr&#246;&#223;e des Gehirns relativ zum K&#246;rpergewicht ausdr&#252;ckt, ebenfalls anstieg (von 3,0 bei den Australopithecinen bis zu 7,2 bei <I>Homo sapiens sapiens<\/I> und <I>neanderthalensis<\/I>), ist nur ein geringer Teil dieser Gr&#246;&#223;enzunahme durch die Zunahme der K&#246;rpergr&#246;&#223;e zu erkl&#228;ren. Es mu&#223; also ein betr&#228;chtlicher selektiver Druck auf die Entstehung eines gro&#223;en Gehirns hingewirkt haben. Die Natur dieses Drucks, vor allem zu Beginn der Gr&#246;&#223;enzunahme bei den Australopithecinen (deren Encephalisationsquotient nicht h&#246;her als der der Menschenaffen ist), ist heftig umstritten. Wir wissen, da&#223; bei uns heute lebenden Menschen die untere, \"kritische\" Grenze der Hirngr&#246;&#223;e bei etwa 950 cm<SUP>3<\/SUP> liegt; Tr&#228;ger kleinerer Gehirne haben schwere kognitive Defekte. Ein \"kognitiver Selektionsdruck\" &#8211; zumindest an unseren Ma&#223;st&#228;ben der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36563'>Kognition<\/A> gemessen &#8211; scheidet deshalb als Selektionsfaktor bei der anf&#228;nglichen Gr&#246;&#223;enzunahme des Gehirns aus. Sozial- und Sprachkompetenz sind als m&#246;gliche Selektionsfaktoren ins Feld gef&#252;hrt worden, ebenso ein \"Redundanzargument\" (Tr&#228;ger etwas gr&#246;&#223;erer Gehirne sind beim teilweisen Ausfall einiger Hirnteile weniger betroffen als Tr&#228;ger kleinerer Hirne). Die Hirne der savannenbewohnenden Australopithecinen k&#246;nnten tats&#228;chlich unter gro&#223;em Hitzestre&#223; gestanden haben, so da&#223; eine gewisse neuronale Redundanz von Vorteil gewesen sein mag &#8211; sie l&#228;&#223;t Aktivit&#228;t auch in gro&#223;er Hitze zu. Unumstritten ist, da&#223; die Entwicklung des aufrechten Gangs und die damit verbundene Nutzung der H&#228;nde (bei den Australopithecinen) dem Auftreten eines gro&#223;en Gehirns zeitlich voranging. Die Gr&#246;&#223;enzunahme des Gehirns, die die Anthropogenese durchzieht, ist seit dem Auftreten des <I>Homo sapiens<\/I> zum Stillstand gekommen. M&#246;glicherweise ist es die Enge des weiblichen Geburtskanals, die einer weiteren Vergr&#246;&#223;erung des kindlichen Kopfes entgegensteht.H.Wi."}