{"title":"Palontologie: Infobox I","body":"<STRONG>Pal&#228;ontologie<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>1:<\/STRONG><STRONG>Geschichte der Pal&#228;ontologie:<\/STRONG> Bereits der steinzeitliche Mensch (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63560'>Steinzeit<\/A>) umgab sich nachweislich mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25106'>Fossilien<\/A> als Grabbeigabe, Schmuck- oder Kultgegenst&#228;nde. Schon antike Schriftsteller und Naturforscher wie Ovid und Plinius der &#196;ltere (um 50 n.Chr.) oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6542'>Avicenna<\/A> (um 1000 n.Chr.) sannen &#252;ber die Natur der Fossilien nach. Zuerst als Naturspiele (lusus naturae) oder Figurenspiele (lapides sui generis) gedeutet, erkannte man etwa ab den Anf&#228;ngen des 17. Jahrhunderts nach und nach den wahren Ursprung der Fossilien. Vorher hatte man sie im christlichen Kulturkreis &#8211; von einigen Naturforschern abgesehen &#8211; unter dem Druck der Kirche &#252;berwiegend als Reste der Sintflut abgetan. Auch J.W. von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28813'>Goethe<\/A> unterhielt eine eigene Fossiliensammlung zu Studienzwecken. Die Urspr&#252;nge der Pal&#228;ontologie liegen jedoch haupts&#228;chlich in den Kuriosit&#228;tenkabinetten und Petrefaktensammlungen des 16.&#8211;18. Jahrhunderts. Treibende Kraft war das Bestreben, diese Sammlungen zu ordnen und sie einer theoretischen Gliederung zu unterwerfen. Hier ist das Systema naturae (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65147'>Systematik<\/A>) von C. von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39482'>Linn&#233;<\/A> zu erw&#228;hnen, das noch Mineral-, Pflanzen- und Tierreich umfa&#223;te. Als Begr&#252;nder der modernen Pal&#228;ontologie gilt jedoch G. de <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16113'>Cuvier<\/A> in Frankreich. Etwa gleichzeitig erkannte W. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61918'>Smith<\/A> in England die Brauchbarkeit der Fossilien als stratigraphische Hilfsmittel. Wesentliche Fortschritte in der 2. H&#228;lfte des 18. und in der ersten H&#228;lfte des 19. Jahrhunderts brachten die Arbeiten u.a. von H.M. de Blainville und A.C.V. Dessalines d'<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48044'>Orbigny<\/A> in Frankreich sowie durch J.F. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9478'>Blumenbach<\/A>, L. von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11036'>Buch<\/A> und E.F. von Schlotheim in Deutschland. Die Anf&#228;nge der Mikropal&#228;ontologie sind etwa um 1840 mit den bahnbrechenden Arbeiten von C.G. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20181'>Ehrenberg<\/A> anzusetzen. &#8211; Die Erkenntnisse der Abstammungstheorie von C.R. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16852'>Darwin<\/A> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/277'>Abstammungslehre<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16856'>Darwinismus<\/A>) &#252;bten ebenso einen wesentlichen Einflu&#223; auf die Pal&#228;ontologie aus. So f&#252;hrte die stets zunehmende Zahl rein biologischer Beobachtungen und Fragestellungen abseits der stratigraphischen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27486'>Geologie<\/A> im 1. Drittel des 20. Jahrhunderts zur Etablierung einer eigenst&#228;ndigen <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48918'>Pal&#228;obiologie<\/A><\/I> durch O. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/95'>Abel<\/A>. Wesentliche Impulse erhielt die Wirbeltierpal&#228;ontologie durch die fortschreitende Erschlie&#223;ung <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46731'>Nordamerikas<\/A> in der 2. H&#228;lfte des 19. und im 20. Jahrhundert durch die Entdeckung zahlreicher neuer Wirbeltierlagerst&#228;tten in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64636'>S&#252;damerika<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1344'>Afrika<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5421'>Asien<\/A>, vor allem in der Mongolei und China. Heute ist man bestrebt, aus neuentdeckten oder altbekannten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25108'>Fossillagerst&#228;tten<\/A> mit verbesserten Methoden der Erforschung zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Neben rein taxonomischen und stratigraphischen Fragestellungen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/64160'>Stratigraphie<\/A>) tritt heute auch die m&#246;glichst vollst&#228;ndige Rekonstruktion der fossilen Umwelt in den Vordergrund. Ziel ist, aus katastrophalen Vorg&#228;ngen in der geologischen Vergangenheit (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/41308'>Massensterben<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42528'>Meteorit<\/A>) Vorhersagen f&#252;r die Zukunft des Menschen und der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22132'>Erde<\/A> zu machen. Eine zunehmende Verfeinerung der pal&#228;ontologischen Untersuchungsmethoden wurde im Laufe der Zeit unumg&#228;nglich, wie z.B. die Verwendung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55711'>Rasterelektronenmikroskops<\/A>, der Mikrosonde und der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57476'>R&#246;ntgenstrahlen<\/A>. Bessere Forschungsergebnisse erzielt man ebenso durch vielf&#228;ltige Anwendung chemisch-physikalischer Pr&#228;parationsmethoden wie den Einsatz von Sandstrahlger&#228;ten, Vibrationsmei&#223;eln und Laserstrahlen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38285'>Laser<\/A>). Inzwischen ist organisches <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38516'>Leben<\/A> auch in teils sehr alten Gesteinen selbst noch in Spuren nachzuweisen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43528'>molekulare Arch&#228;ologie<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43532'>molekulare Fossilien<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43540'>molekulare Pal&#228;ontologie<\/A>). Andererseits dringt man heute in immer kleinere Bereiche der Fossilien vor (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42956'>Mikrofossilien<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45216'>Nannofossilien<\/A>). &#8211; Obgleich gerade die Anwendung hochkomplizierter chemisch-physikalischer Methoden in der Pal&#228;ontologie zunehmend eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34280'>interdisziplin&#228;re<\/A> Zusammenarbeit notwendig macht, haben sich vor allem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71908'>Zoologie<\/A> und <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48950'>Pal&#228;ozoologie<\/A><\/I> im 20. Jahrhundert auseinanderentwickelt. Als Folge behandeln zoologische Werke die Pal&#228;ontologie meist nur am Rande oder gar nicht mehr. Pal&#228;ontologisch ausgerichtete Handb&#252;cher und Monographien beziehen zwar h&#228;ufig die rezenten Gruppen mit ein, k&#246;nnen aber die vielf&#228;ltigen Forderungen moderner zoologischer <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65571'>Taxonomie<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21594'>Entwicklungsbiologie<\/A> meist nicht mehr erf&#252;llen; folglich klaffen die taxonomischen Vorstellungen von Pal&#228;ontologen und Zoologen oft weit auseinander . Ursache ist eine mehr weichteilbezogene anatomische und zellphysiologisch-entwicklungsbiologische Betrachtungsweise in der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8664'>Biologie<\/A>, welche die Pal&#228;ontologie aus Gr&#252;nden der Fossilerhaltung nicht erf&#252;llen kann: Sie mu&#223; sich bei der Beschreibung und Einteilung in der Regel auf die erhaltungsf&#228;higen Hartteile und unvollst&#228;ndige Organismen beschr&#228;nken. Als Notl&#246;sung bekommen daher manche Gruppen fossiler Tiere in der Systematik einen taxonomischen Sonderstatus. Die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48920'>Pal&#228;obotanik<\/A><\/I> st&#246;&#223;t im Prinzip auf dieselben Schwierigkeiten. Der Wert der Pal&#228;ontologie besteht trotzdem f&#252;r die Rezentzoologen und -botaniker in der Erstellung von Stammb&#228;umen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63261'>Stammbaum<\/A>) &#252;ber gro&#223;e geologische Zeitr&#228;ume und dem Aufzeigen von heute nicht mehr verwirklichten Baupl&#228;nen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/7628'>Bauplan<\/A>) im Tier- und Pflanzenreich. Diese Stammb&#228;ume wurden und werden heute durch Genetiker (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27262'>Genetik<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43533'>molekulare Genetik<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43547'>molekulare Systematik<\/A>) theoretisch untermauert. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51552'>phylogenetische Systematik<\/A>.W.R."}