{"title":"phototrophe Bakterien: Abbildung IV","body":"<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/bio\/f7f5288.jpg' WIDTH='526' HEIGHT='318'><br>\n<STRONG>phototrophe Bakterien<BR><\/BR><BR><\/BR>Abb. 4:<\/STRONG> <I>Photosyntheseapparat<\/I>, Aufbau eines lichtgetriebenen <I>Protonengradienten<\/I> und <I>ATP-Bildung<\/I> bei anoxygenen Purpurbakterien.<BR><\/BR>Der Photosyntheseapparat der <I>Purpurbakterien<\/I> enth&#228;lt membrangebundene Pigment-Proteinkomplexe (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12331'>Carotinoide<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6875'>Bakteriochlorophylle<\/A> [BChl]), Redoxkomponenten als Elektronen- bzw. Wasserstoff&#252;bertr&#228;ger und den ATP-Synthase-Komplex (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43284'>mitochondrialer Kopplungsfaktor<\/A>). Der gr&#246;&#223;te Teil der photosynthetischen Pigmente, die Antennenpigmente (Carotinoide, B-Bakteriochlorophyll), liegt in den Antennenkomplexen I und II (= LHC I, LHC II [Light Harvesting Complex]. Antennenkomplex I (B870, LHC I) umgibt das photochemische Reaktionszentrum, zus&#228;tzlich wird bei den meisten Purpurbakterien noch ein variabler Antennenkomplex II (B800&#8211;850, LHC II) gebildet, dessen Auspr&#228;gung besonders von der Lichtintensit&#228;t abh&#228;ngt. Das photosynthetische Reaktionszentrum (RZ) enth&#228;lt ein Dimer des Reaktionszentrum-Bakteriochlorophylls (a oder b), ([BChl]<SUB>2,<\/SUB> P870), das auch als &#8222;besonderes Paar&#8220; (engl. &#8222;special pair&#8220;) bezeichnet wird, dazu Proteinuntereinheiten, akzessorisches BChl, Bakterioph&#228;ophytin [Bphe], Chinone [Q] (meist Ubichinon) und ein Eisenatom. &#8211; Die von den Antennenpigmenten absorbierte Lichtenergie wird als Anregungsenergie (Excitonen-&#220;bertrag) an das Reaktionszentrum-(BChl)<SUB>2<\/SUB>-P870 weitergeleitet; dadurch wird P870 in einen angeregten Zustand P870* &#252;berf&#252;hrt und somit in einen starken Elektronendonor umgewandelt. Vor der Anregung betr&#228;gt das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55952'>Redoxpotential<\/A> (<I>E<\/I><SUB>0<\/SUB>&#180;) von P870 +0,5 V, nach der Anregung etwa &#8211;1,0 V, d.h., es weist einen sehr gro&#223;en Gehalt an freier Energie auf. P870* setzt 1 Elektron von hohem (negativem) Reduktionspotential frei, das an eine Serie von Elektronen&#252;bertr&#228;gern weitergegeben wird. Redoxkomponenten im Reaktionszentrum sind BChl, Bphe und 2 Chinone (an der cytoplasmatischen Seite der Membran). Durch die weitere Aufnahme eines Elektrons vom angeregten P870* und die Aufnahme von 2H<SUP>+<\/SUP> von der cytoplasmatischen Seite der Membran wird Chinon reduziert (QH<SUB>2<\/SUB>). Es erfolgt dann ein Austausch mit dem Chinonpool. Anschlie&#223;end fallen die Elektronen &#252;ber eine Reihe von Eisen-Schwefel-Proteinen und Cytochrome auf das P870 zur&#252;ck. Wichtige Elektronentransportkomponenten sind dabei der Cytochrom-bc<SUB>1<\/SUB>-Komplex und das periplasmatische Cytochrom c<SUB>2<\/SUB>, das zum Auff&#252;llen des Elektronenlochs im aktiven Zentrum dient. Da bei diesem Elektronenflu&#223; keine Nettozufuhr und kein Verbrauch an Elektronen stattfindet, liegt ein <I>zyklischer Elektronentransport<\/I> vor, der durch das Licht kontinuierlich angetrieben wird. W&#228;hrend des Abfalls der Elektronen vom P870* auf die Stufe des Cytochroms c<SUB>2<\/SUB>, &#252;ber Elektronen- und Wasserstoff&#252;bertr&#228;ger, werden Protonen aus dem Cytoplasma in die Kette aufgenommen und in den Innenraum (Periplasma) der Vesikel abgegeben, so da&#223; ein Protonengradient &#252;ber der Thylakoidmembran entsteht (&#228;hnlich wie bei der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5859'>Atmungskette<\/A>). Der Protonengradient dient direkt als Energiequelle (z.B. f&#252;r Gei&#223;elbewegung, einige Substrataufnahmen) oder wird zur ATP-Bildung &#252;ber die ATP-Synthase (ATPase-System) genutzt. Dieser ATP-Gewinn wird als <I>zyklische <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51353'>Photophosphorylierung<\/A><\/I> bezeichnet, da er an den zyklisch verlaufenden Elektronentransport (Photosystem II) gekoppelt ist (Gegensatz <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51369'>Photosynthese<\/A> der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16137'>Cyanobakterien<\/A> und gr&#252;nen Pflanzen). &#8211; Die Bildung von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55959'>Reduktions&#228;quivalenten<\/A> [NAD(P)H] zur Reduktion von Kohlendioxid oder anderen oxidierten Kohlenstoffquellen kann aus energetischen Gr&#252;nden bei den Purpurbakterien nicht durch eine Lichtreaktion erfolgen (absorbiertes Licht zu langwellig). Bei diesen phototrophen Bakterien wird NAD(P)H daher anaerob durch einen r&#252;ckl&#228;ufigen Elektronentransport &#252;ber Komponenten der Atmungskette gebildet (wie bei <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46540'>nitrifizierenden Bakterien<\/A>). Licht liefert bei dieser Reduktion nur die notwendige Energie (ATP). Externe Elektronendonoren f&#252;r die Kohlenstoffassimilation sind reduzierte Schwefelverbindungen, Fe<SUP>2+<\/SUP>, H<SUB>2<\/SUB> und zum Teil auch organische Substrate, deren Elektronen &#252;ber Cytochrom c<SUB>2<\/SUB> eingeschleust werden. &#8211; Die gr&#252;nen Bakterien und Heliobakterien (z.B. Gattung <I>Heliobacterium<\/I>), die Licht k&#252;rzerer Wellenl&#228;nge absorbieren, k&#246;nnen dagegen NAD(P)<SUP>+<\/SUP> direkt im Lichtstoffwechsel reduzieren (nichtzyklischer Elektronentransport).<BR><\/BR>AI, AII = Antennenkomplex I und II (Bakteriochlorophyll a, Carotinoide), B800, B850, B870 = Antennen-Bakteriochloropylle, BC1 = Cytochrom-bc<SUB>1<\/SUB>-Komplex, bc<SUB>1<\/SUB> = Cytochrome b und c<SUB>1,<\/SUB> BChl = Bakteriochlorophyll, Bphe = Bakterioph&#228;ophytin, c<SUB>2<\/SUB> = Cytochrom c<SUB>2<\/SUB>, e<SUP>&#8211;<\/SUP> = Elektron, Fe-S = Schwefel-Eisen-Protein, P870 = Reaktionszentrum-Bakteriochlorophyll-a-Dimer, P870* = von Licht angeregtes P870, P<SUB>i<\/SUB> = anorganisches Phosphat, Q = Ubichinon oder Menachinon, QH<SUB>2<\/SUB> = reduziertes Chinon, RZ-Komplex = Reaktionszentrum-Komplex."}