{"title":"Phytochrom-System: Infobox I","body":"<STRONG>Phytochrom-System<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><I>Phytochrome<\/I> bilden eine Gruppe von pflanzlichen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51363'>Photorezeptoren<\/A>, die als <I>Rotlichtrezeptoren<\/I> die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51337'>Photomorphogenese<\/A><\/I>, d.h. die Entwicklungs- und Stoffwechselprozesse in Abh&#228;ngigkeit von Licht, regulieren. So reicht ein einziger, relativ schwacher Lichtblitz aus, um bei einem etiolierten Keimling (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22746'>Etiolement<\/A>) die f&#252;r das Ergr&#252;nen von Pflanzen typischen Prozesse auszul&#246;sen: reduziertes Streckungswachstum, &#214;ffnen des Hypokotylhakens sowie die Synthese von Chlorophyllvorstufen. Die biologische Rolle der Phytochrome wurde in den 1930er Jahren erstmals nachgewiesen, als die Keimung von Samen des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39247'>Lichtkeimers<\/A> Salat in Abh&#228;ngigkeit von hellrotem (650 nm &#8211;680 nm) und dunkelrotem Licht (710 nm &#8211;740 nm) untersucht wurde. Es stellte sich heraus, da&#223; die Keimung durch Hellrot gef&#246;rdert und durch Dunkelrot inhibiert wurde. Im Jahr 1952 folgerten amerikanische Wissenschafter aus ihren experimentellen Daten, da&#223; Phytochrome als 2 ineinander &#252;berf&#252;hrbare Formen existieren m&#252;ssen. Indem sie Salatsamen abwechselnd mit hell- und dunkelrotem Licht bestrahlt hatten, konnten sie zeigen, da&#223; die Keimung immer dann stattfand, wenn die letzte Lichtgabe Rotlicht war. Phytochrome existieren somit als sog. <I>Hellrot-absorbierende Form<\/I> (P<SUB>r<\/SUB>) und <I>Dunkelrot-absorbierende Form<\/I> (P<SUB>fr<\/SUB>, fr = engl. far red), die <I>photoreversible Reaktionen<\/I> hervorrufen k&#246;nnen (vgl. Abb. 1). &#8211; Natives Phytochrom ist ein Homodimer, das aus 2 Polypeptidketten besteht mit einer relativen Molek&#252;lmasse von ca. 250 kDa. Jede der Untereinheiten besteht aus 2 Komponenten, einem <I>Phytochrombilin<\/I> genannten linearen Tetrapyrrol als Chromophor und dem Apoprotein. Beide sind &#252;ber eine Thioesterbr&#252;cke des Proteins miteinander verbunden. Interessanterweise wird das Phytochrombilin in den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52213'>Plastiden<\/A> synthetisiert und gelangt anschlie&#223;end vermutlich passiv in das <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/16596'>Cytosol<\/A>, wo es sich mit dem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4486'>Apoprotein<\/A> zum Holoprotein vereinigt. Phytochrome zeichnen sich durch 2 funktional verschiedene <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18989'>Dom&#228;nen<\/A> aus, die scharnierartig miteinander verbunden sind. In der N-terminalen Dom&#228;ne befindet sich die Chromophor-Bindestelle; sie ist somit f&#252;r die photosensorischen Eigenschaften verantwortlich. Die C-terminale Dom&#228;ne ist als regulatorische Region hingegen f&#252;r die Weiterleitung des Lichtsignals verantwortlich. Die lichtinduzierte <I>Photokonversion<\/I> vom physiologisch inaktiven P<SUB>r<\/SUB> zum physiologisch aktiven P<SUB>fr<\/SUB> erfolgt durch eine cis-trans-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34672'>Isomerisierung<\/A> am Kohlenstoffatom C15, wodurch eine Konformations&#228;nderung im Apoprotein hervorgerufen wird.<BR><\/BR><I>Phytochromeffekte:<\/I> Phytochrome sind in Pflanzen f&#252;r vielf&#228;ltige Reaktionen verantwortlich, die sich in schnelle biochemische bzw. molekularbiologische Prozesse und langsamere physiologische Reaktionen untergliedern lassen. So k&#246;nnen Phytochrome schnell <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/42059'>Membranpotentiale<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34504'>Ionenkan&#228;le<\/A> regulieren und die Produktion von bestimmten Substanzen wie z.B. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3904'>Anthocyanen<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13670'>Chlorophyll<\/A> induzieren. Des weiteren reguliert Phytochrom die Expression zahlreicher Gene. Zu den physiologischen Prozessen z&#228;hlen neben der Samenkeimung die Bildung von Bl&#228;ttern (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9145'>Blatt<\/A>), die Kontrolle der Bl&#252;tenbildung oder die F&#246;rderung des Wachstums. Dabei beeinflu&#223;t die Lichtmenge die Art und Weise des physiologischen Effekts (vgl. Abb. 4). Ein &#228;u&#223;erst geringer Lichtflu&#223; (Fluenzrate) im Bereich von unter 1 &#956;molm<SUP>&#8211;2<\/SUP>s<SUP>&#8211;1<\/SUP> reicht aus, um z.B. bei <I>Arabidopsis thaliana<\/I> die Samenkeimung auszul&#246;sen (<I>VLFR<\/I> = very low fluence response). Phytochrom-induzierte Reaktionen, die Rotlicht bis zu 1000 &#956;molm<SUP>&#8211;2<\/SUP>s<SUP>&#8211;1<\/SUP> ben&#246;tigen, werden als low fluence rate (<I>LFR<\/I>) bezeichnet; sie ist f&#252;r die meisten der klassischen photoreversiblen Phytochrom-Effekte verantwortlich. L&#228;ngere und kontinuierliche Bestrahlung mit hohen Lichtintensit&#228;ten (<I>HIR<\/I> = Hochintensit&#228;tsreaktion) f&#252;hren zu einer Reihe von Photomorphogenese-Reaktionen wie z.B. der Inhibition des Hypokotylwachstums oder der &#214;ffnung des Apikalhakens. Phytochrome erm&#246;glichen es Pflanzen, sich auf sich ver&#228;ndernde Lichtverh&#228;ltnisse einzustellen, da das Verh&#228;ltnis von Hellrot- zu Dunkelrotlicht im Tageslicht und an unterschiedlichen Standorten verschieden ist. So ist volles Sonnenlicht Hellrot-angereichert, wohingegen Standorte unterhalb eines Pflanzendachs durch Dunkelrot-angereichertes Licht gekennzeichnet sind.<BR><\/BR><I>Molekularbiologie der Phytochrom-Effekte:<\/I> Die Untersuchung von Phytochromen ergab, da&#223; bei <I>Arabidopsis thaliana<\/I> eine aus 5 Genen bestehende Genfamilie vorhanden ist, welche die Gene <I>PHYA<\/I>, <I>PHYB<\/I>, <I>PHYC<\/I>, <I>PHYD<\/I> und <I>PHYE<\/I> unfa&#223;t. Ihre Funktion konnte durch die Analyse von Phytochrom<I>-<\/I>Mutanten genauer untersucht werden. Zu ihnen z&#228;hlen die sog. <I>hy<\/I>-Mutanten von <I>Arabidopsis thaliana<\/I>, die sich durch das Vorhandensein eines langen Hypokotyls in Anwesenheit von Licht auszeichnen, weil einige von ihnen einen Defekt in der Chromophorbiosynthese aufweisen. Dabei stellte sich heraus, da&#223; <I>PHYA<\/I> und <I>PHYB<\/I> unterschiedliche Funktionen haben, die sich zueinander antagonistisch verhalten. Die <I>De-Etiolierung<\/I> h&#228;ngt von den durch den Anteil an Rot- und Dunkelrotlicht kontrollierten Mengenverh&#228;ltnissen von Phytochrom A und Phytochrom B ab (vgl. Abb. 5). Phytochrome sind an der Regulation der Genexpression zahlreicher im Nucleus codierter <I>lichtregulierter Gene<\/I> beteiligt, die in ihren Promotoren bestimmte konservierte Sequenzmotive (z.B. sog. GT-1-Regionen, I-Boxen oder G-Boxen) aufweisen. Zu den ersten Genen, deren Expression mit Phytochromen in Verbindung gebracht wurde, waren die an der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51369'>Photosynthese<\/A> beteiligten Gene der Chlorophyll a\/b-bindenden Proteine und der kleinen Untereinheit des Enzyms Ribulose-1,5-bisphosphat-Carboxylase\/Oxygenase (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56986'>Ribulose-1,5-diphosphat-Carboxylase<\/A>). Auch die Expression von <I>PHYA<\/I> ist lichtreguliert, und zwar negativ. (Diese sog. <I>Autoregulation<\/I> bedeutet also, da&#223; nach Aktivierung des Photorezeptors die Synthese dieses Photorezeptors heruntergeschaltet wird.) An der Umsetzung des durch Phytochrom wahrgenommenen Lichts sind zahlreiche Faktoren beteiligt: So wurden als <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/60823'>sekund&#228;re Boten<\/A> <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/29085'>G-Proteine<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13023'>cGMP<\/A> sowie das Calcium\/Calmodulin-System (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11611'>Calcium<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11751'>Calmodulin<\/A>) nachgewiesen. Eine Reihe von weiteren Proteinen (DET, COP), deren Mutation zu einer ver&#228;nderten Photomorphogenese f&#252;hrt, ist ebenfalls an der Phytochrom-Signaltransduktionskette beteiligt. Bei diesen Mutanten ist die typische Etiolierung (also die Dunkelentwicklung mit langen Hypokotylen, kleinen Bl&#228;ttern und fehlender Pigmentierung) gest&#246;rt. Daraus folgt, da&#223; die Dunkelentwicklung durch Phytochrome aktiv ausgeschaltet wird. Interessanterweise sind Phytochrome auf molekularer Ebene auch am <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/51347'>Photoperiodismus<\/A><\/I> beteiligt, indem sie z.B. die Synchronisation der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34145'>inneren Uhr<\/A> bewirken. Deshalb wirken sich Mutationen einzelner Phytochrom-Gene auch auf die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9471'>Bl&#252;hinduktion<\/A><\/I> aus. Die <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9559'>Bl&#252;tenbildung<\/A><\/I> wird dabei in unterschiedlicher Weise durch Rot bzw. Dunkelrot kontrolliert &#8211; je nachdem, ob es sich um Kurztag- oder Langtagpflanzen handelt."}