{"title":"Pleistozn: Infobox I","body":"<STRONG>Pleistoz&#228;n<BR><\/BR><BR><\/BR>Die Lebewelt des Pleistoz&#228;ns<\/STRONG><BR><\/BR>war der heutigen bereits sehr &#228;hnlich. Seit dem Beginn des relativ kurzen Pleistoz&#228;ns blieben viele Organismen-Gruppen fast oder g&#228;nzlich unver&#228;ndert.<BR><\/BR><BR><\/BR><I>Pflanzen<\/I><BR><\/BR>Die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/50676'>Pflanzengesellschaften<\/A> hat der mehrfache Wechsel von Kalt- und Warmzeiten im transalpinen Europa betr&#228;chtlich verarmt, weil sie durch die Ost-West-gerichteten Faltengebirge gehindert waren, sich ihm zu entziehen. Glazial unbeeinflu&#223;te Gebiete konnten dagegen ihren terti&#228;ren Floren-Charakter bewahren. Mit den Klimazonen verschoben sich auch die nun sch&#228;rfer ausgepr&#228;gten Vegetationsg&#252;rtel. W&#228;hrend der (letzten) Kaltzeiten bestand in Mitteleuropa baumlose Tundra, der sich nach S&#252;den die Region der W&#228;lder anschlo&#223;; Warmzeiten bewirkten entsprechend Verschiebung der G&#252;rtel nach Norden. Zu den <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/5046'>arktisch-alpinen<\/A> Pflanzengesellschaften der Tundra geh&#246;rten u.a. die buschf&#246;rmig wachsende Polar-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70467'>Weide<\/A> <I>(Salix polaris)<\/I> und die Zwerg-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8897'>Birke<\/A> <I>(Betula nana)<\/I>, ferner die Kleinbl&#228;ttrige Silberwurz <I>(Dryas octopetala)<\/I>, nach der diese Gesellschaft &#8222;Dryasflora&#8220; genannt wird (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19545'>Dryaszeit<\/A>). Den subarktischen Bereich charakterisierten Moor-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8897'>Birke<\/A> <I>(Betula pubescens)<\/I> und Wald-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/36003'>Kiefer<\/A> <I>(Pinus sylvestris)<\/I>. Mit zunehmenden Temperaturen fanden sich u.a. die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/30231'>Hainbuche<\/A>, danach <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20207'>Eiche<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/68367'>Ulme<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39443'>Linde<\/A>, Ahorn (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1628'>Ahorngew&#228;chse<\/A>), <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/30807'>Haselnu&#223;<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22346'>Erle<\/A> ein. Der Gegenwart hat das Pleistoz&#228;n zahlreiche Disjunktionen von Pflanzengesellschaften hinterlassen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4902'>Arealaufspaltung<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20557'>Eiszeitrelikte<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28232'>Glazialflora<\/A>).<BR><\/BR><BR><\/BR><I>Tiere<\/I><BR><\/BR>Kennzeichnend f&#252;r das Pleistoz&#228;n ist das Vordringen arktischer Arten bis in den Mittelmeerraum in Kaltzeiten und von tropisch-subtropischen Tieren weit nach Norden w&#228;hrend der Warmzeiten. In der Tierwelt spielten S&#228;ugetiere die bestimmende Rolle, vor allem Nager, Raub-, R&#252;ssel- und Huftiere und neben ihnen der pr&#228;historische Mensch (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48849'>Pal&#228;anthropologie<\/A>). &#8211; Die Hinterlassenschaft an <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38780'>Lemmingen<\/A> <I>(Lemmus)<\/I>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/71021'>W&#252;hlm&#228;usen<\/A> <I>(Microtinae)<\/I> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44373'>Murmeltieren<\/A> <I>(Marmota)<\/I> lieferte gute Leitfossilien. Unter den Carnivoren geh&#246;rt der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32190'>H&#246;hlenb&#228;r<\/A> <I>(Ursus spelaeus)<\/I> zu den bekanntesten und bestbelegten ausgestorbenen S&#228;ugern &#252;berhaupt; er starb ebenso wie der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32196'>H&#246;hlenl&#246;we<\/A> <I>(Panthera leo spelaea)<\/I> und die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32194'>H&#246;hlenhy&#228;ne<\/A> <I>(Crocuta crocuta spelaea<\/I>, fr&#252;her <I>Hyaena spelaea)<\/I> im Pleistoz&#228;n aus, w&#228;hrend der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70937'>Wolf<\/A> <I>(Canis lupus)<\/I> &#252;berlebte. W&#228;rmegewohnte Nachz&#252;gler aus dem Terti&#228;r wie <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20711'>Elefanten<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/45337'>Nash&#246;rner<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25422'>Flu&#223;pferde<\/A> haben im eiszeitbestimmten Teil Europas erstaunlich lange ausgehalten. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40949'>Mammute<\/A>, ausgehend vom &#228;ltestpleistoz&#228;nen <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/40951'>Mammuthus<\/A> meridionalis<\/I>, erreichten &#252;ber <I>Mammuthus trogontherii<\/I> in <I>Mammuthus primigenius<\/I> perfekte K&#228;lteanpassung. Der Waldelefant <I>(<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48884'>Palaeoloxodon<\/A> antiquus<\/I>, fr&#252;her <I>Elephas antiquus)<\/I> fand sich nur in den Warmzeiten in Mitteleuropa ein, um sich dann wieder nach S&#252;deuropa zur&#252;ckzuziehen. Verzwergte Nachkommen &#252;berlebten deshalb bis ins Holoz&#228;n (Insel Tilos [Griechenland]). Von den 5 Nashorn-Arten (<I>Dicerorhinus etruscus, &#8222;Dicerorhinus mercki&#8220;<\/I>, <I>Dicerorhinus kirchbergensis, Dicerorhinus hemitoechus<\/I> und <I>Coelodonta antiquitatis<\/I>) &#252;berlebten die 3 letztgenannten noch bis ins Jung-Pleistoz&#228;n, <I>Coelodonta antiquitatis<\/I> unter vollkommener K&#228;lteanpassung. Das Flu&#223;pferd <I>(Hippopotamus antiquus)<\/I> breitete sich im Alt-Pleistoz&#228;n ostw&#228;rts bis nach Th&#252;ringen und nordwestlich bis nach England aus, wo es noch in der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/15773'>Cromerwarmzeit<\/A> nachgewiesen werden konnte. Zeugen kalten Klimas in Mitteleuropa waren <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/44111'>Moschusochse<\/A> <I>(Ovibos moschatus)<\/I> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56254'>Rentier<\/A> <I>(Rangifer tarandus)<\/I>. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/57639'>Rothirsch<\/A> <I>(Cervus elaphus)<\/I> und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6025'>Auerochse<\/A> <I>(Bos primigenius)<\/I> waren Waldbewohner, der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8969'>Bison<\/A> <I>(Bison bison)<\/I> gilt artspezifisch als Bewohner von Wald oder Steppe. &#8211; Neuere Untersuchungen haben gezeigt, da&#223; entgegen dem Anschein Warmzeit-Faunen im Pleistoz&#228;n nicht verarmt sind. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6266'>Aussterben<\/A>, evolutive Umwandlung und Zuwanderung f&#252;hrten jedoch zu einer Modernisierung. Der Bestand von 87 S&#228;ugetierarten in der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65635'>Tegelenwarmzeit<\/A> stieg kontinuierlich bis auf 141 Arten im <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20131'>Eem-Interglazial<\/A> an. Den Zuwachs brachten vor allem Nager und Flederm&#228;use. Das n&#246;rdliche Mittelmeergebiet diente den Warmzeit-Faunen als Refugium (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20556'>Eiszeitrefugien<\/A>). <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28231'>Glazialfauna<\/A>."}