{"title":"Amusie: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Amusie<\/STRONG>\n<P><I>Fallbeispiele:<\/I><BR><\/BR>Der bekannteste Fall von Amusie in der Musikgeschichte ist der Komponist Maurice Ravel (1875-1937). Mit 58 Jahren zerst&#246;rte eine L&#228;sion die linke <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5010'>Gro&#223;hirnrinde<\/A> an der Stelle, an der Schl&#228;fenlappen und Scheitellappen zusammentreffen. Ravel litt danach an einer Wernicke-<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/780'>Aphasie<\/A> und <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/380'>Alexie<\/A> und konnte au&#223;erdem keine Kompositionen mehr anfertigen, d.h. zu Papier bringen, obwohl er im Kopf weiterkomponierte: Die Musik war in seinem Kopf gleichsam eingesperrt. Er konnte nur wenige Takte davon singen oder spielen, was aber nicht an einer eingeschr&#228;nkten Motorik lag, denn Ravel vermochte nach wie vor alle Tonleitern zu spielen. Auch war sein Ged&#228;chtnis intakt und er bemerkte weiterhin jeden Fehler, wenn ihm seine fr&#252;heren Kompositionen vorgespielt wurden. <BR><\/BR>Ein weiteres Fallbeispiel: Ein 40j&#228;hriger rechtsh&#228;ndiger professioneller Geiger mit einer leichten Wernicke-Aphasie und einer rechtseitigen <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/5301'>Hemiparese<\/A> nach einem <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/11404'>Schlaganfall<\/A> konnte zwar den Bogen nicht mehr verwenden, mit der linken Hand aber korrekt alle Griffe auf den Saiten ausf&#252;hren. Melodien vermochte er wiederzuerkennen, wenn sie gesungen wurden, nicht aber, wenn er sie auf dem Klavier h&#246;rte, obwohl er sie auf der Violine nachgreifen konnte. Sein <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/40'>absolutes Geh&#246;r<\/A> hatte er auch verloren.<\/P>"}