{"title":"RNA-Tumorviren: Abbildung I","body":"<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/bio\/f8f5803.jpg' WIDTH='278' HEIGHT='372'><br>\n<STRONG>RNA-Tumorviren<BR><\/BR><BR><\/BR>Abb. 1:<\/STRONG> Genomstruktur und Replikation von RNA-Tumorviren. Die Genom-RNA eines nicht-defekten, replikationskompetenten RNA-Tumorvirus enth&#228;lt die Gene <I>gag<\/I>, <I>pro<\/I>, <I>pol<\/I>, <I>env<\/I> <STRONG>(A).<\/STRONG> Das Gen <I>gag<\/I> (von gruppenspezifisches Antigen) codiert f&#252;r die Proteine des Viruscapsids MA (Matrix), CA (Capsid) und NC (Nucleocapsid); die gag-Hauptproteine der S&#228;uger-RNA-Tumorviren besitzen gemeinsame antigene Determinanten (Name!). Das Gen <I>pro<\/I> codiert f&#252;r eine Protease (PR), das Gen <I>pol<\/I> f&#252;r die RNA-abh&#228;ngige DNA-Polymerase (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56508'>reverse Transkriptase<\/A>, RT) und eine Integrase (IN), die Bestandteile des Ribonucleoproteins im Virus-Core sind. Das Gen <I>env<\/I> codiert f&#252;r Glykoproteine SU (rezeptorbindendes Protein) und TM (Transmembranprotein) der Lipoproteinh&#252;lle (envelope) des Virions. Die Genom-Enden werden gebildet von einer Sequenz R (repeat, 30&#8211;70 Nucleotide), die sowohl am 5'- als auch am 3'-Ende vorkommt, sowie den jeweils nur am 5'- bzw. am 3'-Ende vorhandenen Sequenzabschnitten U5 (80&#8211;120 Nucleotide) und U3 (200&#8211;1200 Nucleotide) (U von unique sequence). Nach Infektion einer Wirtszelle wird durch die reverse Transkriptase die einzelstr&#228;ngige Genom-RNA in einer komplexen Folge von Reaktionsschritten in eine lineare, doppelstr&#228;ngige DNA umgeschrieben <STRONG>(B).<\/STRONG> Die DNA-Synthese findet im Cytoplasma statt. Als primer f&#252;r den Reaktionsbeginn dient eine tRNA, die an einer spezifischen tRNA-Bindestelle in der N&#228;he von U5 &#252;ber Wasserstoffbr&#252;cken mit der Genom-RNA verbunden ist. Bei der <I>reversen Transkription<\/I> entstehen an beiden Enden der DNA die aus U3-R-U5 aufgebauten LTR-Sequenzen (LTR = long terminal repeat; je nach Virus ca. 300&#8211;1400 Basenpaare), die in der Virus-RNA nicht vorhanden sind. Nach Transport in den Zellkern wird die Virus-DNA in das Genom der Wirtszelle integriert <STRONG>(D;<\/STRONG> die integrierte DNA wird als Provirus bezeichnet); es kommt au&#223;erdem zur Bildung freier, zirkul&#228;rer DNA-Molek&#252;le, die 1 oder 2 LTR-Elemente enthalten <STRONG>(C).<\/STRONG> Die <I>Integration<\/I> der Provirus-DNA kann in beliebige Stellen des Wirtsgenoms erfolgen und f&#252;hrt am Integrationsort zur Verdopplung von 4&#8211;6 Nucleotiden der Wirts-DNA (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67318'>Transposition<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67311'>transponierbare Elemente<\/A>). Eine infizierte Zelle enth&#228;lt meist mehrere integrierte Provirus-DNAs, die als Bestandteile des Zellgenoms vermehrt und bei der Zellteilung an die Tochterzellen weitergegeben werden. Von der Provirus-DNA werden durch die zellul&#228;re RNA-Polymerase II virale RNAs transkribiert <STRONG>(E)<\/STRONG>, die entweder als Genom-RNAs in Viruspartikel verpackt und ausgeschleust werden oder als mRNAs zur Synthese der viralen Proteine dienen <STRONG>(F, G).<\/STRONG> Die prim&#228;ren Translationsprodukte sind stets Polyproteine, aus denen durch proteolytische Spaltung die reifen Proteine entstehen. Die Gene <I>gag<\/I>, <I>pro<\/I> und <I>pol<\/I> bilden zusammen eine Translationseinheit zur Synthese der Polyproteine gag und\/oder gag-pro und gag-pro-pol. Synthese des gag-pro-pol-Polyproteins ist jedoch nur durch eine Rasterverschiebung oder Terminatorcodon-Suppression w&#228;hrend der Translation m&#246;glich. &#220;ber diesen Mechanismus werden die Mengenverh&#228;ltnisse der gag- und pol-Proteine reguliert. Die LTR-Sequenzen enthalten Signalelemente f&#252;r die <I>Transkription<\/I> und deren Regulation (Promotor, enhancer, Polyadenylierungssignal, Erkennungsstellen f&#252;r Steroidhormon-Rezeptor bei MMTV bzw. f&#252;r viruseigene trans-aktivierende Proteine bei den menschlichen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/66832'>T-lymphotropen Viren<\/A> und BLV)."}