{"title":"Sequenzierung: Infobox I","body":"<STRONG>Sequenzierung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>I.<\/STRONG> <STRONG>DNA-Sequenzierung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Die Sequenzierung von <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17575'>Desoxyribonucleins&#228;uren<\/A><\/I>, heute eine der am meisten angewandten molekularbiologischen Methoden, hat seit Einf&#252;hrung der beiden grundlegenden Verfahren durch A. Maxam und W. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28060'>Gilbert<\/A> (basenspezifischer Abbau; <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/41495'>Maxam-Gilbert-Methode<\/A><\/I>) bzw. F. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/58480'>Sanger<\/A> (basenspezifischer Kettenabbruch durch Didesoxynucleotide; <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/58483'>Sanger-Verfahren<\/A><\/I>) gegen Ende der 1970er Jahre bedeutende Weiterentwicklungen erfahren. Diese beruhen vor allem auf Automatisierung einzelner Arbeitsschritte, alternativen Markierungs- und Detektionsmethoden sowie der PCR-Technik (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52909'>Polymerase-Kettenreaktion<\/A>).<BR><\/BR><BR><\/BR>1. <I>Fluoreszenz<\/I>-<I>Sequenzierung<\/I><BR><\/BR><BR><\/BR>Bei dieser modifizierten Didesoxymethode werden zur <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/41220'>Markierung<\/A> von DNA-Fragmenten (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/21170'>Endmarkierung von DNA-Fragmenten<\/A>) anstelle radioaktiver <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34728'>Isotope<\/A> Fluoreszenzfarbstoffe (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25350'>Fluoreszenz<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/25373'>Fluorochrome<\/A>) verwendet. Diese sind kovalent an den verwendeten Sequenzierungs-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53681'>primer<\/A> gebunden. Alternativ k&#246;nnen jedoch auch fluoreszenzmarkierte Desoxynucleotide zur Kettenverl&#228;ngerung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20903'>Elongation<\/A>) oder fluoreszenzmarkierte Didesoxynucleotide zum Kettenabbruch (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65880'>Termination<\/A>) eingesetzt werden. Mit Hilfe eines sog. <I>Laser<\/I>-<I>Fluoreszenz<\/I>-<I>DNA<\/I>-<I>Sequenators<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18865'>DNA-Sequenzer<\/A>; vgl. Abb. 3) werden die Farbstoffe im Verlauf der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20803'>Elektrophorese<\/A> an einer definierten Position im Sequenzgel bzw. an den zur Auftrennung der Terminationsprodukte verwendeten Kapillaren durch das Licht eines Laserstrahls (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/38285'>Laser<\/A>) angeregt (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3802'>Anregung<\/A>) und das emittierte Fluoreszenzlicht durch spezielle Detektoren registriert. Die sequenzspezifischen Signale werden an einen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/15018'>Computer<\/A> weitergeleitet, verrechnet und nahezu gleichzeitig (&#8222;on-line&#8220;) am Monitor graphisch dargestellt bzw. auf einem Datentr&#228;ger gespeichert. Zusammen mit der graphischen Darstellung wird vom Rechner auch direkt die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/46965'>Nucleotidsequenz<\/A> im Datenbank-kompatiblen Format angegeben. Der Vorteil dieser Methode liegt neben dem Verzicht auf radioaktive Isotope vor allem darin, da&#223; die bei konventioneller Sequenzierung notwendige <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6443'>Autoradiographie<\/A> sowie die manuelle Auswertung des Films entfallen. Die Sequenzdaten k&#246;nnen bereits w&#228;hrend der gelelektrophoretischen Auftrennung (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27114'>Gelelektrophorese<\/A>) registriert werden.<BR><\/BR><BR><\/BR>2. <I>Multiplex<\/I>-<I>Sequenzierung<\/I><BR><\/BR><BR><\/BR>Diese Methode erm&#246;glicht die gleichzeitige Sequenzierung von bis zu 50 verschiedenen DNA-Fragmenten. Jedes dieser Fragmente wird zuvor in einen unterschiedlichen Plasmid-Vektor einkloniert. Die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69137'>Vektoren<\/A> unterscheiden sich dadurch, da&#223; sie flankierend zur Klonierungsstelle vektorspezifische Oligonucleotidsequenzen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/47616'>Oligonucleotide<\/A>) aufweisen. Die zu sequenzierenden Fragmente werden mit geeigneten <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56404'>Restriktionsenzymen<\/A> einschlie&#223;lich der nun fragmentspezifischen Oligonucleotidsequenzen aus den Vektoren ausgeschnitten und im Gemisch nach dem Prinzip der chemischen Methode sequenziert. Die entstehenden Spaltprodukte werden gelelektrophoretisch aufgetrennt und auf einen Membranfilter &#252;bertragen (geblottet; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9462'>blotting-Techniken<\/A>). Die Sequenz eines Fragments kann nach <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/32983'>Hybridisierung<\/A> mit einer markierten Oligonucleotid-Sonde, deren Sequenz komplement&#228;r zu dem fragmentspezifischen DNA-Bereich ist, dargestellt werden. Nach Abwaschen der Sonde und Hybridisierung mit einer weiteren, f&#252;r ein anderes DNA-Fragment spezifischen Sonde k&#246;nnen nach und nach anhand der gleichen Membran alle weiteren Sequenzen sichtbar gemacht werden. Die Methode bietet den Vorteil, da&#223; die basenspezifischen Spaltreaktionen und die anschlie&#223;ende gelelektrophoretische Auftrennung nur ein einziges Mal f&#252;r bis zu 50 zu sequenzierende DNA-Fragmente durchgef&#252;hrt werden m&#252;ssen.<BR><\/BR><BR><\/BR>3. <I>Zyklische Sequenzierung<\/I><BR><\/BR><BR><\/BR>Die zyklische Sequenzierung stellt eine Kombination der Didesoxymethode und der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52909'>Polymerase-Kettenreaktion<\/A> (PCR) dar. 4 verschiedene Reaktionsans&#228;tze, die neben der zu sequenzierenden DNA, einem f&#252;r diese Sequenz spezifischen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/53681'>primer<\/A>, Desoxynucleosidtriphosphaten und einer thermostabilen <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/18851'>DNA-Polymerase<\/A> je eines der 4 Didesoxynucleosidtriphosphate (ddATP, ddCTP, ddGTP, ddTTP; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17578'>Desoxyribonucleoside<\/A>) in geeigneter Konzentration enthalten, werden &#228;hnlich der PCR-Reaktion einer Folge automatisierter Denaturierungs-, Hybridisierungs- und Polymerisationsschritte unterworfen. Nach ca. 50 Zyklen werden die Reaktionen gestoppt und die in den Reaktionsans&#228;tzen enthaltenen sequenzspezifischen DNA-Fragmente gelelektrophoretisch aufgetrennt. Zur Markierung k&#246;nnen fluoreszierende primer eingesetzt werden. Werden mit 4 unterschiedlichen Fluoreszenzfarbstoffen gekoppelte Didesoxynucleosidtriphosphate verwendet, k&#246;nnen alle 4 Terminationsreaktionen in einem Ansatz durchgef&#252;hrt werden. Die Sequenzen k&#246;nnen dann mit Hilfe eines DNA-Sequenzers ausgewertet werden.<BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>II. RNA-Sequenzierung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Die haupts&#228;chlich angewandte Methode zur Sequenzierung von <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56954'>Ribonucleins&#228;uren<\/A><\/I> gleicht in ihrem Prinzip in etwa der chemischen Methode zur Ermittlung von DNA-Sequenzen. Durch basenspezifische chemische Spaltung radioaktiv markierter RNA-Molek&#252;le werden verschiedene Sets an RNA-Fragmenten erzeugt, die in hochaufl&#246;senden <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/52782'>Polyacrylamidgelen<\/A> aufgetrennt und durch anschlie&#223;ende Autoradiographie sichtbar gemacht werden k&#246;nnen. Heute werden zur sequenzspezifischen Fragmentierung von RNA-Molek&#252;len meist basenspezifisch spaltende <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56953'>Ribonucleasen<\/A> eingesetzt. Nach <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56509'>reverser Transkription<\/A> von RNA und anschlie&#223;ender Sequenzierung der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/12603'>cDNA<\/A> ist es auch auf indirektem Wege m&#246;glich, zu Sequenzdaten von RNA-Molek&#252;len zu gelangen.<BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>III. Protein-Sequenzierung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Die Sequenzierung von <I>Proteinen<\/I> wird heute automatisiert mittels sog. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54166'><I>Protein<\/I>-<I>Sequenatoren<\/I><\/A> nach dem Prinzip des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20113'>Edmanschen Abbaus<\/A> durchgef&#252;hrt (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/54137'>Proteine<\/A>). Neben Fl&#252;ssigphasen-Sequenatoren werden auch <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/26659'>Gasphasen-Sequenatoren<\/A> eingesetzt. Letztere ben&#246;tigen lediglich 20&#8211;100 Picomol Protein f&#252;r eine Sequenzaufl&#246;sung von bis zu 50 Aminos&#228;uren. Mittels <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/41307'>Massenspektrometrie<\/A> k&#246;nnen heute sogar Proteinmengen im Bereich von 1 Picomol mit einer Aufl&#246;sung von etwa 20&#8211;30 Aminos&#228;uren analysiert werden.<BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>Genom-Sequenzierung<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>&#8222;Even the smallest functional DNA varieties seen, those occurring in certain small phages, must contain something like 5000 nucleotides in a row. We may, therefore, leave the task of reading the complete sequence of a DNA to the 21st century which will, however, have other worries.&#8220; (E. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/13201'>Chargaff<\/A>, 1968).<BR><\/BR>Dieses Zitat zeigt, wie skeptisch man noch Ende der 1960er Jahre der M&#246;glichkeit, ganze <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27365'>Genome<\/A><\/I> sequenzieren zu k&#246;nnen, gegen&#252;berstand. Keine 10 Jahre sp&#228;ter konnte die Sequenz eines Phagengenoms (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6895'>Bakteriophage<\/A> &#934;X174) mit &#252;ber 5000 Nucleotiden L&#228;nge ver&#246;ffentlicht werden (vgl. Tab.). Vor allem die Entwicklung der Didesoxymethode durch F. Sanger sowie der chemischen Sequenzierungsmethode durch A. Maxam und W. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/28060'>Gilbert<\/A> gegen Ende der 1970er Jahre erm&#246;glichte es, da&#223; auch weitaus gr&#246;&#223;ere Genome sequenziert werden konnten. Bis Ende 2002 wurden &#252;ber 28 Milliarden Nucleotide sequenziert und in <I>Datenbanken<\/I>, wie z.B. der EMBL-Datenbank (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20972'>EMBO<\/A>) in Europa, der DDBJ-Datenbank in Japan und der NCBI-GenBank in den USA, gespeichert. Ende 1992 waren es noch ca. 120 Millionen, Ende 1982 ca. 680.000 Nucleotide. Bis Ende 2002 waren die vollst&#228;ndigen Genomsequenzen von &#252;ber 1000 Viren, &#252;ber 100 Bakterien sowie mehrerer einzelliger und mehrzelliger Eukaryoten ermittelt, darunter die der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/43448'>Modellorganismen<\/A> <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/22571'>Escherichia coli<\/A><\/I> (1997), <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/11531'>Caenorhabditis elegans<\/A><\/I> (1998), <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19494'>Drosophila melanogaster<\/A><\/I> (2000), <I>Arabidopsis thaliana<\/I> (Acker-<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/59612'>Schmalwand<\/A>; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/4632'>Arabidopsis-Genom-Projekt<\/A>; 2000) und der Hausmaus (<I>Mus musculus;<\/I> 2002) (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27380'>Genomprojekt<\/A> [Tab.]). Die in den gro&#223;en Datenbanken (EMBL, DDBJ und GenBank; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8642'>Bioinformatik<\/A>) gesammelten Sequenzen sind &#252;ber Datennetze weltweit in den einzelnen Forschungseinrichtungen abrufbar und stehen der Wissenschaftswelt f&#252;r weitere Analysen frei zur Verf&#252;gung. Neu erhaltene Sequenzen k&#246;nnen z.B. durch ein sog. <I><A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61121'>Sequenz-alignment<\/A><\/I> (die optimale Ausrichtung einzelner Sequenzen zueinander, bis maximale &#220;bereinstimmung erreicht ist, wobei <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/17174'>Deletionen<\/A> bzw. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/34215'>Insertionen<\/A> erlaubt sind) mit in den Datenbanken bereits gespeicherten Sequenzen nach &#220;bereinstimmungen untersucht werden. Auf diese Weise k&#246;nnen z.B. Aussagen &#252;ber stammesgeschichtlich und\/oder funktionell verwandtschaftliche Beziehungen einzelner Sequenzen zueinander gewonnen werden (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/61132'>Sequenzstammbaum<\/A>).R.M."}