{"title":"Tiergesellschaft: Infobox II","body":"<STRONG>Tiergesellschaft<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>2:<\/STRONG> Die <I>individualisierte Gruppe<\/I> ist die h&#246;chstentwickelte und anpassungsf&#228;higste Tiergesellschaft unter den Soziet&#228;ten der S&#228;ugetiere. In ihrer Komplexit&#228;t kann sie nur mit den v&#246;llig anders organisierten Insekten-<I>Staaten<\/I> (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63165'>staatenbildende Insekten<\/A>) verglichen werden. W&#228;hrend diese aber das Individuum dem &#8222;Staatsorganismus&#8220; anpassen und durch stereotype (wenn auch arbeitsteilige) Verhaltensweisen funktionieren, funktioniert ein <I>Hirsch-<\/I> oder ein <I>L&#246;wenrudel<\/I> durch die Anpassungsf&#228;higkeit der Individuen selbst, die ihr sehr umfangreiches Repertoire an sozialen Verhaltensweisen der jeweiligen &#228;u&#223;eren und inneren Situation anpassen k&#246;nnen. Man kann ohne &#220;bertreibung sagen, da&#223; die Individuen je nach Alter, Geschlecht, Rang und anderen Umst&#228;nden verschiedene &#8222;Rollen&#8220; &#252;bernehmen, deren Zusammenspiel die Gruppe funktionsf&#228;hig macht. Dabei h&#228;ngen die Strukturen von den zu erf&#252;llenden Aufgaben ab: Bei den L&#246;wen verteidigen vor allem die M&#228;nnchen das gro&#223;e Territorium (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56517'>Revier<\/A>) gegen benachbarte Gruppen und gegen wandernde fremde M&#228;nnchen, die Weibchen vertreiben nur fremde Weibchen, aber sie leisten die Hauptarbeit bei der Jagd. Sie sind untereinander verwandt, w&#228;hrend die M&#228;nnchen zwar miteinander, aber nicht mit den Weibchen verwandt und meist zugewandert sind und auch wieder von st&#228;rkeren anderen M&#228;nnchen verdr&#228;ngt werden k&#246;nnen. Bei den Hirschen leben die (relativ best&#228;ndigen) Weibchenrudel und die (eher lockeren) M&#228;nnchengruppen meist getrennt. Die Mitglieder der Gruppen profitieren voneinander, da erfahrene Tiere die anderen zur Nahrung, zu Deckung und anderen Ressourcen f&#252;hren, und bei der Feindvermeidung. Die Zusammenarbeit ist jedoch weit weniger differenziert als in einem L&#246;wenrudel. Die M&#228;nnchen versuchen nur in der Brunftzeit, ein Rudel Weibchen zu verteidigen, und bewachen diese nicht nur gegen andere M&#228;nnchen, sondern hindern sie auch am Sich-Entfernen. Die grunds&#228;tzlichen Strukturen von L&#246;wen- und Hirschgruppen sind also nicht un&#228;hnlich, aber sie sind den jeweiligen Lebensnotwendigkeiten angepa&#223;t."}