{"title":"Tierversuche: Infobox III","body":"<STRONG>Tierversuche<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR><STRONG>2:<\/STRONG> Die Definition des Begriffs <I>&#8222;Alternativmethode&#8220;<\/I> basiert im wesentlichen auf den &#220;berlegungen, welche die engl. Wissenschaftler W.M.S. Russel und R.L. Burch bereits 1959 publizierten. Darin pr&#228;gten sie das Prinzip der <I>&#8222;3R&#8220;,<\/I> mit denen der Ersatz <I>(Replacement),<\/I> die Verringerung <I>(Reduction)<\/I> sowie die Verfeinerung bzw. Leidensverminderung <I>(Refinement)<\/I> von Tierversuchen gemeint sind. Der Begriff <I>&#8222;3R-Methode&#8220;<\/I> wird mittlerweile weitl&#228;ufig synonym zu &#8222;Alternativmethode&#8220; verwendet. Das Prinzip der 3R hat &#8211; wenngleich nicht immer explizit &#8211; Eingang in verschiedene nationale und internationale Codices (z.B. die Deklaration von Helsinki), aber auch verbindliche Vorschriften und Gesetze (z.B. die EU-Tierversuchsrichtlinie 86\/609) gefunden. Danach sind Wissenschaftler gehalten, die 3R in vollem Umfang anzuwenden. Die EU-Richtlinie 86\/609 verpflichtet zudem die Europ&#228;ische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten zur Entwicklung und F&#246;rderung von Alternativmethoden. Auf dieser Grundlage sind u.a. offizielle Institutionen entstanden, die sich ausschlie&#223;lich mit der Entwicklung, Pr&#252;fung, Erfassung und Anerkennung von Alternativmethoden besch&#228;ftigen. Auf EU-Ebene ist dies das Europ&#228;ische Zentrum f&#252;r die Validierung von Alternativmethoden (European Centre for the Validation of Alternative Methods, ECVAM), in Deutschland die Zentralstelle zur Erfassung und Bewertung von Ersatz- und Erg&#228;nzungsmethoden zum Tierversuch (ZEBET).<BR><\/BR>Beispiele f&#252;r Alternativmethoden:<BR><\/BR>Ein &#8222;klassisches&#8220; (Replacement-) Testsystem stellen z.B. <I>Zellkulturverfahren<\/I> dar. Mit ihrer Hilfe lassen sich biologische Ph&#228;nomene schnell und effektiv untersuchen. 1997 wurde eine solche Zellkulturmethode, ein Phototoxizit&#228;tstest, der auf der Neutralrotaufnahme von Zellen einer permanenten Mauszellinie basiert (3T3-NRU-PT-Test), von der EU offiziell als Pr&#252;fverfahren anerkannt.<BR><\/BR>Das Reduction-Prinzip beruht in der Regel auf einer durchdachten, biostatistisch fundierten Versuchsplanung, die auf die Verwendung der geringstm&#246;glichen Anzahl von Tieren abhebt. Es war die Grundlage f&#252;r den Ersatz des <I>LD<SUB>50<\/SUB>-Tests<\/I> (letale <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19240'>Dosis<\/A>) zur Pr&#252;fung auf akute orale <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67087'>Toxizit&#228;t<\/A> innerhalb der Pr&#252;frichtlinien der Organisation f&#252;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche weltweit angewendet werden. Als Alternative f&#252;r dieses anachronistische Verfahren wurden von der OECD 3 Methoden (Acute-Toxic-Class-Methode, Fixed-Dose-Verfahren, Up-and-Down-Methode) anerkannt, die u.a. mit weniger Tieren (6&#8211;10 statt &#252;ber 40 Tiere) auskommen. Au&#223;erdem konnten allein durch Einf&#252;hrung strikter Hygienema&#223;nahmen bei der Haltung von Versuchstieren deren &#8222;Verbrauchszahlen&#8220; erheblich reduziert werden.<BR><\/BR>Refinement-Ideen k&#246;nnen sicherlich f&#252;r nahezu jede wissenschaftliche Verwendung von Tieren verfolgt werden. Sie haben z.B. eine m&#246;glichst artgerechte Haltung von Versuchstieren oder die Verwendung sog. humaner Endpunkte (z.B. Versuchsabbruch und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/23103'>Euthanasie<\/A> schon bei Vorliegen erster spezifischer Symptome und nicht Abwarten des qualvollen Todes des Tieres) zum Ziel.<BR><\/BR>Trotz der Vorteile, die Alternativmethoden aufweisen, vollzieht sich der Ersatz von Tierversuchen nur &#228;u&#223;erst m&#252;hsam. Ein Grund f&#252;r die z&#246;gerliche Anwendung von Alternativmethoden liegt darin, da&#223; f&#252;r ihre beh&#246;rdliche Anerkennung umfangreiche Studien unter Einbeziehung einer Vielzahl von Testsubstanzen und verschiedener Labors notwendig sind. Eine solche sog. <I>Validierung<\/I> ist ein aufwendiges und kostspieliges Unterfangen. Der Zeitraum von der Entwicklung einer Alternativmethode bis zu ihrer beh&#246;rdlichen Anerkennung wird mit nicht weniger als 10 Jahren veranschlagt. Problematisch sind zudem auch manche Kriterien f&#252;r die erfolgreiche Bewertung einer Alternativmethode. So sollen Alternativmethoden Ergebnisse (Zahlenwerte) liefern, die denen aus Tierversuchen, die selbst nie validiert wurden, m&#246;glichst nahe kommen. Daher scheiterte z.B. die Validierung von Alternativmethoden zum ber&#252;chtigten Draize-Augenreizungstest am Kaninchen an der katastrophalen Qualit&#228;t der Daten, die man &#252;ber Jahrzehnte mit diesem Test produziert hatte (Gettings et al., 1991)."}