{"title":"Langzeitpotenzierung: Abbildung I","body":"<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/neuro\/fff562.jpg' WIDTH='794' HEIGHT='572'><br>\n<P><STRONG>Langzeitpotenzierung<\/STRONG><\/P>\n<P><I>Grundlegende Prinzipien von LTP am Beispiel der Synapsen der perforanten Fasern und Schaffer-Kollateralen im Gyrus dentatus und der CA1-Region des Hippocampus:<BR><\/BR>1) Normale Signal&#252;bertragung:<\/I> Glutamat wird freigesetzt, wenn die Aktionspotentiale an das synaptische Endkn&#246;pfchen gelangen. Es diffundiert zur nachgeschalteten Zelle und bindet dort an die AMPA-Kanalrezeptoren. Diese &#246;ffnen sich, so da&#223; Natrium-Ionen in die Postsynapse einstr&#246;men k&#246;nnen und dort zu einer Depolarisierung f&#252;hren. <I>2) Calcium-Einstrom durch NMDA-Rezeptoren:<\/I> Bei der LTP-Auspr&#228;gung erfolgt zus&#228;tzlich noch die &#214;ffnung von NMDA-Rezeptoren. Dies geschieht ebenfalls durch Glutamat, erfordert aber zuvor die spannungsabh&#228;ngige Entfernung eines Magnesium-Ions in dem Rezeptor. Dazu ist eine postsynaptische Depolarisation notwendig, die dieses nachgeschaltete Neuron kurz vorher erfahren hat, wenn benachbarte Synapsen erregt worden sind. L&#246;st sich das Magnesium-Ion, k&#246;nnen neben Natrium-Ionen nun auch Calcium-Ionen in die Postsynapse einstr&#246;men. Das ist der entscheidende LTP-Ausl&#246;ser. <I>3) Enzymaktivierung:<\/I> Das einstr&#246;mende Calcium l&#246;st daraufhin eine Kaskade unterschiedlicher biochemischer Reaktionen aus, indem es Enzyme aktiviert, zum Beispiel Proteinkinasen (wie die Calcium-Calmodulin-abh&#228;ngige Kinase II, eine Tyrosinkinase und die Proteinkinase C) und Phospholipasen, ferner Phosphatasen und die Protease Calpain (<A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/4057'>Ged&#228;chtnismutanten<\/A>). <I>4) Synaptische Verst&#228;rkung:<\/I> Postsynaptisch k&#246;nnen die Enzyme entweder die AMPA- oder die NMDA-Rezeptoren oder beide in ihrer Empfindlichkeit steigern oder in ihrer Zahl vermehren. Dadurch hat die gleiche Menge eintreffender Transmitter eine erh&#246;hte Wirkung. Es kommt aber auch zu pr&#228;synaptischen Ver&#228;nderungen. Dies geschieht durch einen retrograden Messenger, der von der Postsynapse zur Pr&#228;synapse hin&#252;berdiffundiert. Dort werden Enzyme, z.B. Guanylatcyclasen, aktiviert, was letztlich zu einer erh&#246;hten Transmitter-Aussch&#252;ttung f&#252;hrt. Als retrograder Botenstoff werden diskutiert: Stickstoffmonoxid (NO), Kohlenmonoxid, Arachidons&#228;ure und der Bl&#228;ttchen-aktivierende Faktor PAF. <I>5) Cytologische Ver&#228;nderungen:<\/I> Bei langfristiger LTP kommt es zur Genaktivierung. Das gilt als &#220;bergang vom Kurzzeitged&#228;chtnis, das auf der synaptischen Verst&#228;rkung basierend auf subzellul&#228;ren Ver&#228;nderungen beruht, ins Langzeitged&#228;chtnis, f&#252;r das strukturelle Ver&#228;nderungen grundlegend sind: neue synaptische Verbindungen. Zun&#228;chst werden fr&#252;he Gene wie <I>c-fos<\/I> und <I>c-jun<\/I> angeschaltet, die ihrerseits an der Aktivierung anderer Gene beteiligt sind. Die Folge k&#246;nnen anatomische Ver&#228;nderungen sein, n&#228;mlich die Verst&#228;rkung der betreffenden Synapsen, ihre Verdopplung oder die Bildung zus&#228;tzlicher Kontakte.<BR><\/BR>Auch die metabotropen Glutamatrezeptoren (mGlu) sind an der LTP-Entstehung beteiligt. Glutamat kann dort binden und &#252;ber ein G-Protein die membranst&#228;ndige Phospholipase C aktivieren. Diese ist am Inositolphosphat-Turnover beteiligt. Sie hydrolysiert PIP<SUB>2<\/SUB> zu IP<SUB>3<\/SUB> und DAG, welche zu einer Aktivierung der Proteinkinase C f&#252;hren. Diese scheint die Empfindlichkeit von NMDA-Rezeptoren zu steigern. &#220;ber die Adenylatcyclase d&#252;rften die mGlu-Rezeptoren auch an der Regulation des cAMP-Spiegels beteiligt sein. R.V.<\/P>"}