{"title":"Begrungsverhalten: 1","body":"<BR><\/BR><STRONG>Begr&#252;&#223;ungsverhalten<\/STRONG><BR><\/BR><BR><\/BR>Die <I>menschliche Begr&#252;&#223;ung<\/I> besteht nach den Untersuchungen von I. <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/20205'>Eibl-Eibesfeldt<\/A> aus den Komponenten Selbstdarstellung (Imponieren) und Beschwichtigung bzw. Bindung, deren jeweiliger Anteil von Begegnung zu Begegnung variiert. Wenn z. B. Yanomami-Indianer G&#228;ste empfangen, wird h&#228;ufig ein Kriegstanz aufgef&#252;hrt, gleichzeitig tanzt ein M&#228;dchen mit und schwenkt dabei beschwichtigend einen Palmwedel. Bei internationalen Staatsbesuchen wird neben dem milit&#228;rischen Imponieren einschlie&#223;lich Salutschie&#223;en ein Kind damit beauftragt, Blumen an den Gast zu &#252;berreichen. Auch bei allt&#228;glichen Begr&#252;&#223;ungen finden sich diese beiden Funktionen: zum einen der Versuch, &#252;ber freundliche Akte, wie Geschenke &#252;berreichen, L&#228;cheln, Verbeugung oder Gru&#223;worte, zu beschwichtigen und zu binden; zum anderen zeigt sich gerade bei der Begr&#252;&#223;ung das menschliche Bestreben, Dominanzbeziehungen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19005'>Dominanz<\/A>) herzustellen und zu dokumentieren. Vor allem M&#228;nner geben sich untereinander h&#228;ufig stark, dr&#252;cken dem Sozialpartner fest die Hand, klopfen ihm auf die Schulter oder versuchen, verbal zu dominieren. &#8211;<BR><\/BR>Wie sich Individuen selbst darstellen, beschwichtigen oder ein Band stiften, variiert, daf&#252;r stehen verschiedene Verhaltensweisen als funktionelle &#196;quivalente zur Verf&#252;gung &#8211; angeborene ebenso wie kulturell gepr&#228;gte. Die zugrundeliegende Strategie freundlicher Kontakter&#246;ffnung ist jedoch universell. Auch die nach der Begr&#252;&#223;ung folgende Phase der Bandbekr&#228;ftigung zeichnet sich durch universell g&#252;ltige Charakteristika aus. Zur Bekr&#228;ftigung von Beziehungen oder emotionellen Vertiefung von Bindungen werden &#220;bereinstimmung und Anteilnahme in Dialogen bekundet. Inhalte sind dabei sekund&#228;r (\"grooming talk\"). Gemeinsamkeit wird durch gemeinsame Handlungen wie Essen, Tanzen oder &#228;hnliches ausgedr&#252;ckt.<BR><\/BR><BR><\/BR>In der anschlie&#223;enden Phase des Abschieds geht es wieder um Beschwichtigung und den Erhalt des Bandes f&#252;r die Zukunft. F&#252;r diesen Zweck werden Geschenke oder Geschenk&#228;quivalente getauscht (gute W&#252;nsche) und Verbundenheit sich gegenseitig versichert. &#8211; Trennungen ohne gelungene Abschiedsrituale wirken sich verunsichernd auf Kleinkinder aus (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/69353'>Verlassenheitsangst<\/A>). Bei der Begr&#252;&#223;ung finden sich typische Geschlechtsunterschiede: Begr&#252;&#223;ungen zwischen Frauen sind eher mit der Ber&#252;hrung intimerer K&#246;rperbereiche verbunden (Hand \n<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/bio\/fff44.jpg' WIDTH='16' HEIGHT='18'><br>\n\n Oberk&#246;rper \n<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/bio\/fff44.jpg' WIDTH='16' HEIGHT='18'><br>\n\n Gesicht \n<br>\n\n<img SRC='\/lexika\/images\/bio\/fff44.jpg' WIDTH='16' HEIGHT='18'><br>\n\n Mund; <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/37144'>K&#246;rperkontakt<\/A>) als die zwischen M&#228;nnern. Begr&#252;&#223;ung und Verabschiedung nach bzw. vor l&#228;ngerer Trennung oder solche, die mit einer gr&#246;&#223;eren geographischen Distanz einhergehen, sind intimer und l&#228;nger als kurzfristige Trennungen im Alltagsgeschehen.<BR><\/BR>  \nJ.Be.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}