{"title":"Aphrodisiakum: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Aphrodisiakum<\/STRONG>\n<P>Das M&#228;nnchen des Kaisermantels (<I>Argynnis paphia<\/I>), eines einheimischen Schmetterlings, st&#252;lpt zwischen dem 7. und 8. Hinterleibssegment eine auff&#228;llige Dr&#252;se aus und gibt ein Aphrodisiakum ab, das beim Weibchen die Kopulationsbereitschaft ausl&#246;st. Andere Schmetterlinge sto&#223;en Aphrodisiaka mit den Schuppen ab (Duftschuppen). Bei einer Reihe von Insekten gelangen M&#228;nnchen nur zur Paarung, wenn sie ihren Weibchen f&#252;r sie interessante Stoffe anbieten, die die M&#228;nnchen entweder selbst produzieren m&#252;ssen oder die sie in ihrer Umwelt erst sammeln m&#252;ssen (gustatorische Balz). So bieten die meisten Zipfelk&#228;fer ihren Weibchen in komplexen Dr&#252;sen (Excitatoren) Sekrete an, die sie auflecken. &#196;hnliches ist bei den Weinh&#228;hnchen (Bl&#252;tengrillen) oder einige Schaben zu beobachten. Die Spanische Fliege (<I>Lytta vesicatoria<\/I>) produziert nur im m&#228;nnlichen Geschlecht das giftige Cantharidin und &#252;bertr&#228;gt es w&#228;hrend der Kopula auf das Weibchen. Andere K&#228;fer (wahrscheinlich einige amerikanische Kardinalk&#228;fer) m&#252;ssen Cantharidin erst sammeln. Sie pr&#228;sentieren es dann in Kopfgruben ihren Weibchen und werden vermutlich nur bei gen&#252;gender Menge Cantharidin zur Paarung akzeptiert. In diese Kategorie geh&#246;ren auch die meisten F&#228;lle von Pharmakophagie. Weit verbreitet ist die Aufnahme von <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/10623'>Pyrrolizidinalkaloiden<\/A> (z.B. als Lycopsamin) aus allen m&#246;glichen Pflanzen (z.B. aus verschiedenen <I>Senecio-, Heliotropium<\/I>- oder <I>Crotalaria<\/I>-Arten). Bei vielen Vertretern der <I>Danaidae<\/I> (Monarch oder Gattung <I>Amauris<\/I>) stellen daraus die M&#228;nnchen das Aphrodisiakum Danaidon her, ohne das sie nicht zur Paarung gelangen. Andere Schmetterlinge bauen das Pyrrolizidinalkaloid zu anderen Danaidon-Typen um (z.B. zu Hydroxydanaidal) und pr&#228;sentieren diesen Stoff in abdominalen Pinseln (z.B. Gattung <I>Amauris<\/I>) oder in zum Teil riesigen, &#252;ber Luftdruck ausst&#252;lpbaren Abdomenanh&#228;ngen (Corema; z.B. bei dem B&#228;renspinner <I>Creatonotus gangis<\/I> aus Indonesien). Hier h&#228;ngt die Gr&#246;&#223;e der Coremata von der Menge aufgenommener Pyrrolizidinalkaloide ab. Aphrodisiaka scheinen neben der Paarungsstimulation auf Weibchen auch und m&#246;glicherweise vor allem die Funktion der Fitness-Demonstration in der Balz zu haben (sexuelle Selektion). <\/P>"}