{"title":"Bioremediation: 68","body":"<BR><\/BR><STRONG>Bioremediation<\/STRONG><BR><\/BR><I>Nat&#252;rliche Bioremediation<\/I> beschreibt die systemeigene Reinigungskraft. Hierbei werden schadstoffhaltige Kontaminationen durch Mikroorganismen abgebaut, die im betreffenden &#214;kosystem (Boden, Gew&#228;sser) vorhanden (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/6365'>autochthon<\/A>) sind. Die zun&#228;chst geringe Zahl der hierzu f&#228;higen Organismen nimmt im Verlauf der biologischen Nutzung der Schadstoffe zu. Das nat&#252;rliche Reinigungsverm&#246;gen wird jedoch &#252;berfordert, wenn die Kontaminationen zu massiv f&#252;r die autochthone Mikroorganismenpopulation sind. Nat&#252;rliche Bioremediation kann zudem verz&#246;gert werden, wenn die Schadstoffe unter anaerobe Bedingungen gelangen. Neben der Verunreinigung des Grundwassers k&#246;nnen dann Altlasten entstehen.<BR><\/BR>Ist die nat&#252;rliche Bioremediation nicht ausreichend wirksam, so werden Verfahren der <I>technischen Bioremediation<\/I> zur Beseitigung oder Reduzierung der Schadstofflast eingesetzt. Zu den bevorzugten Ma&#223;nahmen der technischen Bioremediation geh&#246;rt die Stimulierung der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/1244'>aeroben Atmung<\/A> unter Zufuhr von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/58686'>Sauerstoff<\/A>, z. B. durch Bodenauflockerung, sowie die Versorgung mit <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48721'>Ozon<\/A> oder <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/70354'>Wasserstoffperoxid<\/A>. Anstelle von Sauerstoff k&#246;nnen auch Elektronenakzeptoren (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55953'>Redoxreaktionen<\/A>) wie Nitrat oder Sulfat zugesetzt werden, die eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/3223'>anaerobe Atmung<\/A> erm&#246;glichen. Um die Masse der zum Abbau der Schadstoffe notwendigen Mikroorganismen zu erh&#246;hen, kann die Gabe von anorganischem <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/19680'>D&#252;nger<\/A> (Quelle von Phosphor und Stickstoff) n&#252;tzlich sein. So war eine einmalige anorganische D&#252;ngung ausreichend, um den Abbau der durch einen Tankerunfall (\"Exxon Valdez\") entstandenen Roh&#246;lverschmutzungen (\"&#214;lpest\") auf das Dreifache zu beschleunigen. Bedingt durch die auf diese Weise speziell angereicherte Population an Mikroorganismen, war die erh&#246;hte Abbaurate auch noch nach dem Verbrauch der Zus&#228;tze zu registrieren. Prinzipiell ist die Aktivierung des <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/14983'>Cometabolismus<\/A> zum Abbau von Xenobiotika an die Zufuhr von Substraten gebunden, die f&#252;r das Wachstum der hierf&#252;r spezialisierten Mikroorganismen notwendig sind. Um die Aufnahme von lipophilen Substanzen in die Zelle und damit die Bioremediation zu f&#246;rdern, k&#246;nnen Zus&#228;tze von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/65809'>Tensiden<\/A> hilfreich sein.<BR><\/BR>Eine weitere Ma&#223;nahme der technischen Bioremediation umfa&#223;t die <I>Bioaugmentation<\/I>. Dieser Begriff kennzeichnet die Beimpfung kontaminierter Standorte mit vorgez&#252;chteten Mikroorganismen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63349'>Starterkulturen<\/A>). Dabei kann es sich um speziell selektionierte Populationen, wie z. B. autochthone Populationen aus kontaminierten Standorten, oder auch um gentechnisch hergestellte Organismenformen handeln (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/27410'>Gentechnologie<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67248'>transgene Organismen<\/A>). Neuere Methoden der Bioremediation nutzen das cometabolische Potential ligninabbauender Basidiomyceten (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/63298'>St&#228;nderpilze<\/A>), die zusammen mit dem Abbau von <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/39320'>Lignin<\/A> auch andere umweltsch&#228;digende organische Verbindungen umsetzen k&#246;nnen, sowie die F&#228;higkeit H&#246;herer Pflanzen, verschiedene Substanzen aus der <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/56785'>Rhizosph&#228;re<\/A> zu eliminieren. Bei der letztgenannten <I>Phytoremediation<\/I> ist eine <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/9857'>Bodensanierung<\/A> sowohl auf die Aktivit&#228;ten der Pflanzen selbst als auch auf die Aktivit&#228;ten von Mikroorganismen der Rhizosph&#228;re zur&#252;ckzuf&#252;hren. Von besonderem Interesse ist die Phytoremediation im Falle der Bodensanierung von Xenobiotika und <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/60270'>Schwermetallen<\/A> durch B&#228;ume, die mit ihren Wurzeln in tiefere Bodenschichten vordringen k&#246;nnen. K&#252;rzlich gelang es amerikanischen Wissenschaftlern, bakterielle Gene auf Pappeln zu &#252;bertragen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/67249'>transgene Pflanzen<\/A>), deren Genprodukte die F&#228;higkeit vermitteln, Quecksilbersalze in elementares <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/55309'>Quecksilber<\/A> umzuwandeln. Das Quecksilber aus dem sanierten Boden kann nun aus den Bl&#228;ttern der Pappeln verdampfen, gelangt dabei allerdings in die Atmosph&#228;re.<BR><\/BR><I>Ex-situ-Bioremediation<\/I> bezeichnet technische Verfahren, zu deren Durchf&#252;hrung kontaminierte B&#246;den ausgehoben (ausgekoffert) werden und entweder neben dem Standort (on-site) oder nach dem Transport an einen anderen Standort (off-site) saniert werden. Die ausgehobenen B&#246;den werden dazu h&#228;ufig im <I>Mietenverfahren<\/I> in geschlossenen R&#228;umen auf einem abgedichteten Untergrund gelagert und maschinell umgesetzt sowie bel&#252;ftet. Werden die Mieten mit Wasser berieselt, so spricht man von <I>Biobeeten<\/I>. Alternativ k&#246;nnen die B&#246;den auch &#8211; gegebenenfalls nach Aufschwemmung in Wasser &#8211; in <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8770'>Bioreaktoren<\/A> speziellen und damit aufwendigeren Sanierungsverfahren unterworfen werden.<BR><\/BR><I>In-situ-Bioremediation<\/I> liegt vor, wenn die Ma&#223;nahmen zur Sanierung am Ort des Schadstoffeintrags durchgef&#252;hrt werden. Verbreitet ist das <I>Landfarming,<\/I> wobei der kontaminierte Boden mit landwirtschaftlichen Ger&#228;ten gelockert (bel&#252;ftet) und mit Zus&#228;tzen, wie autochthonen Mikroorganismen oder N&#228;hrstoffen, versorgt werden kann. Landfarming kann gegebenenfalls auch ex-situ und damit auf einem abgedichteten Untergrund durchgef&#252;hrt werden. Liegen die Schadstoffe in leicht fl&#252;chtiger Form vor, so k&#246;nnen sie nach entsprechenden Abdichtungen des Bodens unter Vakuum abgesaugt werden. In diesem Falle wird eine Reinigung der Abluft notwendig, wof&#252;r dann wiederum biotechnologische Verfahren eingesetzt werden k&#246;nnen (<A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8611'>Biofilter<\/A>, <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/8857'>Biow&#228;scher<\/A>, Tropfk&#246;rper). Hydraulisch-biologische Ma&#223;nahmen sind einsetzbar, wenn die Schadstoffe in tiefere Schichten des Bodens bis zum Grundwasser eingedrungen sind. Dieser hydraulische Kreislauf ist jedoch gef&#228;hrdet, wenn die <A href='\/abo\/lexikon\/bio\/48625'>Oxidation<\/A> z. B. von reduzierten Eisenverbindungen zum Ausf&#228;llen von Eisenoxiden f&#252;hrt.  \nJ.O.<BR><\/BR><BR><\/BR><BR><\/BR>"}