{"title":"Plastizitt im Nervensystem: Zusatzinfo I","body":"<STRONG>Plastizit&#228;t im Nervensystem<\/STRONG>\n<P><I>Plastizit&#228;t und Deprivation:<\/I><BR><\/BR>Mit elektrophysiologischen Einzelzell-Ableitungen und <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/1166'>Autoradiographie<\/A> lie&#223; sich zeigen, da&#223; die visuellen Reize in Regionen verarbeitet werden, die &#252;ber die prim&#228;re Sehrinde streifenf&#246;rmig verteilt sind und ihre Informationen jeweils aus dem einen oder dem anderen Auge erhalten, die <A href='\/abo\/lexikon\/neuro\/1097'>Augendominanzs&#228;ulen<\/A>. Ausgangspunkt ihrer Ausbildung sind zuf&#228;llige Schwankungen in der Anzahl der Innervationen corticaler Neurone durch vorgeschaltete Nervenfasern. Vorangetrieben wird die Entwicklung durch die Koordination gleichzeitig feuernder Fasern, die durch die Stimulation desselben Auges erregt werden, im Wettbewerb mit Eing&#228;ngen aus den beiden Augen. So erfolgt eine selbstorganisierte gleichm&#228;&#223;ige, nicht-&#252;berlappende Raumaufteilung. Mit Computersimulationen l&#228;&#223;t sich dies in vielen Einzelheiten nachvollziehen. St&#246;rungen k&#246;nnen w&#228;hrend dieser sensiblen, kritischen Phase irreparable Sch&#228;den verursachen. Wird beispielsweise ein Auge verschlossen, ist es sp&#228;ter nicht oder nur noch eingeschr&#228;nkt funktionst&#252;chtig. Es zeigte sich auch, da&#223; die Projektionsfl&#228;chen des intakten Auges in der prim&#228;ren Sehrinde sich auf Kosten der Reiz-deprivierten Felder ausgedehnt haben. Spezifische Deprivationen hinterlassen w&#228;hrend dieser Periode ebenfalls irreversible Spuren: Werden K&#228;tzchen beispielsweise in einem Raum gehalten, dessen W&#228;nden ausschlie&#223;lich mit senkrechten Streifen bemalt sind, werden sie sp&#228;ter keine waagrechten Streifen mehr wahrnehmen k&#246;nnen. Die als entsprechende Merkmalsdetektoren fungierenden Neuronen sind nicht oder kaum noch erregbar durch die Reize, f&#252;r die sie bei einer normalen Entwicklung sensibel gewesen w&#228;ren. <BR><\/BR>Nicht nur die Einschr&#228;nkung von Sinnesreizen, sondern auch &#220;bung beeinflu&#223;t das Gehirn. Ratten, die in einer komplexen Umwelt gehalten werden, haben im Vergleich zu Kontrolltieren in einer reizarmen Umgebung eine h&#246;here Synapsendichte. Sowohl die Zahl der Synapsen pro Neuron als auch der Verzweigungsgrad der Dendriten und die Anzahl der Vesikel in der Pr&#228;synapse sind gr&#246;&#223;er. &#196;hnliche Ergebnisse sind im Vorderhirn nach Verhaltenstraining und in bestimmten Kleinhirnregionen nach motorischem Training gefunden worden. R.V. <\/P>"}