Lexikon der Neurowissenschaft

ATP-Rezeptoren

Membranrezeptoren, über die ATP seine biologischen Wirkungen vermittelt, gehören zu einer Rezeptorfamilie, die ursprünglich als Purinozeptoren bezeichnet wurden. Nachdem sich herausstellte, daß einige der Familienmitglieder (s.u.) aber bevorzugt durch das Pyrimidinnucleotid Uridin-5'-triphosphat (UTP)und kaum durch ATP aktiviert werden, wurde der Begriff Purinozeptoren durch P-Rezeptoren ersetzt. Diese werden unterteilt in P1-Rezeptoren, an denen Adenosin stärker wirkt als ATP, und P2-Rezeptoren, an denen ATP und/oder UTP wirksamere Agonisten sind. - In den späten 70er Jahren entstand das Konzept, daß neben den P1-Rezeptoren separate Rezeptoren für ATP, P2-Rezeptoren, existieren müssen. Aufgrund der differentiellen Wirkungen von P2-Rezeptor-Agonisten wurden ab Mitte der 80er Jahre die Subtypen P2x-Rezeptoren, P2Y-Rezeptoren, P2z- oder ATP4-Rezeptoren und P2T- oder ADP-Rezeptoren unterschieden. Ferner wurden P2u-Rezeptoren, auch Pyrimidinrezeptoren genannt, beschrieben, die durch Uridin-5'-triphosphat und ATP gleichermaßen aktiviert werden. Die Erkenntnis, daß ATP seine biologischen Wirkungen über zwei unterschiedliche Signaltransduktionsmechanismen ausübt - Liganden gesteuerte Ionenkanäle und G-Protein gekoppelte Rezeptoren - zusammen mit der Klonierung der ersten P2-Rezeptoren (1993/94) führte Mitte der 90er Jahre zu einer Neuordnung der Terminologie: Unabhängig von ihren pharmakologischen Eigenschaften werden nun alle ATP-sensitiven Liganden-gesteuerten Ionenkanäle als P2X-, alle ATP (oder UTP)-sensitiven G-Protein gekoppelte Rezeptoren als P2Y-Rezeptoren bezeichnet.

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