Lexikon der Neurowissenschaft

Propriorezeptoren

In seltenen Fällen kann der propriorezeptive Sinn auch ausfallen, wenn eine schwere, rein sensorische periphere Neuropathie (Polyneuropathie) die myelinisierten sensorischen Nervenfasern zerstört (nicht aber die motorischen). Eine solche Neuropathie zerstört die Propriorezeption und den Tastsinn, nicht aber den Schmerzsinn (Schmerz). Der Körper wird zu einem unempfindlichen "Werkzeug". Für jede zweckgerichtete Bewegung ist eine beständige visuelle Kontrolle und ein bewußtes Planen notwendig. Dies erfordert kontinuierliche Aufmerksamkeit, Konzentration und geistige Anstrengung; z.B. ist für das Sitzen auf einem Stuhl eine ständige bewußte Rückkopplung nötig, um nicht herunterzufallen. Zwar ist das Selbstmodell der proprioblinden Personen nicht ausgelöscht, weil sie ja auf propriorezeptive Informationen aus der Vergangenheit zurückgreifen können und sich ihrer Bewegungen durch andere Sinne noch bewußt sind (auch das vestibuläre System funktioniert noch, ebenso Rezeptoren der inneren Organe usw.). Aber die große Bedeutung des Körpersinns, dem normalerweise aufgrund seiner "Selbstverständlichkeit" kaum Beachtung geschenkt wird, zeigt sich bei seinem Ausfall doch auf eine sehr dramatische Weise. Auch eine Läsion des primären somatosensorischen Cortex (insbesondere Brodmann-Areale 3a und 3b) kann die Propriorezeption beeinträchtigen.

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