Lexikon der Neurowissenschaft

Psychoneuroimmunologie

2 Einfluß von Streß auf das Immunsystem:

In inzwischen sehr zahlreichen Untersuchungen wurde nachgewiesen, daß akuter Streß eher stimulierend auf Immunfunktionen wirkt, während chronischer Streß eher mit Immunschwäche assoziiert ist. Ob diese Effekte für den Menschen auch klinisch bedeutsam sind, kann gegenwärtig noch nicht beurteilt werden. Untersucht werden meistens die Lymphocytenzahlen im peripheren Blut sowie deren Aktivität. Die Tatsache, daß deren Veränderungen unter experimentellen Bedingungen statistisch signifikant sind, besagt nichts darüber, ob sie auch biologisch relevant sind. Die Schwankungen könnten innerhalb des Normalbereichs liegen und von anderen Teilsystemen des Immunsystems kompensiert werden. In lokalen Bereichen des Immunsystems scheinen sich allerdings auch beim Menschen gesundheitlich relevante Veränderungen unter chronischem Streß nachweisen zu lassen. So konnte in größeren Studien an mehreren hundert Probanden gezeigt werden, daß die Zahl der Erkältungskrankheiten mit dem Ausmaß von erlebtem Streß deutlich zunahm. In verschiedenen Interventionsstudien wurden der Krankheitsverlauf und die Überlebensraten bei Krebspatienten mit und ohne psychosoziale Betreuung verglichen, wobei die behandelten Patienten günstigere Verläufe aufwiesen. Diese Untersuchungen wiesen allerdings keinen sehr hohen methodischen Standard auf. Klinisch bedeutsame Erkenntnisse sind eher aus Untersuchungen über die Zusammenhänge zwischen Immunfunktionen und Störungen vitaler Grundfunktionen zu erwarten.

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