Lexikon der Neurowissenschaft

Aufmerksamkeit

Tab. 2: neuronale Prinzipien der Aufmerksamkeit:



- Aufmerksamkeit ist nicht strikt lokalisierbar, sondern die Eigenschaft eines weiträumigen neuronalen Netzwerks, das sowohl corticale als auch subcorticale Strukturen umfaßt.

- Die neuroanatomischen Grundlagen der Aufmerksamkeit spiegeln die funktionelle Organisation des Gehirns wider, z.B. den hierarchischen Aufbau von primären, sekundären und höheren sensorischen und motorischen Arealen, einer gewissen neuronalen Arbeitsteilung bei der Mustererkennung, Rückkopplungen von nachgeschalteten Regionen usw.

- Bei der Aufmerksamkeitskontrolle läßt sich sensorische Selektion von motorischer Intention und Aktion unterscheiden (allerdings nicht strikt), wobei erstere vor allem auf posterioren, zweitere auf weiter anterior gelegenen Hirnregionen basiert.

- Je plastischer bestimmte Nervenzellen und Hirnregionen sind, desto stärker können sie einerseits von Aufmerksamkeitsprozessen moduliert werden und diese andererseits konstituieren.

- Lernvorgänge einschließlich Habituation, Sensitivierung und Konditionierung werden von Aufmerksamkeitsprozessen beeinflußt.

- Aufmerksamkeitskontrolle basiert auf einer Wechselwirkung von inhibitorischen und excitatorischen Prozessen, und zwar von der Ebene individueller Zellen bis hin zur Arbeitsweise ganzer Hirnareale.

- Aufmerksamkeitsprozesse unterliegen einer neurochemischen Modulation (Neurotransmittersysteme, circadiane Rhythmen usw.); stimulierende Faktoren wie Coffein scheinen die Aufmerksamkeit vorübergehend zu erhöhen, Drogen wie LSD vermindern die selektive Aufmerksamkeit, manche Neuropeptide können die Reaktionen unterbinden usw.

- Die neuronale Verarbeitungsgeschwindigkeit beeinflußt die Aufmerksamkeitskapazität; subcorticale Beeinträchtigungen (z.B. bei multipler Sklerose) korrelieren mit einer reduzierten Aufmerksamkeitskapazität.

- Bestimmte Nervenzellen haben spezielle Aufmerksamkeitsfunktionen, z.B. in den frontalen Augenfeldern (für sakkadische Augenbewegungen) und im inferioren Scheitellappen (z.B. für räumliche Orientierung).

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