Lexikon der Neurowissenschaft

Aufmerksamkeit

Aufmerksame Nervenzellen feuern stärker:

Aufmerksamkeit ermöglicht es, aus dem Informationsfluß, den die Sinnesorgane liefern, einzelne Aspekte auszuwählen und bevorzugt zu verarbeiten. Dadurch wird es möglich, momentan Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen. Nervenzellen, die eine bestimmte Eigenschaft signalisieren, werden dann verstärkt aktiv, wenn diese Eigenschaft gerade besonders wichtig ist. Das ergaben z.B. Ableitungen von Nervenzellen in der Gehirnregion MT von Makaken, die tief im Inneren einer Furche im hinteren Teil des Großhirns verborgen ist. Die Ableitungen erfolgten, während die Affen bewegliche Punktmuster auf einem Bildschirm betrachteten und ihre Aufmerksamkeit abwechselnd auf die eine oder andere Bewegungsrichtung davon lenken sollten. Daß sie das taten, konnte mit Verhaltenstests überprüft werden. MT ist der Sitz von bewegungs- und richtungsempfindlichen Zellen in der höherstufigen visuellen Informationsverarbeitung. Es zeigte sich, daß die Nervenzellen dort stärker feuern, wenn der Reiz, auf den sie spezialisiert sind, in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt. Die Neuronen verhalten sich dabei so, als ob die selektierten Punktmuster heller und sichtbarer geworden wären. Aufmerksamkeit wirkt also tatsächlich wie der vielzitierte Scheinwerfer in der Dämmerung, der die gerade interessanten Objekte vom Rest besser abhebt. Die Selektivität der Zellen für die Reize änderte sich aber nicht. Ähnliche Resultate wurden auch für Aufmerksamkeitsprozesse bei der Farbwahrnehmung erzielt, wofür Neuronen in der Area V4 zuständig sind.

[Drucken] [Fenster schliessen]