Lexikon der Neurowissenschaft

Regeneration

1 Unter physiologischer Regeneration oder Restitution (Regeneration i.w.S.) versteht man den periodischen oder ständigen Ersatz von Strukturen. Als reparative oder restaurative Regeneration (Regeneration i.e.S.) bezeichnet man den Ersatz von verlorengegangenen Körperstrukturen. Die Fähigkeit zur reparativen Regeneration ist unterschiedlich ausgebildet. So können z.B. Schwämme, Hydra (Süßwasserpolyp) und Planarien (Strudelwürmer) alle Körperteile regenerieren, Tiere mit Zellkonstanz (z.B. Fadenwürmer, Rädertiere) gar nicht. Die Regenerationsfähigkeit kann sich auch im Laufe der Individualentwicklung ändern. Verlorengegangene Strukturen können formal auf zwei Arten wieder hergestellt werden. Bei morphallaktischer Regeneration oder Morphallaxis werden fehlende Teile durch Umorganisation der Reststruktur ersetzt (z.B. bei Hydra). Bei komplexer aufgebauten Tieren wird die fehlende Struktur vom Wundrand her wieder aufgebaut (Epimorphose). Vielzeller (Planarien und höherentwickelte Tiere) bilden am Wundrand ein Regenerationsblastem aus reembryonalisierten Zellen unterschiedlicher geweblicher Herkunft; diese teilen sich und differenzieren das Regenerat. Wird eine verlorengegangene Struktur von Zellen eines anderen Gewebes gebildet, spricht man von Metaplasie. Verlorengegangene Strukturen können identisch regeneriert werden, weniger kompliziert oder unvollständig wieder aufgebaut werden. Selten werden sie durch andere Strukturen ersetzt (Heteromorphose). Relativ gut untersuchte Beispiele für Regeneration sind Hydra, deren Zellen auch durch ein Sieb gestrichen das ganze Tier wiederaufbauen, Planarien, Polychaeten, Arthropoden- und Amphibien-Extremitäten. Säuger regenerieren kaum (Spitze der Fingerbeere bei Kindern, Loch im Kaninchenohr). Für eine Regeneration müssen bestimmte Bedingungen gegeben sein; so verhindert z.B. bei Schwanzlurchen eine unzureichende Innervierung des Stumpfes die Regeneration der Extremität.

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