Lexikon der Neurowissenschaft



Schlaf

Abb. 3: Zwei-Prozeß-Modell der Schlaf-Wach-Regulation nach Borbély (1982)

Wie spektralanalytische Untersuchungen des Schlaf-EEGs gezeigt haben, kommt es nach Schlafentzug zu einer Zunahme der langsamwelligen Delta-Aktivität. Dieser "Rebound" an Delta-Aktivität bzw. Tiefschlaf läßt sich durch Frequenzanalysen besser darstellen als durch die übliche visuelle Schlafstadien-Klassifikation. Nach Borbély besteht zwischen Delta-Wellen-Aktivität und vorhergegangener Wachzeit ein linearer Zusammenhang; d.h. je länger die dem Schlaf vorhergehende Wachzeit ist, desto mehr Delta-Wellen treten auf. Die Delta-Wellen im Schlaf werden jedoch nicht linear über den ganzen Verlauf der Nacht produziert, sondern nehmen exponentiell mit der Schlafdauer ab. Borbély schlug vor, diesen von der Wachzeit abhängigen homöostatischen Prozeß als S(-Schlaf) zu bezeichnen. Der zweite wichtige Prozeß in diesem Modell ist Prozeß C. Die Einführung dieses Prozesses trägt der Tatsache Rechnung, daß Schlafen und Wachen in eine Vielzahl anderer biologischer Rhythmen eingebettet sind. Prozeß C verläuft parallel zur Körpertemperatur. Die Interaktion zwischen den Prozessen C und S bestimmt das Schlaf-Wach-Verhalten. Je größer die Schere zwischen den beiden Kurven, desto höher die Schlafbereitschaft. Laufen die beiden Kurven zusammen, d.h. wurde Prozeß S im Schlaf abgebaut und steigt C an, kommt es zum Erwachen. Prozeß S steigt bei Schlafentzug stärker an (b). Der exponentielle Abfall von S im Schlaf bewirkt jedoch, daß die Schlafzeit nach Schlafentzug nicht linear zunimmt.

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