Lexikon der Neurowissenschaft

Schmerz

1 In der Medizin unterscheidet man viscerale und somatische Schmerzempfindungen. Die visceralen Schmerzen betreffen die dumpfen Schmerzempfindungen der Eingeweide (Eingeweideschmerz, z.B. Gallenkoliken, Blinddarmentzündungen). Beim somatischen Schmerz unterscheidet man Tiefen- und Oberflächenschmerz. Beim Tiefenschmerz handelt es sich um dumpfe Schmerzempfindungen, die meist schlecht lokalisierbar sind und in die Umgebung ausstrahlen. Diese betreffen Bindegewebe, Muskeln, Knochen und Gelenke. Zu ihnen gehört die wohl häufigste Schmerzform des Menschen, der Kopfschmerz. Tiefenschmerzen gehen mit motorischer Hemmung, Schonstellung (z.B. bei Knochenbrüchen) und passivem Zusammensinken einher. Der von der Haut ausgehende Oberflächenschmerz ist eine helle, gut lokalisierbare Empfindung, die nach Aufhören des Reizes schnell abklingt (erster Schmerz). Sie löst entsprechend gerichtete Reaktionen aus, wie Abwehr oder Flucht. Bei hoher Reizintensität mit einer Dauer von mehr als 0,5-1 s folgt eine zweite Schmerzphase von dumpfem, brennendem Charakter, die langsam abklingt und schwer lokalisierbar ist (zweiter Schmerz).

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