Lexikon der Neurowissenschaft

Synergetik

Auch der Aufbau und die Verschaltung des neuronalen Netzwerkes im Gehirn vollzieht sich nach den Gesetzmäßigkeiten der Selbstorganisation. Dabei geht etwa die Hälfte der angelegten Nervenzellen zugrunde, weil sie nicht genutzt werden. Hirnstruktur und Hirnfunktion (beim Menschen auch die psychischen Vorgänge) sind Manifestationen derselben Gruppierung von Systemeigenschaften, die durch die Dynamik der Selbstorganisation innerhalb des Organismus und in den wechsenden Beziehungen zwischen Organismus und Umwelt zustandekommen. Auch die gesellschaftlichen Bedingungen, in die das menschliche Individuum hineinwächst, unterliegt in allen sozialen, ökologischen und geistigen Bereichen der variablen Dynamik der Selbstorganisation. Krankwerden und Heilung sind integrale Teile der Selbstorganisation des Organismus innerhalb seiner biotischen und und sozialen Systemstrukturen (V. von Weizsäcker). Dieses neue Paradigma der Synergetik erschließt somit eine Wissenschaft menschlicher Erfahrung und menschlichen Verhaltens, die den Organismus als ein dynamisches System voneinander abhängiger biotischer und psychischer Strukturen wahrnimmt, das seinerseits in aufeinander einwirkende größere Systeme physischer, sozialer und kultureller Dimensionen eingebettet ist.

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