Lexikon der Neurowissenschaft

Willkürmotorik

neuronale Grundlagen der Willkürmotorik

anatomische Korrelate der Willkürmotorik Funktionen der Hirnregionen


A) Großhirnrinde

primärer Motorcortex (M I) im Gyrus praecentralis (Brodmann-Areal [BA] 4); ist somatotop organisiert; erhält Informationen von primären somatosensorischen, von prämotorischen und von parietalen Arealen (BA 1, 2, 3, 5, 7) aktiviert und reguliert einzelne contralaterale Muskeln, besonders die distalen (z.B. Finger), ist bei allen willkürmotorischen Bewegungen aktiv; Feinmotorik
dorsolateraler prämotorischer Cortex (Teile von BA 6); erhält Informationen von parietalen und präfrontalen Arealen (BA 5, 46) kontrolliert komplexere Bewegungsweisen (Gliedmaßen, Kopf, Rumpf); Planung und Auswahl erlernter Bewegungen; assoziatives sensomotorisches Lernen; spezifische Reaktionen auf externe Reize
ventrolateraler prämotorischer Cortex (Teile von BA 6); erhält Informationen von parietalen und präfrontalen Arealen (BA 7, 46) und der anterioren intraparietalen Region im intraparietalen Sulcus kontrolliert komplexere Bewegungsweisen (Gliedmaßen, Kopf, Rumpf); Planung und Auswahl erlernter Bewegungen, spezifische Reaktionen auf externe Reize; spezifisches Greifen und Anpassung der Hand an die Form von ergriffenen Objekten; bestimmte Zellen reagieren auch auf Greifbewegungen anderer Individuen
motorisches Sprachzentrum (Broca-Areal) im ventrolateralen frontalen Cortex (BA 44, 45) vor dem prämotorischen Cortex Sprechen, Artikulation (eher als Reaktion auf Reize oder Vorstellungen im Gegensatz zum eher initiierenden SMA); auch aktiv beim Hören von Sprache
supplementär-motorisches Areal (SMA, M II) = medialer prämotorischer Cortex (mittlerer Teil von BA 6) inkl. supplementäres Sprachareal; erhält Informationen von präfrontalen Arealen (BA 46), vom somatosensorischen Cortex, vom Parietalcortex (BA 5) und vom ventrolateralen Nucleus des Thalamus (der u.a. Informationen vom

Kleinhirn und den Basalganglien aufnimmt)
Handlungsvorbereitung (prä-SMA) und -ausführung;

Planung und Auswahl erlernter, nicht reizinduzierter Bewegungen (aber Rückkopplung via Propriorezeption) einschließlich des Sprechens; Vorstellung von Bewegungen ist bilateral aktiv; mit zunehmender motorischer Geläufigkeit wird die Bewegungsplanung auf den primären Motorcortex verlagert
cinguläres motorisches Areal (CMA), ist über den Balken eng mit dem contralateralen CMA verbunden Planung und Auswahl erlernter Bewegungen; Blickbewegungen
posteriorer parietaler Cortex (PPC, Teile von BA 5); erhält Informationen vom somatosensorischen Cortex, dem vestibulären System, dem prämotorischen Cortex und dem Gyrus cinguli Einpassung der Bewegungen in räumliche und körperliche Kontexte; sensomotorische Integration; Vorstellung von Bewegungen; starke Lateralisierung (sprachliche Informationsverarbeitung links, räumliche rechts)
(primäres) frontales Augenfeld (FEF) im ventromedialen Frontalcortex (Teile von BA 8) willkürliche Augenbewegungen (wenn Blickziel präsent ist)
supplementäres Augenfeld (SEF) im dorsomedialen Frontalcortex (Teile von BA 6) willkürliche Augenbewegungen (einschließlich Blickvorbereitung)
präfrontaler Cortex (PFC)

- dorsal (BA 46, 9); erhält Informationen von PPC

- ventral (BA 11-14); erhält Informationen von Schläfenlappen, Amygdala, Hippocampus
"Handlungsorganisator"

- Konvergenz von Informationen zu Körper- und Augenbewegungen und räumlichen Positionen

- Konvergenz von Sinnesdaten unabhängig von Modus, Berücksichtigung von Lernerfahrungen und Handlungskontext


B) andere Hirnbereiche

limbische Strukturen

- mesolimbisches System (Nucleus accumbens, lateraler Hypothalamus, ventrales tegmentales Areal)

- Amygdala

- Hippocampus, basales Vorderhirn
Bewertung und Situationsangemessenheit

- Lust





- Unlust (Angst, Furcht)

- Erfolg und Mißerfolg
Basalganglien (Caudatum, Putamen, Pallidum, Nucleus subthalamicus, Substantia nigra im Mittelhirn); somatotope Organisation; Informationen von assoziativen und motorischen Cortex-Arealen, Beeinflussung dieser über thalamische Kerne Beteiligung an Wahlreaktionen und nicht völlig automatisierten Bewegungen, die eine Entscheidung erfordern oder aus dem Gedächtnis heraus aktiviert werden; "Zensur" der corticalen Pläne (soll Bewegung ausgeführt werden, ist sie der Situation angemessen? usw.)
verschiedene Kerne desThalamus (Nucleus ventralis anterior und lateralis); somatotope Organisation Verbindung von corticalen und subcorticalen Regionen
Kleinhirn (insbesondere die laterale Zone); ist über Brücke und thalamische Kerne mit (prä-)motorischen

Rindenarealen verbunden
Bewegungskoordination, Feinregulation, motorisches Lernen, automatisierte Entscheidungen, sprachliche Reaktionen

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