Lexikon der Neurowissenschaft

Biofeedback

Biofeedback und instrumentelle Konditionierung:

Die Vorgänge bei Biofeedback lassen sich auch im Tierversuch darstellen. Dazu wird bei einem künstlich beatmeten Tier die quergestreifte Muskulatur mit dem Pfeilgift Curare vollständig gelähmt. Curare eliminiert die autonomen Konsequenzen einer muskulären Aktivität, die durch mechanische, chemische oder reflektorische Verbindungen ausgelöst werden. Die visceralen und somatisch-muskulären Afferenzen (Wahrnehmung) und der efferente motorische Output des Zentralnervensystems (Efferenzen) unterliegen dabei keiner Veränderung. Es zeigt sich nun, daß sich bei curarisierten Tieren auf der Basis von Belohnung und Vermeidung verschiedene viscerale und humorale Funktionen instrumentell konditionieren lassen: Abfall und Anstieg von Blutdruck und Herzschlag, Magen- und Darmmotilität, Urinproduktion, Uteruskontraktionen, Veränderung der Haut- und Körpertemperatur sowie der Durchblutung verschiedener Körperregionen. Beim Menschen konnte die instrumentelle Kontrolle der elektrischen Aktivität lokaler Hirnregionen ohne meßbare motorische oder autonome Beteiligung nachgewiesen werden. Diese Experimente sprechen für die Möglichkeit eines direkten instrumentellen Lernens isolierter und spezifischer visceraler und corticaler Reaktionen und eröffnen die Möglichkeit selektiver Biofeedback-Therapien.

[Drucken] [Fenster schliessen]