Lexikon der Neurowissenschaft

Blindheit

Die Hälfte aller Erblindungen geht auf eine krankhafte Veränderung der Augenlinse zurück. Da die Augenlinse in der Embryonalentwicklung frühzeitig von der Durchblutung abgekoppelt wird, ist sie besonders anfällig gegen Störungen des Stoffwechsels, die zu einem Verlust ihrer Transparenz führen. Linsentrübungen jeder Art werden als Katarakt oder grauer Star bezeichnet. Die Ursachen einer Kataraktbildung können sowohl erblich als auch erworben sein. Sie reichen von mechanischen Verletzungen des Auges über den Einfluß von Medikamenten (z.B. Steroide, Acetylcholin-Esterase-Hemmer) zu systemischen Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Hypocalcämie, Down-Syndrom). In der überwiegenden Zahl der Fälle handelt es sich jedoch um eine altersbedingte Linsentrübung. Eine Therapie zur Vorbeugung gegen Kataraktbildung gibt es bisher nicht; deshalb bleibt die einzige Behandlungsmöglichkeit die operative Entfernung der trüben Linse, die gegebenenfalls durch eine künstliche Linse ersetzt werden kann. Dadurch wird oft wieder eine gute Sehfähigkeit erreicht. Nach dem Katarakt ist das Glaukom, auch grüner Star genannt, die zweithäufigste Erblindungsursache. Etwa 1% aller Menschen leiden an einem Glaukom. Bei einem Glaukom ist die Papille (blinder Fleck) atrophisch, der Gesichtsfeldausfall erfolgt fortschreitend, ist zunächst oft ringförmig, breitet sich dann in die Peripherie des Gesichtsfelds aus, läßt aber das Gesichtsfeldzentrum und damit die Sehschärfe bis in die Spätstadien der Erkrankung unbeeinträchtigt, so daß der Patient bis dahin kaum etwas bemerkt. Schließlich ist der Augeninnendruck erhöht. Das Glaukom wird in der Regel durch medikamentöse oder operative Senkung des Augeninnendrucks behandelt. Eine Infektion der Bindehaut des Auges durch Chlamydia trachomatis kann ebenfalls zur Erblindung führen. Dieser Erreger kommt vor allem in Ländern mit warmem Klima, schlechtem Lebensstandard und mangelnder Hygiene vor und gehört zu den häufigsten chronischen Entzündungen des Menschen überhaupt. Unbehandelt führt er zur Erblindung, eine Behandlung mit Antibiotika kann dies jedoch verhindern.

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