Lexikon der Neurowissenschaft

Chiasma opticum

Bei den niederen Wirbeltieren wie z.B. dem Frosch ist die Sehnervkreuzung vollständig, und die kompletten, monokularen Gesichtsfelder jedes einzelnen Auges werden in der gegenüberliegenden Gehirnhälfte weiterverarbeitet. Bei den Säugetieren kreuzt dagegen nur noch ein Teil der Nervenfasern. Dies hat wohl damit zu tun, daß die Augen dieser Spezies unterschiedlich weit nach vorne gerichtet sind, so daß jedes Auge auch visuelle Reize jenseits der Mittelachse des Kopfes auffangen kann, und folglich ein zunehmender Teil visueller Ereignisse über beide Augen gleichzeitig wahrgenommen wird. In dem Maße nun, wie sich die Gesichtsfelder der beiden Augen überlappen, bleiben im Chiasma opticum die Axone der temporal gelegenen Ganglienzellen der Netzhaut ungekreuzt, während die nasal liegenden Ganglienzellen kreuzen. Bei der Ratte kreuzen im Chiasma opticum 90% der Axone, bei der Katze 60%, beim Menschen, der ein fast vollständig binokulares Gesichtsfeld hat, nur noch gut 50%.

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