Lexikon der Neurowissenschaft

Haupthistokompatibilitätskomplex

Die MHC-Genprodukte und deren Auswirkungen sind bei Hausmäusen am besten untersucht. Die Proteine werden mit dem Urin abgegeben und fungieren als geruchliche Erkennungszeichen, mit deren Hilfe erwachsene Mäuse zwischen einem nahe verwandten und einem unvertrauten (genetisch verschiedenen) Artgenossen unterscheiden können. Diese werden sowohl bei der Wahl eines Geschlechtspartners als auch bei der Wahl einer Nestgenossin eingesetzt. Bei der Wahl eines Geschlechtspartners bevorzugt das Weibchen ein Männchen, dessen MHC von ihrem eigenen abweicht, wahrscheinlich, um Inzest zu vermeiden und um das Spektrum der Immunreaktivität ihrer Nachkommen zu erweitern. Bei der Wahl einer Nestgenossin hingegen werden Individuen mit ähnlichem MHC bevorzugt. Hausmaus-Weibchen bilden Gemeinschaftsnester, in denen die Nachkommen eines Weibchens auch von den anderen Weibchen gesäugt werden. Durch einen Zusammenschluß mit verwandten Tieren wird die Gesamteignung erhöht und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit der Ausbeutung durch Weibchen verringert, die zwar ihre eigenen Jungen durch andere Weibchen säugen lassen, aber selbst keinen Beitrag zur Aufzucht der anderen Jungtiere leisten.

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