Lexikon der Neurowissenschaft

Hippocampus

Hippocampus und deklaratives Gedächtnis:

Experimente mit Ratten haben gezeigt, daß das deklarative Gedächtnis allgemein stark beeinträchtigt ist, wenn der Hippocampus nicht mehr funktioniert. Bewiesen wurde dies mit Hilfe eines Assoziations-Tests. Menschen müssen dazu Wortpaare lernen und später bei der Vorgabe eines Wortes das andere ergänzen. Dasselbe Prinzip kann man auch mit Ratten durchführen, nur daß anstelle der Worte verschiedene Behälter (mit Futter) treten. Diese Behälter haben unterschiedliche Gerüche. Jeweils zwei (A und B) werden zunächst gemeinsam dargeboten, später muß das Versuchstier nach der Präsentation eines davon (A) zwischen dem assoziierten (B) und einem anderen (X) wählen, wobei B korrekt ist. Im eigentlichen Versuch wird dann getestet, inwieweit die Ratten Transitivität- und Symmetrie-Aufgaben bewältigen können, also in der Lage sind, Schlüsse zu ziehen zwischen Reizen, die ein gemeinsames Element haben bzw. zwischen Reizen, die in der verkehrten Reihenfolge relativ zur Trainingsphase angeboten werden. Die unversehrte Kontrollgruppe war dazu ohne weiteres in der Lage. Doch Ratten, deren Hippocampus durch Operation oder eingespritztes Zellgift zerstört wurde, die ansonsten aber gesund waren, konnten die Aufgaben nicht bewältigen. Somit ist der Hippocampus bei Ratten wie auch beim Menschen nicht nur für das räumliche, sondern ganz allgemein für das deklarative Gedächtnis notwendig, also für das Vermögen, viele verschiedene, auch neue Assoziationen in ganz unterschiedlichen Situationen zu verknüpfen.

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