Lexikon der Neurowissenschaft

Intelligenz

Intelligenz bei Tieren:

In der Biologie wurde es lange Zeit vermieden, tierische Verhaltensweisen als "intelligent" zu bezeichnen, da es als Anthropomorphismus galt, Tieren eine so "typisch menschliche" Eigenschaft zuzusprechen. Sieht man Intelligenz jedoch als eine Palette von Eigenschaften an (z.B. die Fähigkeit zu lernen, das Gelernte mit altem Wissen zu verknüpfen und in neuen Situationen anzuwenden, die Fähigkeiten zu Denken, Folgern und Planen usw.), so erkennt man, daß diese Eigenschaften zumindest ansatzweise auch im Tierreich, vor allem bei unseren nächsten Verwandten, den Menschenaffen, zu finden sind. Intelligentes Verhalten verleiht den Individuen eine Handlungsflexibilität, die durch unflexible, starre Verhaltensprogramme wie z.B. Reflexe nicht erreicht wird: Es stellt somit eine besondere Anpassung (Adaptation) an das Leben in variablen, unvorhersehbaren Situationen und Umwelten dar. In der Evolution der Hominiden wurde die Entwicklung der Intelligenz vermutlich durch das komplexe Zusammenleben in sozialen Verbänden gefördert, eine Lebensweise, die vom einzelnen Individuum große Flexibilität verlangt. Da die oben genannten Fähigkeiten, die intelligentes Verhalten bei Tieren ausmachen, in Säugern an bestimmte Hirnstrukturen gebunden sind (Großhirnrinde, Neocortex) ist es umstritten, inwieweit bei Tieren, die diese Strukturen nicht besitzen (niedere Wirbeltiere, Weichtiere, Insekten), von Intelligenz gesprochen werden kann. C.S.

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